Bahnhof Bieber

Denkmal-Streit in Offenbach: Ist der Zwist endlich beendet?

Das historische Bahnhofsgebäude in Bieber ist nun eingerüstet, in den kommenden Monaten wird das Dach repariert.
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Das historische Bahnhofsgebäude in Bieber ist nun eingerüstet, in den kommenden Monaten wird das Dach repariert.

Es gibt Hoffnung für den Bahnhof Bieber in Offenbach. Ein Gerüst steht bereits, das Dach soll repariert werden.

Offenbach - Schandflecke gibt es einige in der Stadt, das Bahnhofsgebäude in Bieber zählt zu den besonders sichtbaren. Seit Jahren verfällt das 1896 errichtete Bauwerk zusehends, im Dach klafft ein großes Loch. Der unansehnliche Zustand ist ein andauerndes Ärgernis, in Zuschriften beklagen Leser den Ruin.

Doch seit einigen Tagen gibt es wieder Hoffnung für das Baudenkmal: Ende Februar wurde das Gebäude eingerüstet, das Banner einer Dachdeckerfirma aus dem Main-Kinzig-Kreis ist daran zu sehen. Anwohner berichten, dass Handwerker das Gebäude entrümpelt hätten und im Inneren Stützen aufstellten. Der Bauherr und dessen Frau hätten sogar einigen Nachbarn einen Blick ins Gebäudeinnere gestattet und dabei von ihren Plänen, zwei Wohnungen und eine Gaststätte darin unterzubringen, berichtet.

Manche der so eingeweihten Bieberer machen aus ihrer Freude, aber auch ihrer Überraschung über diesen Schritt keinen Hehl. „Ich habe das Haus schon einstürzen sehen – dass nun doch endlich mit der Sanierung begonnen wird, damit habe ich nicht mehr gerechnet“, zeigt sich einer erleichtert. Tatsächlich kommt die Sanierung überraschend, denn über Jahre hinweg lähmte ein Streit zwischen Eigentümer-Gesellschaft und Stadt über den Denkmalschutz jeglichen Fortschritt.

Historische Wiederherstellung: Überraschende Renovierung nach Denkmal-Streit in Offenbach

Marcus Müller, dessen „Gesellschaft für Offenbacher Irritationen“ (Gefoi) den Bahnhof 2009 erwarb, bestätigt, dass er das Dach sanieren und das Gebäude abstützen lässt. In den kommenden Wochen soll die Bedeckung repariert und nach historischen Vorlagen wiederhergestellt werden. In Abstimmung mit dem Denkmalschutz soll es mit schwarzen Doppelmuldenfalz-Ziegel eingedeckt werden.

Man habe ihm historische Bilder des Gebäudes gezeigt, und daher möchte Müller in Abstimmung mit den Denkmalbehörden auch Dachgauben und Holzverzierung wiederherstellen lassen. „Die Verhandlungen befinden sich auf der Zielgeraden, sodass wir aktuell fest mit dieser Umsetzungsvarianten rechnen“, schreibt er. Die gegenüber der Nachbarschaft angedeutete Nutzung des Gebäudes für Wohnungen sei „eine wahrscheinliche Variante“, Pläne für einen denkmalschutztechnisch umstrittenen Anbau seien erst einmal auf Eis gelegt. Ob eine Gaststätte realistisch sei, müsse sich nach Beendigung der Corona-Pandemie zeigen.

Bahnhöfe der Rodgaubahn

Der Bahnhof Bieber ist Teil der 1896 eröffneten Rodgaubahnstrecke, die in den Folgejahren weiter ausgebaut wurde. Wie andere Bahnhöfe der Strecke ist der Bahnhof als rötlich-gelbes Backsteingebäude errichtet. Mit dem Aufkommen der S-Bahn-Strecke verloren die Bahnhöfe ihre Bedeutung und wurden nach und nach verkauft. In mehreren ehemaligen Bahnhöfen der Strecke sind inzwischen Restaurants oder Cafés untergebracht, so in Heusenstamm (im Jahr 2006), danach in Rodgau-Nieder-Roden und später auch in Rodgau-Jügesheim und Obertshausen. 

Bahnhof Bieber in Offenbach drohte einzustürzen – Streit scheint überwunden

Den Anstoß für die aktuellen Arbeiten, aber auch für das Aufeinanderzugehen beider Parteien gab eine Anordnung der Stadt vom Dezember: Da das Gebäude einzustürzen drohte, verfügte die Stadt Erhaltungsarbeiten auf Kosten der Eigentümer-Gesellschaft in Höhe von rund 242 000 Euro an. Wie Stadtsprecher Fabian El Cheikh bestätigt, kam es dadurch zu neuen Gesprächen zwischen Eigentümer und Stadt – die nun sehr viel besser verliefen als zuvor. „Der Eigentümer hat daraufhin die von uns geforderten Arbeiten selbst übernommen“, verrät El Cheikh. Die Absicherungsarbeiten des Gebäudes seien dabei sogar über das vom Denkmalschutz Geforderte hinaus gegangen. „Der Bauherr und seine Frau zeigen sich sehr engagiert, und als Stadt sind wir daher hoffnungsvoll, was das Baudenkmal anbelangt“, lobt der Stadtsprecher.

Einigung wie Sanierungsarbeiten kommen somit zur rechten Zeit, der Zwist er vergangenen Jahre scheint überwunden. „Wir freuen uns, dass sich die Gesellschaft so engagiert zeigt und wollen nach vorne schauen statt zurück“, sagt El Cheikh. (Frank Sommer)

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