Stadtdienstleister ESO will Nutzung der Biotonne steigern

Mülltrennung: „Die Zukunft ist im Eimer“

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Der Rapper Tao setzt sich für Mülltrennung ein.

Offenbach - Dreieinhalb Jahre sind vergangen, seit die Biotonne in Offenbach eingeführt wurde. Doch so ganz angekommen ist sie noch nicht. Vor allem Bewohner großer Wohnanlagen nutzen sie zu wenig. Das will der ESO mit einer neuen Kampagne ändern: Ihr provokanter Slogan: „Die Zukunft ist im Eimer“. Von Veronika Schade 

5000 von 13.700 Biotonnen in Offenbach fristen ein tristes Dasein. Sie werden nie zum Leeren rausgestellt. Ein Umstand, den der für die Müllentsorgung zuständige Stadtdienstleister ESO ändern will. Schlummern doch gerade in den Bioabfällen wertvolle, ökologische Ressourcen. Nur, wenn sie in der richtigen Tonne landen, können sie in einer Biogasanlage vergoren werden, Wärme und Strom produzieren. Was übrig bleibt, wird als Dünger genutzt.

Doch seit der Einführung der Biotonne in Offenbach im April 2014 lässt ihre Nutzung noch zu wünschen übrig. „Das Trennverhalten der Bürger ist noch nicht so, wie wir es in Zukunft haben wollen“, formuliert es Bürgermeister und Müll-Dezernent Peter Schneider. Laut einer Analyse aus dem Jahr 2013 liegt die Bioabfallkapazität in der Stadt bei 10.000 Tonnen – das sind 40 Prozent des Restmülls. Aktuell werden pro Jahr aber nur 3500 Tonnen gesammelt. „Vor allem im Geschosswohnungsbau gibt es Probleme“, weiß ESO-Chef Peter Walther. Dabei könnten gerade die dortigen Bewohner damit das Volumen der teureren Restmülltonne verringern und so Kosten sparen. „Durch eine effizientere Nutzung der Biotonne sehen wir in Offenbach ein jährliches Einsparpotenzial von 200.000 Euro an Müllgebühren“, sagt Walther.

Gute Gründe also, um eine neue Kampagne für die Biotonne zu starten. „Die Zukunft ist im Eimer“, so ihr provokant-augenzwinkerndes Motto. Das dazugehörige Bild, das auf Werbeplakaten und auf zwei Biomüllfahrzeugen zu sehen sein wird, zeigt eine Biotonne inmitten einer Wiese, im Hintergrund dunkler Weltraum. Der Deckel der Tonne öffnet sich, sie strahlt heldenhaft von innen heraus. „Bioabfall sammeln – Welt retten“ steht darunter. Und kleiner: „ein bisschen zumindest“. Federführend ist die Offenbacher Kreativagentur U9. Die auf zwei Jahre ausgelegte Kampagne kostet 25 000 Euro im Jahr.

Der ESO hat sich damit zunächst zum Ziel gesetzt, die Jahresmenge des Biomülls auf 5000 Tonnen zu erhöhen. Das soll auf mehreren Wegen funktionieren. So werden viele Offenbacher Haushalte demnächst Post erhalten. Diejenigen, die die Tonne bereits nutzen, bekommen weitere Tipps dazu. „Zum Beispiel, dass da unbedingt auch Speisereste reingehören, weil sie besonders viel Energie liefern“, erläutert der stellvertretende ESO-Leiter Christian Loose. Nichtnutzer erhalten Informationen und praktische Hinweise. „Die Tonne ist zwar gesetzliche Pflicht, aber zwingen können wir niemanden. Wir wollen mit Überzeugung arbeiten“, so Walther.

Nützliche Tipps, etwa wie man aus Zeitungspapier ganz fix eine Bioabfalltüte bastelt und was alles in die Tonne gehört, finden sich in der Broschüre zur Kampagne, die ebenfalls verteilt wird. In 14 Sprachen und mit Piktogrammen versehen soll möglichst jeder Offenbacher sie verstehen können. „Zusätzlich schreiben wir die Hausverwaltungen an, machen ihnen Angebote“, sagt Loose. Zudem ist der ESO am Samstag, 7. Oktober, auf dem Wochenmarkt präsent und verteilt kostenlos Biomülltüten.

Effektiv Müll vermeiden: So geht's

„Die Biotonne ist in der Bundesrepublik ein funktionales Konzept“, findet ESO-Chef Walther. Es brauche Zeit, bis sie sich in einer Stadt etabliere. Offenbach stehe nicht schlechter da als vergleichbare Städte. „In Frankfurt gibt es sie bereits seit 15 Jahren, dort funktioniert das gut.“ Nur durch Aufklärung könnten auch hartnäckige Verweigerer zur Nutzung animiert werden. Denn deren Argumente wie Madenbefall, schlechte Gerüche oder siffende Beutel seien allesamt leicht vermeidbar. „Am besten alles fest in Zeitungspapier wickeln“, rät Loose.

Um gezielt junge Leute anzusprechen, ist der Offenbacher Rapper Tao Teil der Kampagne. Im Song „Die Zukunft ist im Eimer“ stellt der 25-Jährige klar: „Du bist nicht Öko, Hippie oder Veganer bloß weil du trennst. Den Rest in die Tonne – Strom aus Trash voll perfekt ohne Sonne.“ Weitere Infos: www.offenbach.de/weltretten.

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