Aufregung am ersten Schultag

Das kommt in die Tüte

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Auch beim zehnjährigen Pascal dürfen in der gut gefüllten Schultüte die Süßigkeiten nicht fehlen

Offenbach - Von wegen Möhrensticks und Äpfel: In den bunten Schultüten steckt neben vielen Süßigkeiten und Unterrichtsmaterialien häufig auch Spielzeug. Wir haben bei Eltern und Erstklässlern nachgefragt.

In diesem Jahr beginnen insgesamt 1227 Erstklässler an 14 Offenbacher Grundschulen ihre Lern-Karriere. Die meisten davon werden an der Goetheschule willkommen geheißen: 176 ABC-Schützen schultern dort den Ranzen und freuen sich auf einen gelungenen Start ins erste Jahr. Für die nötige Motivation sorgen dabei nicht zuletzt ausgefallene Schultüten. Die leckeren Geschenke zum Schulstart haben sogar eine lange Tradition: Die frühesten Berichte tauchen bereits 1817 in Sachsen auf. Um den Kindern die Angst vor dem ersten Schultag zu nehmen, erzählten Eltern damals von einem wundersamen Zuckertütenbaum auf dem Grundstück des Lehrers. Rechtzeitig zum Schulanfang durften die Sprösslinge dann als „Trostpflaster“ munter süße Früchte ernten. Die ersten Schultüten enthielten dementsprechend Obst und schmackhafte Naschereien, Praktisches zum Start in einen neuen Lebensabschnitt suchte man vergebens. Bis 1910 ist die Schultüte ausschließlich in Ostdeutschland bekannt. Erst danach beginnen die bunten Wegbegleiter ihren Siegeszug durch das ganze Land. Und obwohl dieser Brauch hierzulande heute kaum mehr wegzudenken ist, sind Schultüten im Ausland kein Thema.

Hier finden sie alles zur Einschulung

Sie ist das wichtigste Utensil am ersten Schultag: die Schultüte. Gestern trugen Hunderte von Erstklässlern stolz ihre kegelförmigen Geschenke über Offenbacher Schulhöfe. Viele Exemplare haben die Eltern gebastelt, andere sind gekauft. Doch vielmehr als die schöne Verpackung interessiert die Schulanfänger natürlich, was drin steckt. Auch wir sind neugierig! Denn immer öfter finden Kinder darin CDs, Bücher, Spielfiguren, Mal- und Bastelsets oder andere nützliche Dinge für den Unterricht. Wir haben mal einen Blick in die Schultüten der Erstklässler geworfen und herausgefunden, was heute so im Trend liegt.

Große Augen angesichts der Riesenkegel

Gut die Hälfte der Schultüten in Bieber ist selbstgebastelt. Der Trend geht dabei zum bunten Riesen-Ungetüm mit Krepppapier-Rand und aufwändigen Applikationen aus Moosgummi. Ein Großteil der Eltern hat selbst Hand angelegt: „Im Schweiße meines Angesichts“, lacht eine junge Mutter. Das Werkeln hat sich gelohnt, einige Kinder können es gar nicht abwarten, einen Blick in den geheimnisvollen Kegel zu erhaschen. Viele Kindergärten bieten beim Basteln Hilfe an. Aus mehreren Vorlagen wählen die Kleinen ihren Favoriten aus. Wichtigstes Entscheidungskriterium? Lieblingstiere oder Lieblingsfilme stehen hoch im Kurs. Der kleine Jonas trägt beispielsweise eine extragroße Star-Wars-Tüte mit sich herum. Diese ist zwar nicht selbstgemacht, aber trotzdem ein Hingucker: „Sie hätten mal seine Augen sehen sollen, als er die heute Morgen bekommen hat“, verrät seine Oma schmunzelnd. Beliebt sind Schultüten in Kombination mit hippen Scout-Rucksäcken. Bei Pascal passt die blaue Tüte mit Fußballbildern bestens zum Ranzen, seine Freundin Aysa posiert mit grassgrüner Dschungelfieber-Kombination. Etwa 30 Euro geben die Eltern im Schnitt für den Inhalt aus. Neben den obligatorischen Süßigkeiten gibt’s auch Schmuck, Hörspiel-CDs und Schulzubehör.

Süßes und Lego im Doppelpack

Viel hilft bekanntlich viel. Um ihrem Sohn die Schulzeit zu versüßen, haben Jeremys Eltern gleich zwei Schultüten gefüllt. Weil die Eltern getrennt sind, gibt es eine von Papa und eine von Mama. Darin liegen sowohl Süßigkeiten als auch Lego-Spielzeug. Etwa 100 Euro hat Jeremys Mutter allein in die Füllung ihrer Tüte investiert, die Plastik-Helden von Playmobil zieren. Obendrauf gab’s noch ein Fahrrad – für den künftigen Schulweg. Mit Jeremy haben 176 Kinder ihren ersten Tag an der Goetheschule gefeiert. Bei so vielen Erstklässlern lassen sich an Tüten regelrechte Trends ablesen. So stehen die Jungen auf Motive von Star Wars, Lego, Spiderman oder den Ninja-Turtles. Ihre kleinen Nachbildungen finden sich oft in den Tüten wieder. Und die Mädchen? Die fliegen natürlich auf Pink, Einhörner und Schmetterlinge. Cecilias Exemplar ist fast so groß wie sie selbst. Die Schultüte hat ihre Oma liebevoll gebastelt. Den Pappkegel schmücken gelbe Schmetterlinge aus Moosgummi. Im Innern verstecken sich ein Spiel, ein Buch, Äpfel, Gummibänder zum Basteln und: Süßigkeiten. Zirka 40 Euro hat sich Cecilias Großmutter das kosten lassen. Einige Eltern haben ihren Kindern auch die Goethe-Schule-Shirts eingepackt, weiß Rektorin Gabriele Schranz. Die gab’s in den Sommerferien beim Stadtteilbüro zu kaufen.

Jedem sein Schmuckstück

Etwas besonderes ausgedacht hat sich Manja Scholz: Die Schultüte ihrer Tochter Monique ist in Kuhfell eingehüllt. „Die Kuh ist ihr Lieblingstier“, sagt sie lachend und zeigt die Tüte, an der sie fast acht Stunden gebastelt hat. „Der erste Schultag ist einmalig, und jedes Kind sollte etwas Persönliches bekommen.“ Diese Meinung teilen in der Waldschule Tempelsee fast alle Eltern, denn der größte Teil der Schultüten ist selbstgebastelt. Tina Hrivula hat für ihren Sohn Jan extra Eulen-Anhänger für Schulranzen und Mäppchen eingepackt, da er in die „Eulenklasse“ kommt. Ganz nach dem Geschmack von Schulleiterin Hannelore Grebe: „Der Inhalt der Schultüte sollte Bezug zur Schule haben und kein weiteres Nintendo-Spiel sein.“ Die Eltern an der Waldschule geben zwischen zehn und 80 Euro für Buntstifte, Modellbau-Sets und Schlüsselanhänger aus, um den Schulbeginn einzuläuten. „Bei uns waren die Schultüten damals gekauft und viel kleiner. Heute sind die teilweise so schwer, dass die Kinder sie kaum tragen können“, erinnert sich die Schulleiterin. Übrigens: Wenn der Vater dem Patenonkel das Gestalten überlässt, kann das schnell zu ungewollten Komplikationen führen. Erst recht, wenn Papa zu den Kickers hält und der Pate zur Eintracht. Dann findet sich auf der Schultüte der Tochter schon mal ganz zufällig ein Adler, der so sicher nicht eingeplant war...

Klassisch oder lieber kreativ?

Starkes Modebewusstsein beweisen die Neuzugänge der Humboldtschule. Die Schultüten sind gekonnt an den Schulranzen oder das Oberteil der Mutter angepasst. Doch was ist besser: Handgemacht oder fertig gekauft? „Gebastelte Tüten sind individuell, gekaufte nicht“, urteilt eine Mutter. „Wir müssen kein Geld für etwas Beliebiges ausgeben, wenn wir etwas Einmaliges basteln können.“ Andere Eltern sind sich einig: Gekauft soll sie sein! Grund dafür sind meist linke Hände. An der Humboldtschule ist das Verhältnis von selbstgemachten und gekauften Tüten eher ausgeglichen. Neben Lego für die Jungen und Spielzeugponys für die Mädchen sind die Schultüten reichlich mit Süßem gefüllt. Chips, Gummibärchen und Schokolade, wohin das Auge reicht. Aber auch Schulutensilien wie Füller oder Farbkästen sind darunter. Im Schnitt geben die Eltern 20 bis 50 Euro für ihre Liebsten aus. Von Freunden oder Familie gibt es zudem oft eine Überraschungstüte mit Kleinigkeiten obendrauf.

Die ersten Bilder der Einschulung

Einschulung 2014 in Dietzenbach

(san/eml/jks/dti)

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