„Laut gegen Lärm“: Einige wollen nicht und einer traut sich nicht

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Hier unterschreiben bitte.. An Symphatisanten-Mangel litt die Fluglärm-Aktion nicht.

Offenbach - Manche Passanten wissen nicht, um was es den Leuten geht, die sie am Samstag am Rand des Wilhelmsplatzes beim Streichholzkarlchen ansprechen. Sie laufen mit gesenktem Kopf hastig weiter. Von Stefan Mangold

„Sonst stehen hier andere Gruppen“, begründet Katja Werner, warum einige Bürger offensichtlich gar nicht wissen wollen, um was es geht, obwohl das Thema auch sie angehen dürfte. Die Desinteressierten bilden jedoch die Minderheit. Nach anderthalb Stunden überschlägt Waltraud Falkenberg von der Initiative „Laut gegen Lärm“ schon „ungefähr 500 Leute“, die die neue „Petition für Verminderung des Fluglärms“ unterschrieben haben.

Sie richtet sich an den Bundestag. Das „laut“ bezieht sich auf die Trommler, die zwischendurch auftreten. Auch Vertreter der seit Jahren engagierten Bürgerinitiative Luftverkehr (BIL) sammeln mit. Die Petition fordert Bundesbehörden auf, „die Auswirkungen des Flughafens auf die Umgebung neu zu bewerten und Flugrouten zu verlegen“. Das Nachtflugverbot müsste für die „gesetzliche Nacht von 22 - 6 Uhr“ gelten. „Lebensfeindliche Belastungen“ in schon besonders belasteten (Groß-)Städten müssten vermieden werden.

Im Stadtgespräch finden Sie alles zum Flughafenausbau und Fluglärm

Was das im Alltag bedeutet, erzählt Philipp Despot, ein 18-jähriger Gymnasiast der Albert-Schweitzer-Schule. Er wohnt in Rumpenheim. Mehrmals die Woche wache er beim ersten Flieger gegen fünf Uhr morgens auf. Und später, in der Schule an der Waldstraße, leide nicht nur seine Konzentration unter dem Krach.

Frank Weber, Vize-Chef im Ordnungsamt und jetzt „als rein privater Bürger“ hier, fürchtet ein Ausbluten Offenbachs. Die politischen Entscheider bedienten „die Interessen Einzelner, nicht die der Mehrheit“. Er selbst wohne am Buchhügel. Durch die neue Landebahn „habe ich jetzt einen Stereoeffekt“ zwischen den Anflugrouten.

Infos gibt es auch auch auf der Internetseite anti-fluglärm.de

Auch der Mühlheimer Hermann Gottfried ist nach Offenbach gekommen. Er sieht im Lärm ein Problem, aber „vor allem auch in der zunehmenden Emission des krebserregenden Feinstaubs“. Seine Briefe beantworte die Fraport im arroganten Tenor, „wir bedauern, aber Sie müssen das hinnehmen“. Mit Horst Schneider, Gerhard Grandke und Wolfgang Reuter unterschreiben der aktuelle Oberbürgermeister und seine Vorgänger. Holger Weinert, Moderator des Hessischen Rundfunks, gesellt sich dazu.

Anders als ein Mann aus Frankfurt. Der würde gerne, traut sich aber nicht. Nahe eines Cafestands gibt er sich als Mitarbeiter der Fraport zu erkennen und stellt die Frage, warum die Landesregierung bereit sei, mit der Aufhebung des Nachtflugverbots „ihr Wort zu brechen“ - das Risiko nicht scheuend, „die nächsten Landtagswahlen zu verlieren“. Für den Fall sei es interessant zu beobachten, „welche Mandatsträger dann wo unterkommen“. Der Mann reibt Daumen und Zeigefinger aneinander.

 

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