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Busverkehr in Offenbach: Einschnitte bei Personal und Fahrzeiten – was sich nun ändert

Einsparungen im Offenbacher Busverkehr: Die Fahrtzeiten werden nachts ausgedünnt.
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Einsparungen im Offenbacher Busverkehr: Die Fahrtzeiten werden nachts ausgedünnt.

Der befürchtete Kahlschlag im Offenbacher Busverkehr fällt trotz hohen Einsparungen aus. Doch attraktiver wird der Umstieg auf Busverkehr auch nicht - besonders nachts.

Offenbach - Mit Spannung wurde das Einsparkonzept von Mobilitätsdezernentin Sabine Groß (Grüne) für den Offenbacher Busverkehr erwartet. Schließlich muss Offenbach der klammen Haushaltslage und der hohen Kosten wegen sparen. 5,8 Millionen Euro müssen für das Haushaltsjahr 2022 eingespart werden.

Nun hat Groß das Konzept für den Busverkehr präsentiert, der befürchtete Kahlschlag im ÖPNV Offenbach fällt dabei aus. Doch attraktiver wird der Umstieg auf den Busverkehr damit auch nicht. Doch der Reihe nach: Eine Million der nötigen Einsparungen werden durch eine höhere Ausschüttung des Stadtkonzerns übernommen. Weitere drei Millionen Euro erhält Offenbach von Bund und Land, um den Ausfall von Einnahmen durch Fahrkartenverkauf im vergangenen Jahr zu kompensieren. Damit wäre der coronabedingte Ausfall sogar vollständig übernommen.

Offenbach streicht beim Busverkehr 83.000 Kilometer

Bleiben noch 1,8 Millionen Euro – und die müssen durch Leistungskürzungen erzielt werden. „Das war eine wirklich schwierige Aufgabe“, sagt Groß, denn weder sollte das Angebot entscheidend eingeschränkt werden, noch im großen Stil Personal abgebaut werden. Und ganz nebenbei muss auch noch mit Bürgel-Ost ein neues Viertel vom Busverkehr erschlossen werden.

Vier Millionen Kilometer legt Offenbachs Busverkehr im Jahr zurück, davon werden 83.000 Kilometer gestrichen. „Das sind gerade einmal zwei Prozent“, sagt Groß. Durch Änderungen von Streckenverläufen wird Bürgel-Ost dennoch erschlossen.

Ermöglicht wird die Kürzung durch Zusammenlegung zu bestimmten Zeiten von Linien, die parallel Strecken bedienen und durch die Ausdünnung des Taktes in den Randstunden. Von 20 bis 23 Uhr wird auf allen Linien nur noch im Halbstunden-, bis 1 Uhr dann nur noch im Stunden-Takt gefahren, sagt OVB-Geschäftsführerin Anja Georgi. Dazu gebe es kleinere Kürzungen bei bestimmten Linien. „So kommen wir insgesamt auf 83 000 Kilometer“, sagt sie.

Einsparungen im Busverkehr in Offenbach: Auch das Personal wird gekürzt

Einschnitte gibt es auch beim Personal, wenn auch im geringeren Ausmaß als zunächst befürchtet. Bisher arbeiten 218 Fahrer für die Verkehrsbetriebe und Main Mobil, nach der neuen Planung dann nur noch 204. Von den 2018 haben 25 befristete Verträge. Wie angekündigt, sollen auslaufende Verträge nicht verlängert werden, allerdings nur in fünf Fällen. „Neun wären ohnehin ausgeschieden, etwa aus Altersgründen, somit werden bei fünf die Verträge nicht verlängert“, sagt Groß. Laut OVB-Geschäftsführer Heiko Linne betont, dass man schon dem Betriebsrat versichert habe, für die fünf Betroffenen neue Anstellungen in der Region zu suchen.

Allerdings machen die Personal- und Streckenreduzierung gerade einmal 200 000 Euro aus, der größte Schnitt wird daher bei dem Subunternehmen angesetzt, das im Auftrag der Stadt mit Bussen im Einsatz ist. Da ab einer Kürzung von 25 Prozent der vertraglich vereinbarten Leistung Strafzahlungen fällig werden, habe man sich geeinigt, unter dieser Grenze zu bleiben. „Wir kürzen die Leistung um 22 oder 23 Prozent“, sagt Stadtwerke-Geschäftsführer Peter Walther. Im Gespräch mit dem Subunternehmer habe dieser deutlich gemacht, dass er bei mehr Kürzungen vor Gericht ziehen werde – mit ungewissem Ausgang für die Stadt. Das habe man nicht riskieren wollen, sagt Walther.

Änderungen am Fahrplan

Alle Linien: Spätverkehr läuft von Mo bis Sa von 20 bis 23 Uhr im 30-Min.-, von 23 bis 1 Uhr im 60-Min.-Takt. So von 8 bis 23 Uhr 30-Min.-, von 23 bis 1 Uhr 60-Min.-Takt.

Linie 101: 7 bis 9 und 13 bis 18 Uhr im 7,5-Min.-Takt, 18 bis 20 Uhr 15 Min.-Takt statt wie zuvor 20.30 bis 22 Uhr

Linie 102: wie bisher

Linie 103: letzte Fahrt endet am August-Bebel-Ring

Linie 104/105: Kurzfahrten Anton-Bruckner-Straße/Marktplatz entfallen, versetzte 15-Minuten-Taktung

Linie 106 und 108: Neuer Linienweg zur Anbindung Mainzer Ring.

Linie 107: Endet Montag bis Samstag gegen 20.30 Uhr

Linie 120: Mo-Fr: Fahrten zw. 20.17 und 21.47 Uhr enden am Marktplatz statt am August-Bebel-Ring. Montags bis freitags entfallen die Fahrten um 20.11 und 20.41 Uhr ab August-Bebel-Ring und samstags die Fahrten um 19.59 und 20.29 Uhr ab Senefelderallee wegen der parallel verkehrenden Linie 103 mit veränderter Spät-Taktung.

Busverkehr in Offenbach: Drastischer Einschnitt für Subunternehmen

400. 000 Kilometer von vertraglich vereinbarten Aufträgen für das kommende Jahr – die Stadt wollte ursprünglich die Gesamtstrecke ab Dezember um eine halbe Million Kilometer erweitern – würden bei dem Subunternehmen von der Stadt gekürzt, bei vier Euro pro Kilometer seien das die nötigen 1,6 Millionen Euro. Für das Subunternehmen bedeutet die Kürzung laut Walther einen drastischen Einschnitt: „Er wird wohl deutlich Personal reduzieren müssen durch unsere Kürzung“, sagt Walther im Haupt- und Finanzausschuss. Somit würden sich die Befürchtungen der Gewerkschaft Verdi, dass Fahrer ihre Stellen verlieren, wohl doch bewahrheiten.

Für die Zukunft ist weiter sparen angesagt: Zwar fällt laut Kämmerer Peter Freier die Gewerbesteuerprognose mit 80 Millionen Euro besser aus als erwartet und auch die Fahrgastzahlen haben sich wieder seit Mai normalisiert, doch eine neue Corona-Welle könnte alles ändern. „Wie es mit den anderen befristet Beschäftigten weitergeht, entscheidet sich beim Plan 2022/23“, sagt Linne. Bei den Beschäftigten im Nahverkehr herrscht also weiterhin Aufregung und so mancher bangt um seine Arbeit.

Die Stadtverordneten müssen in der Sitzung am 14. Juli zustimmen. (Frank Sommer)

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