Einstieg in Bus

Kleine Fahrgäste unerwünscht

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Zustieg unerwünscht: Im vergangenen Jahr wurde Tagesmutter Simone Fricke mit ihrem 4er-Krippenwagen an Bushaltestellen regelmäßig stehen gelassen. „Fahrer haben gar nicht erst angehalten oder nur die vordere Tür geöffnet“, erinnert sie sich. Dabei ist im Bus prinzipiell genug Platz für das 1,25 Meter lange Gefährt.

Offenbach - Um mit ihren Schützlingen mobil zu sein, sind viele Tagesmütter auf sogenannte Krippenwagen angewiesen. Der Einstieg in einen Bus aber gerät mit den großen Transportmitteln oft zum Glücksspiel. Von Jenny Bieniek 

Neues Design und eine größere Aufstellfläche für Rollstühle, Kinderwagen oder Rollatoren – so haben die OVB ihre jetzt grünen Gelenkbusse vor wenigen Tagen angepriesen. „Meint ihr, dann nimmt mich endlich mal ein Bus mit, wenn ich mit meinem 4er-Wagen an der Haltestelle stehe?“, kommentierte Simone Fricke unseren Bericht daraufhin im Netz.

Als Tagesmutter von fünf Kleinkindern zwischen einem und drei Jahren ist Fricke in der warmen Jahreszeit oft zu Fuß unterwegs. Etwa zum Spielplatz im Leonhard-Eißnert-Park oder zum Waldzoo am Nassen Dreieck. Auf ihren Krippenwagen ist sie dabei angewiesen. „So kleine Füße schaffen’s nicht allein vom Bahnhof nach Tempelsee“, sagt Fricke.

Von der Idee, den Heimweg nach langen Märschen bequem per Bus anzutreten, hat sie sich inzwischen aber verabschiedet. Zu oft wurde sie mit ihrem Gefährt an der Haltestelle stehen gelassen. „Die Busfahrer grinsen nur, schütteln den Kopf und fahren einfach an uns vorbei“, ärgert sich Fricke. Sei ein Halt wegen anderer Fahrgäste nötig, werde nur die vordere Tür geöffnet. „Vergangenen Sommer wurde ich nur ein einziges Mal mitgenommen“, erinnert sie sich. Betroffen sei vor allem die Linie 101, aber auch die 104 und 106.

An der Grenze des Machbaren

Dabei misst ihr Vierlingswagen gerade mal 1,25 auf 80 – und passt damit locker in den Bus. Die Aufstellfläche der alten Modelle ist 1,90 Meter breit, die der neuen dank einer Sitzreihe weniger sogar 2,60 Meter. „Damit sind wir an der Grenze des Machbaren“, sagt Stadtwerke-Sprecher Jörg Muthorst. Die vergrößerte Stellfläche sei vor allem der wachsenden Zahl älterer, gehbehinderter Fahrgäste geschuldet. Doch auch wenn Krippenwagen ein sehr spezieller Fall seien, könne er das Verhalten der Fahrer nicht nachvollziehen. Eine entsprechende Anweisung gebe es jedenfalls nicht.

Allein in Offenbach sind etwa 90 Tagesmütter gemeldet. In Zeiten, in denen beide Elternteile berufstätig sind und die Kleinkind-Betreuung gesetzlich garantiert ist, gewinnen sie für die Gesellschaft an Bedeutung. Nachdem Tagesmutter Daniela Bänsch vom 4er- auf einen 6er-Wagen (84 x 1,40 Meter) umgerüstet hat, hat sie das Busfahren aufgegeben. „Ich habe schon mit dem Vierlingswagen nur schlechte Erfahrungen gemacht – sofern ich überhaupt mitgenommen wurde“, sagt sie. Doch den gut 100 Kilo schweren Wagen die ansteigende Bieberer Straße hochschieben? Schwerstarbeit.

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Einmal habe ein Fahrer sie nach dem Zustieg aufgefordert, wieder auszusteigen. „Ich habe kleine Kinder bei mir, da kann ich nicht groß diskutieren“, erinnert Bänsch. Auch an den Unmut einiger älterer Menschen hat sie sich inzwischen gewöhnt: „Ich höre ständig Sätze wie ,Wie asozial, muss man sich in der heutigen Zeit fünf Kinder anschaffen?’ oder ,Sie müssen hier jetzt nicht rein, hier ist kein Platz mehr’.“

Fricke und Bänsch betonen, die Stoßzeiten immer gemieden zu haben. „Aber wir dürfen selbst dann nicht mitfahren, wenn ausreichend Platz ist.“ Das Dilemma: Sitzen ihre Schützlinge ordentlich im Krippenwagen, dürfen sie nicht mit. Nehmen sie die Kinder an der Hand, wie gestern Daniela Bänsch, fährt der Bus los, bevor sie alle hinsetzen konnte. „Dann fallt das letzte Kind fast hin. Richtig festhalten können sie sich ja noch nicht.“

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