Einsturzgefahr gebietet Handeln

Bahnhof in Bieber droht einzustürzen – Stadt schreitet ein

Sichtlich marode: Mit Notsicherungsmaßnahmen will die Stadt den denkmalgeschützten Bieberer Bahnhof vor dem Einsturz bewahren.
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Sichtlich marode: Mit Notsicherungsmaßnahmen will die Stadt den denkmalgeschützten Bieberer Bahnhof vor dem Einsturz bewahren.

Seit mehr als zehn Jahren wird zwischen Eigentümer und Stadt ergebnislos um die Zukunft des Kulturdenkmals „Bahnhof Bieber“ gestritten. Nun zieht die Stadt wegen Einsturzgefahr die Reißleine.

Offenbach - Die Kosten soll die Eigentümerin tragen. „Nach den Unterlagen der Bauaufsicht sind an dem Gebäude seit 2008 durch die Eigentümer-Gesellschaft keine wesentlichen Erhaltungsmaßnahmen durchgeführt worden“, sagt Baustadtrat Paul-Gerhard Weiß. Weil es in den vergangenen Jahren zu keiner Verständigung mit der Eigentümerin gekommen sei und diese notwendigen Maßnahmen zum Erhalt des Bauwerks in Eigeninitiative bislang ablehne, müssten nun Notsicherungsmaßnahmen am Gebäude eingeleitet werden.

Bahnhof in Offenbach: Einsturz droht – Stadt will umgehend handeln

Das Gebäude in der Poststraße ist inzwischen ein Schandfleck in Bieber und sichtlich marode. „Wir rechnen jederzeit mit einem teilweisen oder vollständigen Verlust dieses Denkmals, weil mit Einsturz zu rechnen ist. Daher ist umgehendes Handeln geboten“, so Weiß. Das Bauaufsichtsamt werde daher als untere Denkmalschutzbehörde und in Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege ab Mitte Januar 2021 auf Kosten der Eigentümerin die Notsicherungsmaßnahme vornehmen. Geplant ist, den Dachstuhl zu ersetzen sowie im Inneren marode Teile zu entfernen und die Immobilie abzustützen. Die Gesamtkosten werden sich voraussichtlich auf rund 242 000 Euro belaufen. Sie werden der Eigentümer-Gesellschaft in Rechnung gestellt. Die Eigentümerin hat gestern auf eine Bitte unserer Zeitung um Stellungnahme bis Redaktionsschluss nicht reagiert.

Der Bieberer Bahnhof gilt als bedeutsames Dokument der Eisenbahngeschichte. Seine Konstruktion und Gestaltung seine von besonderem historischen Wert und machten das Gebäude zu einem erhaltenswerten Kulturgut. Als solches steht es ausweislich der Denkmaltopografie „Eisenbahn in Hessen“ von 2005 und mittlerweile auch in der Denkmaltopografie der Stadt unter Denkmalschutz.

Offenbach: Einsturzgefahr im Bahnhof Offenbach-Bieber

Nach Aufgabe der Nutzung durch die Bahn und für die Dauer längerer Verkaufsverhandlungen stand das Gebäude einige Zeit leer. Es wurde schließlich im Dezember 2009 durch eine GmbH erworben. Weiß: „Zu diesem Zeitpunkt war das Gebäude in einem Zustand, in dem Maßnahmen zum Witterungsschutz und eventuell zur Sicherung der Standsicherheit erforderlich waren.“

Bereits 2008 wurden der Bauaufsicht Pläne für Umbau, Anbau und Nutzungsänderungen vorgelegt, die positiv bewertet wurden, insbesondere in der Folgezeit auch in denkmalschutzrechtlicher Hinsicht. Im Dezember 2008 sei der Denkmalschutz-Status der Eigentümer-Gesellschaft bekannt gewesen, berichtet der Baudezernent. Seitdem seien keine neuen Pläne vorgelegt oder Anfragen gestellt worden. Zuletzt habe nicht mal mehr Interesse an Begehungen zur Sicherheit der Liegenschaft bestanden.

„Die Bauaufsicht hat über die Jahre immer das Ziel verfolgt, mit der Eigentümerin eine gemeinsame Gesprächsebene zu finden und sie dazu zu bewegen, das Gebäude wenigstens zwecks Erhaltung ordnungsgemäß zu sichern. Diese Kontakte konnten leider aber nicht auf eine sachliche Ebene gelenkt werden – der Erfolg war daher gering“, formuliert Weiß. Es habe sich herausgestellt, dass nach Übernahme nie eine Nutzung oder Erhaltung des Gebäudes durch den Eigentümer geplant gewesen sei.

Bahnhof in Offenbach: Einsturz droht – Denkmalschutzbehörde will Möglichkeiten nutzen

Der Stadt, einer Vielzahl von Bürgern und den beteiligten Behörden sei sehr an dem Erhalt dieses historisch relevanten Bauwerks gelegen, ist Weiß überzeugt. Es bewahre Eisenbahngeschichte und dokumentiere damit auch ein Stück Zeitgeschichte des Stadtteils. „Diesem Kulturdenkmal, seiner Umgebung und den Bürgern der Stadt ist zu wünschen, dass das Gebäude seinem besonderen Charme entsprechend erneuert und wiederbelebt wird“, sagt Weiß.

Solange diese Perspektive nicht gegeben sei, werde die Denkmalschutzbehörde ihre Möglichkeiten nutzen, die mangelnde Verantwortung der Eigentümerin durch ordnungsbehördliche Maßnahmen aufzufangen und zumindest den Erhalt des Denkmals zu sichern. (mad/pso)

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