Senioren Centrum

Einzug der ersten Seniorinnen

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Blümchen zum Empfang: Liselotte D. ist bereits angekommen in ihrem neuen Zuhause. Die stellvertretende Pflegedienstleiterin Martina Müller kümmert sich um die erste Bewohnerin am Spessartring. Noch ist das Zimmer im Gegensatz zu den anderen Einrichtungen im Haus ein wenig kahl und farblos. Die 88-Jährige wird es sich in den nächsten Tagen heimisch machen. Sie freut sich drauf.

Offenbach - Der Fernseher muss auf jeden Fall rein, ein paar Zeitschriften. „Und Bücher aus meiner eigenen Bibliothek“, betont Liselotte D. „Ein schönes Bild hängen wir dir auch an die Wand“, ergänzt ihre Tochter Regine Schmidt-Burkhardt mit Blick auf die noch kahlen Wände. Von Fabian El Cheikh

An diesem Vormittag hat die Offenbacherin ihre 88-jährige Mutter in ihr neues Zuhause begleitet – in ein eigenes Zimmer im Vitanas Senioren Centrum Am Hainbach. „Jeder Bewohner soll seinen Raum mit liebgewonnenen Möbeln so einrichten, dass er sich wohl fühlt“, sagt Christa Umlauf, „ein Stück Zuhause mitbringen.“

Die aus dem Münsterland stammende Pflegeheim-Leiterin heißt gestern die ersten drei Bewohnerinnen willkommen. Künftig sollen 164 Pflegebedürftige am Spessartring betreut werden. Es ist das neueste und eins der größten Pflegeheime in der Stadt, das während des Baus bereits zahlreiche Schlagzeilen erzeugte: ein Baukran, der während der Arbeiten umzustürzen drohte, ein überraschender Betreiberwechsel (zuvor wollte die Unternehmensgruppe Casa Reha das Haus nutzen), die damit einhergehende Umbenennung von „Lilihof“ zu „Am Hainbach“ sowie die generelle Kritik auch der städtischen Altenplanerin, in Offenbach gebe es ein Überangebot an Pflegeplätzen.

Weitere zehn Bewohner ziehen bald ein

Das alles wirkt für die ersten Besucher in dem durchaus freundlich und farbig gestalteten sowie großzügigen Gebäude ganz so wie Schnee von gestern. Wenn auch der Frost der vergangenen Wochen noch seine Nachwirkungen entfaltet: So musste die Außengestaltung am Hainbach unterbrochen werden. Nun freut man sich auf den Frühling und auf die neuen Bewohner, weitere zehn sollen in Kürze folgen, hinzu kommen vorübergehend Ausquartierte aus dem Pflegeheim am Hessenring (dazu nebenstehender Artikel).

Die Nachfrage jedenfalls ist groß, versichert Christa Umlauf, die mit Neueröffnungen schon einige Erfahrungen sammeln durfte. Vor drei Jahren hat sie ein Vitanas-Haus in Bautzen als Leiterin miteröffnet. Nun ist die Hotelfachfrau, die in früheren Jahren bereits in dieser Region in der Hotellerie gearbeitet hat, zurückgekehrt und in Offenbach trotz aller hier geäußerten Skepsis gegenüber dem neuen Player auf dem Pflegemarkt nach eigenem Eindruck „mit offenen Armen“ empfangen worden.

Der Unterschied zwischen Hotel und Pflegeheim

Ihren beruflichen Hintergrund – sie hat eine Weiterbildung zur Heimleiterin absolviert – begreift sie als Vorteil: „Der Unterschied zwischen Hotel und Pflegeheim liegt allein im Umfeld, wie das Drumherum geschaffen ist.“ Im Pflegebetrieb das Ambiente eines Hotels zu schaffen, sei das große Ziel, das sie sich gesetzt habe. Und zuhause fühlen soll man sich auch, weshalb Vitanas seinen Räumen eine heimelige Namensgebung mitsamt passender Bildgestaltung an den Wänden verpasste: Rumpenheim, Bieber, Kaiserlei, aber auch Heusenstamm, Seligenstadt und Langen heißen die Etagen. „Wir rechnen mit einem größeren Einzugsgebiet.“

Gegenüber den Mitbewerbern hervorstechen will die Unternehmensgruppe mit ihrem Haus vor allem durch die angebotenen Dienstleistungen und die etwas geringeren Kosten der Heimunterbringung. „Bei der Pflege gibt es ja durch die engen Vorgaben keine Unterschiede zwischen den Anbietern.“ Die Vorzüge am Spessartring wiederholt das Unternehmen immer gern – den schönen Blick auf Frankfurt vom Restaurant mit Dachterrasse im sechsten Stock, die selbst zubereiteten Speisen in der Küche, der zuvorkommende Umgang mit den Bewohnern, die vielen Aufenthaltsräume zum Klönen, Kaffeetrinken, Spielen, Lesen, Fernsehen „und was auch immer unsere Damen und Herren dort tun wollen“.

Offizielle Eröffnung in knapp zwei Wochen

Am Tag der Betriebsaufnahme – offizielle Eröffnung ist in knapp zwei Wochen – ist zwar noch einiges zu tun. Der Aufzug reagiert unmotiviert aufs Rufsignal, die Bestuhlung fürs Foyer befindet sich auf einem Lkw auf irgendeiner Autobahn, die Fernbedienungen für die Fernsehapparate fehlen, hier und da wird fleißig gehandwerkelt. „Das ist völlig normal an einem Eröffnungstag, man merkt erst während des Betriebs, wo etwas fehlt“, so Umlauf.

Die 50-Jährige hat einiges vor. Ab kommendem Jahr, so die Planung, sollen Fachkräfte für Pflege ausgebildet werden. Bald könnte ein Pflegebereich für Jüngere unter 60 Jahre hinzukommen. „Auf diesem Gebiet fehlen noch viele Pflegeplätze.“

„Hier ist immer jemand für mich da“

Liselotte D. hat sich’s bereits gemütlich gemacht auf ihrem Stuhl. Nach einem Sturz mit Krankenhausaufenthalt hat sie selbst eingesehen: „Ich kann nicht mehr allein wohnen.“ Ohnehin hätten Haus und Garten zuviel Arbeit gemacht. „Hier habe ich wieder Lebensmut und nicht mehr die Angst, dass das wieder passiert. Hier ist immer jemand für mich da.“ Und der Notrufknopf in Reichweite.

Bilder vom schiefen Kran

Unfälle auf zwei Baustellen

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