Glatter Übergang vom Kindergarten in die Schule

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Walter Hiller (Software AG Stiftung), Hermann Dorenburg ( EKO), Dr. Peter Bieinussa (Staatliches Schulamt) und Moderatorin Felicitas von Küchler („Lernen vor Ort“) ziehen ein Fazit.

Offenbach - Was erwartet Kinder in der Grundschule? Bereitet die Kita ausreichend auf die neue Bildungssituation vor? Was soll dort gelehrt werden? Von Harald H. Richter

Mehr als 200 Teilnehmer sind zur Fachkonferenz in die Aula der Rudolf-Koch-Schule gekommen, überwiegend Erzieher aus Kindertagesstätten und rund 50 Grundschullehrer aus Stadt und Kreis. Dazugesellt haben sich junge Menschen, die eines Tages einen Erziehungsberuf erlernen wollen. Sie eint der Wunsch, voneinander zu lernen und Erfahrungen auszutauschen.

Hochkarätige Diskussionspartner haben die Veranstalter, das kommunale Projekt „Lernen vor Ort“, die Stadt Offenbach und das Staatliche Schulamt, für sich gewinnen können. Mit Professor Manfred Spitzer, Ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik Ulm, ist ein anerkannter Neurowissenschaftler als Referent erschienen. Dabei ist auch Dr. Zvi Penner (Konstanz), bekannt für innovative Methoden auf dem Gebiet der Sprachförderung und frühkindlichen Bildung. Jens Mengeler (Zülpich), Gründer und Leiter des Memory-Institutes für Lerntherapie, begleitet seit geraumer Zeit an mehreren Offenbacher Schulen das KUS-Projekt, ein kooperatives und schülerorientiertes Ganztagsschulmodell. Und Universitätsprofessor Dr. Wilfried Datler (Wien) engagiert sich seit drei Jahren in einem Weiterbildungsprojekt des Eigenbetriebs Kindertagesstätten Offenbach (EKO). Die Experten bringen ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse aus Hirnforschung, psychoanalytischer Sprachförderung sowie Diagnostik und Lerntherapie ein. Und sie wollen mit den Erziehern und Lehrkräften Grundlagen für das Lernen von Kindern in Kita und Grundschulen erarbeiten. In der Diskussion gibt es unterschiedliche Ansätze, um den Übergang von Kita zu Schule besser vorzubereiten. So wie die Mädchen und Jungen fit zu machen sind, muss sich beim pädagogischen Personal gemeinsames Problembewusstsein entwickeln. Das ist nicht immer leicht. Aber: Die Kommunikation der Fachkräfte, die in den unterschiedlichen Bildungseinrichtungen arbeiten, ist merklich besser geworden. Das bestätigen unisono Dr. Peter Bieniussa vom Staatlichen Schulamt und Hermann Dorenburg vom EKO.

Kooperation zwischen Stadt und Schulamt

Bereits seit 2008 besteht eine Kooperationsvereinbarung zwischen der Stadt und dem Schulamt, um den Übergang von Kita zu Grundschule zu erleichtern. Etwa durch Sprachförderung, mathematisch-naturwissenschaftliche Unterstützung und eine allgemein bessere Transfergestaltung. An diese Vereinbarung hat das Projekt „Lernen vor Ort“ unter anderem mit einer Arbeitsgruppe angeknüpft, in der sich Grundschul- und Kita-Leiterinnen ebenso wiederfinden wie Vertreter der Ämter und Behörden sowie die beteiligten Darmstädter Stiftungen Schader und Software AG. In Offenbach finden inzwischen wegweisende Aktivitäten statt, die selbst den Nachbarn Frankfurt aufmerksam machen. Eine weitgehende Zusammenarbeit besteht beispielsweise im Ganztagsklassenprojekt. Das Besondere: Erzieher und Lehrkräfte organisieren zusammen einen Bildungstag, es gibt gemeinsame Schulungen, und das in den Kindergärten des EKO angebotene Sprachförderprogramm wird in diesen Ganztagsklassen weitergeführt. Solche gibt es mittlerweile an fast der Hälfte der 14 Grundschulen.

Zu Beginn des Schuljahres sind an der Beethovenschule 50 Plätze hinzugekommen. An nun sechs Schulen stehen insgesamt 700 Plätze zur Verfügung. „Die Nachfrage ist jedoch weit größer“, berichtet Peter Bieniussa. An der Goetheschule beispielsweise hätten rund 200 Eltern Interesse an der Ganztagsbetreuung bekundet.

Mit jährlich rund 900.000 Euro wird die Weiterbildung der Fachkräfte in den Kitas und Grundschulen der Stadt gefördert. „Damit lässt sich wirksam arbeiten“, hebt Peter Bieniussa hervor. Erfreulich: Das mit 60 Millionen Euro vom Bundesbildungsministerium und europäischem Sozialfonds ausgestattete Programm „Lernen vor Ort“ ist erst kürzlich bis 2014 verlängert worden.

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