67-Jähriger Offenbacher wieder im Knast

Eingebrochen, um Strafbefehle zu tilgen

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Offenbach/Detmold - Für zweieinhalb Jahre hat das Amtsgericht in Detmold (Nordrhein-Westfalen) einen Rentner aus Offenbach hinter Gitter geschickt: Der 67-Jährige war in eine Boutique eingebrochen und hatte Waren im Wert von mehr als 40.000 Euro mitgehen lassen. Von Ulrich Pfaff 

Es war weniger die Höhe des Schadens als sein Vorstrafenregister, das dem Angeklagten Peter M. zum Verhängnis wurde. 16 Vorstrafen habe der Angeklagte in seinem Leben „gesammelt“, betonte der Richter, darunter neun Jahre Haft wegen schweren Raubs mit Geiselnahme – er habe mehr als 30 Jahre seines Lebens im Gefängnis gesessen. Da könne allenfalls noch ein abschreckendes Strafmaß irgendeine Wirkung erzielen, befand der Richter.

Die jüngste Tat hatte der Mann im vergangenen Oktober in der Kurstadt Bad Salzuflen begangen. Warum er ausgerechnet dort gelandet war, wollte er nicht sagen. Begründung: „Meine Freundin sitzt im Saal, ich möchte nicht, dass es Zirkus gibt.“ Hochwertige Damenoberbekleidung, Schuhe und Modeschmuck hatte er zwei Stunden lang in einer Nacht zum Sonntag in der Boutique in eigens mitgebrachte Plastiktüten verpackt und ins Freie geschleppt, um sie später mit seinem Auto abzuholen. Dazu kam es aber nicht mehr: Er wurde von der Polizei angehalten und verhaftet. Das Diebesgut wurde zwar sichergestellt, aber zwei Säcke mit Bekleidung im Wert von 7000 Euro blieben verschwunden. Der Angeklagte gestand vor dem Schöffengericht in Detmold ohne Umschweife. Die fehlende Ware habe er allerdings nicht an sich genommen – „das muss jemand gewesen sein, der mich beobachtet hatte“.

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Er habe den „Bruch“ gemacht, um Schulden zu begleichen, „mir stand das Wasser bis zum Hals“, sagte der 67-Jährige – gerade mal 160 Euro betrage seine Rente, auf 390 Euro Gesamteinkünfte im Monat komme er durch Hartz IV. Dem gegenüber stünden etwa 15.000 Euro, die er abzutragen habe, und zwar zum großen Teil aus Strafbefehlen von deutschen Gerichten. Um mit der Tilgung einigermaßen voran zu kommen, habe ihm die Gerichtshilfe in Offenbach einen Job in einem Altenheim verschafft. „Den soll ich umgehend wieder aufnehmen, hat man mir mitgeteilt“, erklärte der Angeklagte.

Daraus wird nichts werden. Denn der Mann sitzt seit Dezember vergangenen Jahres in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Detmold – und wird nach dem Urteil insgesamt zwei Jahre und sechs Monate absitzen müssen. Mit diesem Strafmaß übertraf das Gericht sogar die Forderung der Staatsanwaltschaft.

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