Für einige nicht nur Kiosk

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Mit schwerem Gerät rückten Bauarbeiter dem Kioskgebäude auf dem Ostendplatz zu Leibe. Das Häuschen fiel den städtischen Umgestaltungsplänen zum Opfer.

Offenbach - Objektiv betrachtet, fielen dem Abrissbagger „nur“ Mauerwerk und eine hölzerne Dachkonstruktion zum Opfer. Objektivität ist allerdings nicht immer das Maß aller Dinge. Von Cora Werwitzke

Knapp 15 Jahre lang arbeitete Stefanie Zilch in dem kleinen Gebäude auf dem Bieberer Ostendplatz. Sie sieht die Sache deshalb nicht durch die rein faktische Brille: „Ich denke, mit dem Abriss geht ein Stück Bieberer Stadtgeschichte verloren. “.

Seit 1997 betrieb Zilch in dem markanten Häuschen einen Kiosk mit Ausschankraum. Dem Erdboden gleich gemacht wurde das Gebäude nun, weil es nicht mehr ins Konzept passte: Die städtischen Umgestaltungspläne für die Bieberer Ortsmitte sehen vor, dass man den Ostendplatz von der Seligenstädter Straße in Zukunft besser einsehen können soll. Bekanntlich wurde deshalb im Stadtparlament bereits Mitte 2010 die Beseitigung der Kleinstgastronomie und der Buswendeschleife beschlossen.

Für Stefanie Zilch, Tochter des bekannten Bieberer Getränkehändlers Josef Zilch, hat sich derweil bewahrheitet, was sie seit dem Bekanntwerden der städtischen Pläne befürchtet hatte: Sie ist arbeitslos. Am traurigsten sei jedoch, dass ein beliebter Treffpunkt in Bieber verloren gegangen sei, meint die ehemalige Wasserhäuschen-Betreiberin. Gegen diese Folge der von der Stadt als großer Wurf und fortschritt für den Stadtteil gefeierte Umgestaltung des Ostendplatzes hatte sie 2 200 Unterschriften von Bieberern gesammelt. Eine neue Pilsstube an anderer Stelle wird sie auf absehbare Zeit nicht eröffnen: „Es fehlt hier an geeigneten Standorten und bezahlbaren Mietpreisen“, winkt die ehemalige Kleingastronomin ab.

Der nun erfolgte Abriss des Kioskgebäudes ist Zwischenergebnis einer Bauphase, die sich noch bis in den Sommer ziehen dürfte. Die Stadt will die 4 400 Quadratmeter große Fläche mit Grünflächen und Beeten auflockern. Zum Plan gehört, den Spielplatz zu vergrößern und neues Pflaster zu verlegen. Bäume werden in Abstimmung mit dem Umweltamt gefällt oder ersetzt.

Seit Februar sind die Maßnahmen zur Umgestaltung des zentralen Bieberer Platzes im Gange. Rund 590.000 Euro lässt sich die Stadt das Vorhaben kosten. Erklärtes Ziel sei „ein Plus an Aufenthaltsqualität im Stadtkern“, heißt es im Rathaus. Stefanie Zilch ist nicht davon zu überzeugen, dass deswegen ihr Kiosk weichen musste: „Das hätte man auch anders regeln können.“

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