Der elegante Kampf, der sich als Tanz tarnt

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Capoeira ist Tanz, Kampf, Kultur, alles in einem. Das Spiel schwankt stets zwischen Angriff und Verteidigung, zwischen Vorwärtsdrängen und Zurückweichen.

Offenbach - (ddü) Lauernd umkreisen sich die Capoeiristas, schnellen mit einem Ausfallschritt dem Gegner entgegen, weichen mit einer eleganten Körperdrehung den Tritten aus. Das Spiel schwankt stets zwischen Angriff und Verteidigung, zwischen Vorwärtsdrängen und Zurückweichen.

„Mich fasziniert die tänzerische Geschmeidigkeit der Capoeira - die Verbindung von Kampf und Tanz“, sagt Roberto. Der Übungsleiter hatte am Samstag zum Schnupperkurs in die Halle des Turnvereins Offenbach geladen, um Anfänger für den brasilianischen Kampftanz zu begeistern. Unter der Anleitung von Instructor David aus Wien dehnen sich die Sportler, wärmen die Muskeln auf und stimmen sich mit der Macolele - einem brasilianischen Tanz - auf den Kampf ein. Sie üben standardisierte Bewegungsfolgen, die im Wettbewerb beliebig miteinander kombiniert werden können. „Ich führe Angriffs- und Verteidigungstechniken vor und gebe Tipps zu Haltung und Bewegungsabläufen“, erklärt David.

Die Capoeira-Gruppe trainiert montags von 20.30 bis 22 Uhr und mittwochs von 18 bis 20 Uhr im Gymnastik-Saal der TVO-Turnhalle in der Goethestraße 11-15. Details: 0176 20703697.

Capoeira entstand einst auf den Zuckerrohrplantagen Brasiliens. Weil die Großgrundbesitzer jegliche Art von Kampfsport verboten hatten, tarnten die schwarzen Sklaven ihr Training als traditionellen Tanz.

Um Täuschung geht es auch bei der heutigen Form der Capoeira: Als Seele ihrer Kampfkunst bezeichnen Capoeiristas die so genannte Malícia, was soviel wie Verschlagenheit bedeutet.„Man versucht, eine Bewegung anzutäuschen und den Gegner so in die Falle zu locken“,erklärt Übungsleiter Roberto.

Doch Capoeira ist keineswegs eine reine Kampftechnik - vielmehr sind die Selbstverteidigungselemente in einen breiten kulturellen Kontext eingebunden. Kampf, Musik und die „Roda, der gesellschaftliche Rahmen“, bilden ein Ganzes. Vor allem Musik und Gesang spielen in der Capoeira eine wichtige Rolle. Gekämpft wird üblicherweise in einem Kreis von Musikern. Mit dem Berimbau - ein Saiteninstrument mit einem ausgehöhlten Kürbis als Resonanzkörper - wird der typische Rhythmus geschlagen; dazu singen die Sportler traditionelle Lieder, die noch aus der Sklavenzeit stammen. „Capoeira ist schon als Sport allein sehr vielfältig“, sagt Robert. „Hinzu kommt, dass es kaum eine andere Sportart gibt, die einen so umfangreichen geschichtlichen und kulturellen Hintergrund hat.“

In der Halle des Turnvereins treten die Gegner nun wieder zum Kampf an. Geschmeidig tasten sich die Capoeiristas aneinander heran, versuchen, den Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen oder ihn aus dem Kreis zu drängen. Hier ein Drehkick, dort ein Rad - die akrobatischen Bewegungen fließen ineinander, die Kämpfer scheinen miteinander zu verschmelzen. In einem solchen Moment offenbart sich die ganze Eleganz des Kampfs, der sich als Tanz tarnt.

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