Elektroauto steht noch auf dem Standstreifen

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Seit Monaten wird in der Autobranche über Elektromobilität diskutiert - auf dem Foto ist das Modell „Twizy“ von Renault zu sehen.

Offenbach ‐ Seit Monaten wird in der Autobranche über Elektromobilität diskutiert. Auch deshalb sind die Erwartungen in der Bevölkerung groß, wird schon bald mit der flächendeckenden Einführung der E-Autos gerechnet. Von Frank Pröse

Doch spätestens nach der Elektromobilitätskonferenz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin Anfang der Woche ist klar: Die schöne neue Autowelt kommt hierzulande allenfalls in homöopathischen Dosen. Es wird noch Jahre dauern, bis sich das Elektroauto auf dem Massenmarkt durchsetzen wird. Merkel will Deutschland in den nächsten Jahren zum „Leitmarkt für Elektromobilität“ machen.

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Elektroautos seien ein Beitrag zum Klimaschutz und zugleich eine Chance für die deutsche Autoindustrie. Sie bekräftigte anlässlich des Startschusses für eine „Nationale Plattform Elektromobilität“ das Ziel, bis 2020 eine Million E-Fahrzeuge auf den Markt zu bringen. Die werden dann aller Wahrscheinlichkeit zwischen 5 000 und 8 000 Euro teurer seien als konventionelle Autos mit Verbrennungsmotor. Noch sperrt sich die Regierung gegen potenzielle Kaufanreize. Ohnehin gibt es bisher nur Hilfen in Höhe von 500 Millionen Euro aus dem Konjunkturprogramm II für die Jahre 2009 bis 2011; dazu kommt ein millionenschweres Programm des Forschungsministeriums.

Neidisch blicken die deutschen Hersteller daher ins Ausland, wo nahezu überall der Kauf von E-Autos subventioniert wird. Deshalb kommen die ersten E-Autos, die man kaufen kann auch aus den USA, Frankreich und Japan. Auch China macht inzwischen Milliarden locker und lässt die deutsche Konkurrenz auf der Standspur stehen. Deshalb markiert der Autogipfel den Start für die längst fällige Aufholjagd der deutschen Industrie. Sie wird mehr staatliche Hilfe brauchen. Schließlich steht der Umbau einer ganzen Industrie an, der prestigeträchtigsten Industrie in Deutschland. Verkompliziert wird diese Transformation dadurch, dass nicht einfach nur ein Schalter umgelegt werden kann. So müssen die Autobauer parallel zur Elektromobilität noch jahrzehntelang an kraftstoffsparenden Verbrennungsmotoren forschen.

Speicher-Technologie Schrittmacher für E-Mobil

Einen kleinen Vorteil gegenüber der ausländischen Konkurrenz haben die Deutschen bereits in den 90er Jahren eingebüßt, als weit entwickelte Batterietechnologie wegen unzureichender Kapazitäten fallen gelassen wurde. Sie aber dürfte mit der Speicher-Technologie zum wichtigsten Schrittmacher für das E-Mobil werden.

Prof. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, stellt aus wissenschaftlicher Sicht noch höhere Hürden auf: „Die weitreichenden Potenziale der Elektromobilität werden nur dann vollständig nutzbar, wenn die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten nicht auf elektrische Speicher- und Antriebstechnik begrenzt werden.“

Die Fraunhofer Systemforschung Elektromobilität untersucht daher alle Wertschöpfungsstufen der Elektromobilität, ausgehend von der Energieerzeugung, über Transport und Verteilung der Energie durch die Stromnetze, die Schnittstellen zwischen Stromnetz und Fahrzeug, die Energiespeicherung bis hin zu Fahrzeugkonzepten mit einer Infrastruktur sowie Nutzungs- und Abrechnungskonzepten. Bullinger hat dabei nicht nur private Nutzer im Sinn, sondern auch kommunalen Versorgungsverkehr, Lieferverkehr oder Taxibetriebe.

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