Einen Ehrenplatz für Mozart

Hans-Jörg André und „sein“ Mozart, der gestern feierlich vorgestellt wurde: Er knüpfte mit dieser Aktion an seinen Ur-Ur-Ur-Großvater Carl August an. Als dieser das Tischbein-Original zum Schmuck seines Konzertsaals gekauft hatte, lud er ebenfalls Gäste zur Enthüllung ein. Auch dabei erklang Mozart-Musik, laut einem Bericht „sinnig und feierlich“.Foto: Georg

Offenbach - Schöner und prächtiger, als er vor drei Jahren im Haus der Stadtgeschichte zu sehen war, ist Mozart nach Offenbach zurückgekehrt. Das Gemälde von Leopold Bode war bei der Ausstellung „Johann Anton André (1775-1842) und der Mozart-Nachlass - Ein Notenschatz in Offenbach am Main“ - der städtische Beitrag zum Mozartjahr 2006 anlässlich des 250. Geburtstags des Künstlers - ausgestellt.

Damals war es noch arg ramponiert: Phosphorbomben hatten im Zweiten Weltkrieg Löcher in die Leinwand gefressen, und ein dicker Grauschleier lag über den Farben. Weil aber das Bild aus dem Privatbesitz der Familie André als bislang kaum bekannte Darstellung des Komponisten während der Ausstellung gerade aufgetaucht war und als kleine Sensation galt, wollten man es dem Publikum trotz der Blessuren nicht vorenthalten.

Das restaurierte Gemälde durfte gestern wieder bestaunt werden: Dazu hieß man Interessierte erneut im Haus der Stadtgeschichte willkommen. Oberbürgermeister Horst Schneider, Hans-Jörg André vom Musikhaus André, Dr. Eberhard Mittwich, Vorstand des Vereins Europäische Mozartwege, und Dr. Jürgen Eichenauer, Leiter Haus der Stadtgeschichte, begrüßten die Besucher im Stadtarchiv.

Zwei Jahre lang war das Mozart-Bild im Auftrag von Hans-Jörg André restauriert worden. Dabei ging es jedoch nicht nur um die Wiederherstellung der Malerei. Auch der Rahmen hatte im Lauf der Jahrzehnte schwer gelitten. Keine einzige Ecke war mehr vorhanden, und so hatte Restauratorin Ulrike Wenzel-Abu das Problem, die Ornamente an den Enden zu rekonstruieren. Nach umfangreichen Recherchen kam sie den Verzierungen schließlich auf die Spur. Jetzt glänzt der üppige Prunkrahmen wieder gülden und verleiht dem dargestellten Genie einen repräsentativen Charakter.

Hans-Jörg André freut sich sehr, „dass das Bild nicht mehr in einer Ecke herumsteht“. Denn seit dem Krieg, als das Gemälde im Hause seiner Großeltern am Isenburgring beschädigt worden war, war es in der Versenkung verschwunden, bis es wiederentdeckt in der Mozart-Schau öffentlich zugänglich gemacht worden war. Das versehrte Werk störte Hans-Jörg Andrés Gattin Anke, die die Restaurierung anregte. „Sie hat gesagt, so kann man das nicht lassen“, erzählt der Geschäftsmann.

Was die Wiederherstellung gekostet hat, mag der Leiter des Offenbacher Traditionshauses nicht verraten. Doch er möchte das Bild gerne als Leihgabe für Ausstellungen zur Verfügung stellen. Zuhause bei ihm bekommt es erst einmal einen Ehrenplatz. „Über dem Klavier im Wohnzimmer.“ Dass sich die Wohnung der Familie in Frankfurt-Sachsenhausen befindet, sollte dabei nicht an die große Glocke gehängt werden. Denn Jürgen Eichenauer hat in dem kunsthistorisch bedeutsamen Fund bereits einen Werbeträger für die Stadt Offenbach ausgemacht.

Musikwissenschaftlerin Birgit Grün, die die Mozart-Schau kuratiert hat, rekonstruierte die Geschichte des Gemäldes: Bodes Bild geht auf ein Werk eines Tischbein (nur der Nachname gilt als gesichert) zurück, das als Vorlage diente. Bodes Bild ist jedoch keine reine Kopie: Er hat er unter anderem dem Musiker die Napoleon-Geste verpasst.

Das Original wurde um 1780 oder 1790 gefertigt. Im Jahr 1849, wenige Jahre vor Bodes Kopie, wurde das Tischbein-Gemälde von Carl August André in Mainz gekauft. Carl August war ein Sohn des berühmten Johann Anton André, der im Jahr 1799 den Mozart-Nachlass für den Musikverlag André erwarb.

Im späten 19. Jahrhundert gelangte das Tischbein-Gemälde über Gustav André, der in New York und Philadelphia einen Musikverlag unterhielt, in die Vereinigten Staaten. Um 1900 war ein neuer Besitzer nachweisbar, dann verliert sich die Spur des Originals.

Geblieben ist lediglich die Kopie, die eines der im 19. Jahrhundert meistgeschätzten Mozart-Gemälde wiedergibt. Und genau das mache den besonderen Stellenwert des Bode-Bild aus, meint Jürgen Eichenauer.

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