Einflugschneisen verlegen

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Wie sich in den 80er-Jahren die Staatsmacht in Gestalt der Polizei und Startbahn-Gegner gegenüberstanden, dokumentieren Bilder des Journalisten Walter Keber.

Offenbach ‐ Die Diskussion um den Bau der Nordwestbahn am Frankfurter Flughafen ist nicht neu, hat aber offenbar kaum an Brisanz verloren. Mehr als 150 Offenbacher informierten sich vor kurzem im Rathaus über den aktuellen Stand des juristischen Verfahrens. Von Denis Düttmann

Die Stadt hat gemeinsam mit der Klagegemeinschaft „Gerechtigkeit für Offenbach“ bekanntlich einen Teilsieg vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof (VHG) in Kassel errungen. Das Gericht hat die geplanten 17 Nachtflüge in der Zeit zwischen 23 und 5 Uhr für rechtswidrig erklärt und die Revision vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig zugelassen.

Stadtrat Paul-Gerhard Weiß betonte am Donnerstag noch einmal, dass es weiterhin das Ziel der Klagegemeinschaft sei, den ganzen Planfeststellungsbeschluss aufheben zu lassen und so den Ausbau des Flughafens zu verhindern. Sollte dies jedoch nicht möglich sein, wolle man zumindest umfangreiche Auflagen durchsetzen.

Rechtsanwältin Ursula Phillip-Gerlach monierte, dass neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen über die gesundheitlichen Folgen von erhöhter Lärmbelastung zu wenig Gewicht beigemessen worden sei. „Die alten Werte, die dem Planfeststellungsbeschluss zu Grunde liegen, bilden nicht die Realität ab“, so die Rechtsanwältin.

Viel Zustimmung aus dem Publikum

Flughafenplaner Dieter Faulenbach da Costa rückte in seinem Vortrag die stadtplanerischen Konsequenzen des Flughafenausbaus in den Fokus. Da künftig ein Großteil Offenbachs in der sogenannten Tagesschutzzone 2 liegt, in der schutzbedürftige Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten und Altenheime nur mit einer Sondergenehmigung gebaut werden dürfen, werde die Stadt in ihrer Entwicklung gehemmt.

Viel Zustimmung aus dem Publikum bekam Faulenbach da Costa für seinen Vorschlag, das Anflugverfahren auf den Frankfurter Airport grundsätzlich zu reformieren. Nach seinen Berechnungen könnten mit einer Verlegung der Einflugschneisen rund 70 000 Bewohner der Region entlastet werden. Leider hätten seine Ideen bei der Deutschen Flugsicherung keine Resonanz gefunden.

In der anschließenden Diskussion wollten die Bürger vor allem wissen, wie es nun weitergeht, welche Strategie die Stadt in ihrem Kampf gegen den Flughafenausbau verfolgt und wie die Experten die Erfolgsaussichten im Revisionsverfahren beurteilen. „Die Chancen, dass das Bundesverwaltungsgericht den kompletten Planfeststellungsbeschluss aufhebt, sind äußerst gering. Die Fraport hat mit ihren ständigen Erfolgsmeldungen bereits einen gewissen faktischen Druck geschaffen“, erklärte Rechtsanwältin Ursula Phillip-Gerlach.

Ausbau wird Stadt noch einige Zeit beschäftigen

Ein Ausbaugegner aus Kelsterbach forderte seine Offenbacher Mitstreiter dazu auf, die Öffentlichkeit noch stärker zu mobilisieren und den Prozess kritisch zu begleiten. „Das Verfahren darf nicht allein Sache der Luftfahrtexperten und Juristen sein“, so der Aktivist. Hermann Gaffka warnte seinerseits davor, sich bereits jetzt ausschließlich auf die Durchsetzung eines Nachtflugverbotes zu konzentrieren und darüber das große Ziel aus den Augen zu verlieren. „Wir wollen uns mit der Lärmbelastung – auch am Tag – nicht abfinden“, sagte der Offenbacher.

Der geplante Ausbau des Frankfurter Flughafens wird die Stadt in jedem Fall noch einige Zeit beschäftigen. Rechtsanwältin Ursula Phillip-Gerlach geht davon aus, dass die Revision frühestens in einem Jahr verhandelt wird und auch dann sei fraglich, ob ein rechtskräftiges Urteil ergeht oder die Leipziger Richter den Fall wieder zurück nach Kassel verweisen.

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