Einst Kritiker, jetzt Fan

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Den wollen wir: Ex-MAN-Manager Martin Lange und Carmen Krieger-Löw sind die Sprecher der Horst-Schneider-Initivative.

Offenbach - Nach der Wahl ist vor der Wahl. Haben die Bürger nun gerade mal den eine Woche zurück liegenden Politkampf auf Kommunalebene halbwegs verdaut, wird übergangslos die nächste Runde eingeläutet. Von Silke Gelhausen-Schüßler

 Am 4. September werden die Karten für das Amt des Oberbürgermeisters neu gemischt. Der Inhaber will es behalten, eine überparteiliche Wählerinitiative ihn dabei wie vor sechs Jahren unterstützen. „Wir für Horst Schneider“ heißt sie und startet gleich voll durch. Mit einer Auftaktveranstaltung bündelte sie am Samstag gut 250 Interessierte im Büsingpalais.

Initiative-Sprecher sind Carmen Krieger-Löw, eine Werbefachfrau, und Martin Lange, einst Geschäftsführer von MAN-Roland. Sie bringen gleich zur Begrüßung auf den Punkt, was sechs weitere Redner untermauern: „Wir unterstützen OB Schneider, weil er in den vergangenen sechs Jahren sehr viel positives für Offenbach bewirkt hat.“

„Er ist des Deutschen mächtig und spricht nicht zu viel dummes Zeug“

Alle haben sich reichlich Argumente zusammengesucht. Der Ex-Manager Lange hat nach eigenem Bekunden die Stadtentwicklung seit Beginn von Schneiders Amtszeit genau verfolgt. Da hat er so einiges aufzuzählen: Sanierung des Büsingparks, Gründerzentrum Ostpol, Neugestaltung von Mainuferpark, Teilen des Schlossparks Rumpenheim und Wilhelmsplatz. Nicht zu vergessen das künftige Kickers-Stadion und das geplante Hafen-Projekt. „Der Neid so mancher Nachbarstadt soll auf uns fallen“, wünscht sich Lange.

Am Anfang sei er einer seiner größten Kritiker gewesen, verrät Dr. Wolfgang Kappus, ehemaliger IHK-Präsident und Seifenfabrikant. Während Schneiders Amtszeit habe er sich aber eines besseren belehren lassen: „Er weiß genau, was er will, was er kann und was er nicht kann. Zum Beispiel, dass er kein Wirtschaftsfachmann ist.“ Wenn man ihn gebraucht habe, sei er präsent gewesen, er habe Investoren in die Stadt gelockt und Landesmittel locker gemacht. Zudem befindet Kappus: „Er ist des Deutschen mächtig und spricht nicht zu viel dummes Zeug.“ Ersteres könnten ja die meisten Politiker von sich behaupten, beim letzteren will er dem OB da wohl etwas besonderes zu attestieren. Kappus erinnert noch vorsichtshalber mit Blick auf den vorletzten Sonntag, dass es bei der Wahl nicht nur um eine Abstimmung zur Energiewende gehe.

Dass Schneider erfolgreich Kontakt zu Frankfurt gesucht habe, ist für den „waschechten Offenbacher“ Erich Dahlheimer allein ein Riesenerfolg. Und dass die Stadt in den vergangenen Jahren zunehmend Anerkennung von außen gewinne, sei eine Tatsache und seiner Arbeit unmittelbar zuzuschreiben. „Er ist engagiert, kämpft überparteilich, hat politisch-administrative Kompetenz“, schwärmt Dahlheimer und setzt noch eins drauf: „Eines Tages wollen wir in der Zeitung lesen, dass Frankfurt und Offenbach gemeinsam für eine wirtschaftliche Ansiedlung am Kaiserlei kämpfen.“

Eine echte Vorzeigefrau

Glaubt man den Laudatoren, gibt es kaum ein Thema, das Schneider auf die lange Bank schiebt. Die Kultur gehört auf jeden Fall nicht dazu. Der Kirchenmusiker Professor Jürgen Blume hat den Kandidaten zumindest schon oft bei Konzerten oder in Museen angetroffen und weiß einige neue Projekte aufzuzählen: Städteübergreifend soll es eine Museumsufercard und Zugang zu Büchereien geben. Bereits am Laufen sind Bücherbus, bezahlbare Konzerte, die Capitol-Classic-Lounge...

Beispiel Sport: Da kennt sich Patrick Ihlefeld, Vorsitzender der Fußballabteilung der SG Rosenhöhe, aus. Er nutzt die Gelegenheit, dem Stadtoberhaupt ein paar Wünsche mitzugeben, wie einen neuen Kunstrasen für seinen Verein. Der Fußballer möchte die sozial schwachen Kinder mehr am Sport beteiligen. Denen steht nach neuer Hartz-IV-Regelung zu, pro Monat zehn Euro Zuschuss für Vereinsaktivitäten in Anspruch zu nehmen. Leider sei die bürokratische Hürde für Antrag und Abwicklung dieser Leistung enorm hoch. Ihlefeld appelliert deshalb an die Stadt, den Vereinen die Aufnahme von zehn Prozent „kostenloser“ Kinder zu ermöglichen, und diese Vereinsaktion schnell und unbürokratisch umzusetzen.

Zu guter Letzt die einzige Dame der Rednerrunde. Milosava Vujadinovic arbeitet als Ingenieurin und hat fünf Kinder, eine echte Vorzeigefrau. Genauso professionell gestaltet sie ihre Ansprache, hat sich eigenen Angaben zufolge gründlich schlau gemacht. Fazit: „Schneider zeichnet sich durch seine Ehrlichkeit aus. Er hat gehalten, was er vor der Wahl 2005 versprochen hat.“

Das Schlusswort hat Horst Schneider selbst. Er berichtet von aktuellen und zukünftigen Projekten, verspricht Kunstrasen nicht nur für die Rosenhöhe, sondern auch für den Wiener Ring. Fragen aus dem Publikum zu Maindamm, Braunkohlekraftwerk, Alternativkultur und Hafen 2 werden bestmöglich beantwortet.

Wer jetzt seine Überzeugung öffentlich zeigen will, deckt sich noch mit dem Fan-T-Shirt „Wir für Horst Schneider“ ein. Jazzmusiker Berry Blue & Gäste sorgten für die musikalische Untermalung der knapp zweistündigen Veranstaltung.

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