Nur ein einseitiger Dialog

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Pfarrer Jürgen Schäfer in seiner Kirche St. Elisabeth, die sich als helles, modernes und liebevoll ausgestattetes Gotteshaus präsentiert.

Offenbach - Interreligiöse Rundgänge ermöglichen das Eintauchen in andere Gemeinden. Im direkten Gespräch soll mehr über die jeweiligen Religionen erfahren werden. Im Vordergrund: der islamisch-christliche Dialog. So weit die Theorie. Von Alexandra Bauer

Als am Wochenende die Kirche St. Elisabeth besucht wird, sind Katholiken und Evangelen unter sich. Pfarrer Jürgen Schäfer führt gut 20 Gäste durch sein Gotteshaus. Auch einige „Schäfchen“ seiner eigenen Gemeinde sind dabei. Zunächst berichtet der Geistliche über die Geschichte der Gemeindekirche. Nach dem endgültigen Verbleib in Lauterborn wurde Ende der 80er Jahre der Neubau beschlossen. Heute präsentiert sich die St. Elisabethkirche als helles, modernes und liebevoll ausgestattetes Gotteshaus. Zunächst forderte Pfarrer Schäfer seine Zuhörer auf, den Kirchenraum auf sich wirken zu lassen. Der Eindruck der Gäste: still, ruhig, freundlich.

Als störendes Element betrachten die Teilnehmer lediglich die Vergitterung der kleinen Kapelle, die diese vom Hauptraum trennt. Positiv nehmen sie das Halbrund des Gemeinderaumes wahr, das als Zentrum den offenen Altarraum in einer apsisartigen Nische hat. Besonderes Wohlgefallen findet auch die künstlerische Ausstattung der Kirche. Im Anschluss geht es um liturgische Geräte und theologisches Verständnis des katholischen Glaubens.

Dass ein Tabernakel die Hostie enthält und diese nach katholischem Verständnis das Fleisch Christi im Wortsinne verkörpert und deshalb auch außerhalb der Eucharistiefeier „heilig“ ist, ist dem Protestanten nicht unbedingt klar. Die Eucharistiefeier der Katholiken beziehungsweise das Heilige Abendmahl der Protestanten ist einer der Hauptunterschiede zwischen den beiden Konfessionen, wie Pfarrer Schäfer deutlich machte. Auf die Frage nach der Bedeutung der Ökumene antwortete Schäfer, vieles habe sich bereits liberalisiert und die Gemeinde sei, was auch der offene Kirchenraum ausdrückt, nun mehr im Zentrum des liturgischen Geschehens und habe an Bedeutung gewonnen. Dies könne man nicht mehr mit den alten katholischen Kirchenräumen vergleichen.

Die katholische Liturgie erregt die Neugier der protestantischen Gäste. „Ob es denn auch Weihrauch gäbe?“ wollte einer der Gäste wissen, nachdem Pfarrer Schäfer das Weihwassergefäß und seine Funktion erklärt hatte. „Nur zu hohen Festen“, schmunzelte der Pfarrer: „An Ostern oder Weihnachten.“

Zum Abschluss der Führung begibt sich die Gruppe in die Seitenkapelle, deren Funktion, wie Pfarrer Schäfer erklärt, in der Messfeier zu Wochentagen besteht. Diese ist durch einen separaten Eingang betretbar, so dass die Andacht auch außerhalb der Messe möglich gemacht werden sollte. „Leider wurde schon des Öfteren Unfug getrieben, auch eine versuchte Brandlegung war dabei“, beklagt Schäfer. So muss die Tür nun leider für die Gläubigen geschlossen bleiben.

Nicht nur die evangelischen Gäste profitierten von der Veranstaltung. Wie ein katholisches Ehepaar erläuterte, wollten auch sie tiefergehende Informationen über ihre eigene Konfession erhalten, auch wenn sie regelmäßig zum Gottesdienst gingen. Was die teils regen Diskussionen im Kirchenraum anging, lässt sich dies als Zeichen der Notwendigkeit zum interreligiösen Dialog werten.

Nächster Termin des interreligiösen Rundgangs: Sonntag, 7. Juni, 11.30 Uhr, ehemalige Synagoge (heute: Capitol, Goethestraße 1-5)

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