Es war einmal ein Juwel in Offenbach

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Protestierende „manroland“-Mitarbeiter.

Offenbach - „Die MAN Roland Druckmaschinen AG ist ein Juwel unter den Offenbacher Industriebetrieben. Mit ihren Betriebsstätten in Offenbach, Augsburg, Mainflingen und Mühlheim hat sie im Geschäftsjahr 1986/87 rund 1,3 Milliarden Mark umgesetzt. Von Frank Pröse

In Augsburg und Offenbach waren daran 7 330 Mitarbeiter beteiligt. “ So war es im Mai 1988 in dieser Zeitung zu lesen. Damals war die Welt des Druckmaschinenherstellers noch in Ordnung. Davon profitierten unter anderem auch Zulieferer wie Mabeg in Offenbach, Gottfried Wachtberger Präzionsmaschinenfabrik in Heusenstamm, der Rundschleifmaschinenhersteller Herminghausen-Werke in Mühlheim. Im amerikanischen Middlesex wurden erfolgreich Flexo-Druckwerke hergestellt, in Montreal produzierte MAN Roland Ashton Inc. Formular-Druckmaschinen, und in Mailand gab es eine hundertprozentige Vertriebstochter. In Brasilien war MAN Roland zu diesem Zeitpunkt gleich zweimal vertreten. Von dort aus wurde der südamerikanische Markt mit dem Maschinentyp Praktika versorgt.

Bilder von den Protesten der „manroland“-Mitarbeiter

Proteste der „manroland“-Mitarbeiter

Wahrhaft glänzende Zeiten waren das im Vergleich zu heute. Doch selbst damals lief nicht alles glatt. Der Druckmaschinenhersteller und die Stadt waren einander in einer Art Vernunftehe verbunden. Und wie im richtigen Leben gab´s Verstimmungen zwischen den Partnern - ebenso Flirts, Versuchungen und Umwerbungen von Dritten. Aus Unterfranken etwa - und aus Dietzenbach. Und dann gab´s da noch eine Konzernspitze, die bei Bedarf gerne mal darauf aufmerksam machte, dass der schöne Roland sich auch in Augsburg oder Nürnberg gut machen würde.

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Letztlich ist Roland dann aber in Offenbach geblieben. Das ist aus Sicht des damaligen Vorstandsmitglieds Harry M. Greiner ein Verdienst der damaligen Kämmerin Inge Vittoria gewesen. Die arme Frau konnte ja auch nicht anders, als die Parzellen südlich des Werks für die angekündigte Expansion und Investitionen von 450 Millionen Mark frei räumen zu lassen. 1000 avisierte Neueinstellungen, ohnehin schon knapp 4000 Beschäftigte und ihre Angehörigen, zigtausend Angehörige auch bei den Zulieferern im Kreis: Das Gemeinwesen hatte ein großes Interesse, dass der Erfolgshunger des größten industriellen Arbeitgebers gestillt werden konnte. Damals titelte diese Zeitung: „Roland kann die Auftragsflut schon nicht mehr bewältigen - Bestellungen müssen abgelehnt werden“. Die Abarbeitung dieser Orderflut - Ende 1989 meldete das Unternehmen einen Auftragsbestand von drei Milliarden Mark - sorgte noch wenige Jahre für gute Umsätze und auskömmliche Renditen. Das avisierte Südwerk wurde freilich nicht gebaut, nachdem der Vorstand 1990 „erste Tiefausläufer“ erspäht hatte. Im September 1991 gab´s dann schon die erste Kurzarbeitsphase für etwa die Hälfte der Beschäftigten. Schon Anfang 1992 wurden die ersten 750 Entlassungen verkündet. Seither gab es zwar hin und wieder neue Erfolgsmeldungen, doch in der Tendez ging es für „manroland“ abwärts.

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