Einfach die Steuern gesenkt

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Dem Stande angemessen: Mit Hemd und Hut waltet Bürgermeister Florian in der Kinderstadt seines Amtes.

Offenbach - „Wählt mich, damit es billiger wird und die Stadtkasse trotzdem voll bleibt!“ Mit diesem Slogan hat der zehnjährige Florian die Wahl zum Bürgermeister der ersten Offenbacher Kinderstadt gewonnen - und prompt die Steuern gesenkt. Von Angela Friedrich

Gestern wurde er vom „echten“ Oberbürgermeister Horst Schneider feierlich in sein Amt eingeführt. Schneider überreichte dem Kinderbürgermeister den Stadtschlüssel als Symbol für Macht und Verantwortung.

Statt der üblichen Ferienspiele, die seit Jahrzehntenauf dem Gelände der Arbeiterwohlfahrt im Hainbachtal laufen, wagt die Awo mit dem Verein Kaleidoskop als Kooperationspartner in diesem Sommer ein zumindest für Offenbach neues Konzept. Die Kinderstadt stellt die Eigeninitiative der Teilnehmer in den Vordergrund. In ihr wird das Leben in einer Stadt spielerisch simuliert. Die Betreuer sind nur zur Unterstützung dabei, Regeln werden von den Kinder selbst demokratisch beschlossen.

Den Anstoß für dieses Konzept gab die neue städtische Auflage, wonach eine wochenweise Anmeldung möglich sein sollte. Der dadurch entstehende Wechsel bei den jungen Akteuren belebt das Spiel zusätzlich.

Bilder aus der Kinderstadt

Kinderstadt bei den Ferienspielen

„Als Taxifahrer Wasser transportieren? Wenn das der Bürgermeister sieht!“, ruft Diana Bär, Pädagogische Leiterin der Ferienspiele, einem vorbeilaufenden Jungen zu. „Ich bin doch jetzt bei der Spedition!“, antwortet der. Und weg ist er mit seinem Bollerwagen voll Wasserflaschen. Jedes Kind in der Stadt hat einen Beruf, mit dem es Spielgeld verdient. Es gibt Banker und Polizisten, Kosmetikerinnen und Eventmanager. Um arbeiten zu dürfen, muss man sich bei der Stadtverwaltung eine Jobkarte holen. Das Geld kann in der stadteigenen Bäckerei, für Ausflüge und den Wasserspielpark ausgegeben werden.

„Die Kinder lernen hier Demokratie und selbstständiges Wirtschaften spielerisch kennen“, erklärt Diana Bär. Sie und Standortleiterin Meli Schneider sind „sehr zufrieden“ mit dem Verlauf der am Montag gestarteten neuen Form der Ferienspiele. „Die Kinder haben das Angebot sofort aufgegriffen und bringen tolle Ideen mit“, sagt Meli Schneider.

350 Kinder im Alter von 4 bis 14 Jahren werden die Ferienspiele besuchen. Die Nachfrage war größer, aber für mehr Plätze reichen die Zuschüsse nicht. Die Arbeit eines echten Verwaltungschefs sei schon „ein bisschen härter“, blickt Horst Schneider neidisch auf seinen steuersenkenden Amtskollegen.

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