Eingeschränktes Aufatmen

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Zivis sollen künftig nur sechs Monate Dienst leisten, ihren Einsatz aber freiwillig noch bis zu sechs Monate verlängern können.

Offenbach ‐ Endlich - das Aufatmen der Wohlfahrtsverbände ist geradezu greifbar, nachdem sich die Koalition auf ein neues Konzept für den Zivildienst geeinigt hat. Caritas, Malteser, Deutsches Rotes Kreuz und Paritätischer Wohlfahrtsverband begrüßen die von Schwarz-Gelb verabredete Möglichkeit einer freiwilligen Verlängerung des Zivildienstes um drei bis sechs Monate. Von Siegfried J. Michel

Auch wenn er regulär wie der Wehrdienst von neun auf sechs Monate verkürzt werden soll. Im Vorfeld hatten die Verbände kritisiert, ein auf sechs Monate verkürzter Zivildienst sei für Einsätze in der Pflege, im Heim oder bei pädagogischen Betreuungen zu kurz. Gewarnt wurde auch vor personellen Engpässen in zahlreichen sozialen Einrichtungen. Mit dem Kompromiss auf eine freiwillige Verlängerung kam die Koalition diesen Bedenken entgegen. Bereits heute will das Kabinett den Gesetzentwurf beschließen. Die Verkürzung soll für die Zivis ab dem 1. August gelten und für die Wehrdienstleistenden ab 1. Oktober.

Doch die Erleichterung der Verbände hat Grenzen. So kritisiert Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, die Vorgabe aus der Politik, erst nach zwei Monaten über die Verlängerung des Zivildienstes zu reden, sei „fern jeder Alltagsrealität.“ Schneider: „Wenn man vertrauensvoll miteinander arbeiten will, interessiert es alle Beteiligten natürlich von Anfang an, wie lange man miteinander zu tun haben wird.“

Ähnlich argumentiert der Generalsekretär des Deutschen Roten Kreuzes, Clemens Graf von Waldburg-Zeil: „Die in der Gesetzesnovelle vereinbarte Restriktion, den Zivildienst erst zwei Monate nach Dienstbeginn verlängern zu können, nimmt den Einsatzstellen jede Planungssicherheit.“ Auch wäre es wünschenswert, wenn für lernintensive Plätze wie im Rettungsdienst eine Ausnahmeregelung gefunden würde. „Dort dauert die Einweisung bis zu drei Monaten. Bei einer Verkürzung des Zivildienstes geraten Aufwand und Nutzen aus dem Gleichgewicht“, betonte er.

Die Zivis werden bei einer freiwilligen Dienstverlängerung ihren Sold weiter erhalten, erklärte Katja Laubinger, Pressereferentin beim Familienministerium. Zudem könne die Dienststelle des Zivildienstleistenden einen Soldzuschlag zahlen. Zuversichtlich ist man auch, dass die Möglichkeit zur Verlängerung angenommen wird: „Es gibt bereits heute viele Zivildienstleistende, die sich gerne noch länger engagieren möchten. Diesen werden heute überwiegend Praktikantenplätze angeboten, die sozial nicht oder nur schlecht abgesichert sind. Junge Männer, die ihren Dienst künftig verlängern, gelten rechtlich als Zivildienstleistende wie in den ersten sechs Monaten, d.h. sie sind genauso gut sozial abgesichert und für sie gilt das Arbeitsplatzschutzgesetz.“

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