Elektromobilität Schwerpunkt bei der GTS

Schafft das Bierkistenfahrzeug Tempo 90?

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Anderthalb Jahre lang haben Tim, Marco und Marko an ihrer fahrenden Bierkiste gebaut. Bald wollen sie auf einem Flugplatz testen, wie schnell sie ist.

Offenbach - Die gewerblich-technischen Schulen Offenbach (GTS) präsentierten am Samstag ihr umfangreiches Angebot. Schwerpunktthema am diesjährigen Tag der offenen Tür war Elektromobilität. Von Anna Kirschner 

Auch berufliche Schulen können sich vor aktuellen technischen Entwicklungen nicht drücken: „Wir können heutzutage nicht hinterhergehen, wir müssen am besten vorneweg laufen“, sagt Rüdiger Kolb, Lehrer an den GTS. Er stellt mehrere Elektrofahrzeuge und -bikes vor, darunter auch den knapp fünf Meter langen Tesla S. Der Star unter den Elektroautomobilen gehört aber nicht der Schule, sondern einem der vielen engagierten Lehrer, der ihn als Anschauungsobjekt im Schulhof präsentiert.

Optimistische Prognosen berechnen das Aus für den Verbrennungsmotor bis 2026. Elektromobilität gehört bald zum Alltag und ist an den technischen Schulen besonders für die Kfz-Abteilung spannend. „Wir müssen an die Zukunft für unsere Schüler denken“, so Kolb. Am schuleigenen Mitsubishi Miev können diese den Umgang mit Hochvolttechnik erlernen. Man munkelt im Übrigen, dass im Schulhof eine Elektrotankstelle gebaut werden soll – mit Strom von der Solaranlage auf dem Dach. Regenerative Stromquellen gehören schließlich genauso zur Zukunft des Verkehrs.

Bei Uwe Schneider, Lehrer für Metallbau, können Besucher ihr Talent zum Schweißen testen.

Auch der Leistungskurs Technische Informatik beschäftigt sich mit Elektromobilität. Marko, Nikola und Tim entwickelten in ihrem Abschlussprojekt eine Ladestation und Webanwendung zur manuellen Steuerung des Ladevorgangs. Über 400 Stunden Arbeit haben sie investiert. Das Abschlussprojekt fand in Kooperation mit der Offenbacher IT-Consultingfirma Glück & Kanja statt. In der Präsentation wird zwar nur ein Bobbycar geladen – in der Praxis soll die Ladetechnik aber für den ganzen Hybridfuhrpark der Firma angewendet werden.

„Wir haben sehr viel über Technik und Projektmanagement gelernt“, erklärt Nikola. Solche Simulationen der späteren Berufspraxis sind für die Schüler eine große Chance: „Im Bewerbungsprozess schießt sie das später ganz weit nach vorne“, versichert Helge Nabert, Lehrer für Technische Informatik. „Entscheidend ist aber, mit welcher Begeisterung in den Augen sie hier sitzen“, ergänzt sein Kollege Karsten Wendt. Im Lehrerzimmer findet unterdessen eine kleine Berufsmesse statt. Mehrere Firmen, unter anderem die EVO, Lufthansa und IBM, stellen sich vor und werben um Auszubildende. Peter Mader von der Offenbacher tecsis GmbH kam schon mehrfach zur Berufsmesse in die GTS. „Viele interessiert die Umstellung von Schule oder Ausbildung zum Beruf. Da denkt man als älterer Arbeitnehmer gar nicht so dran, aber das ist eine große Umstellung für die Schüler. Einige lassen sich auch beraten, ob eine Ausbildung oder ein Studium für sie das Richtige ist.“

Verstehen Sie E- Mobilität?

Als weiterer Publikumsmagnet erweist sich die fahrende Bierkiste mit Viertaktmotor, die Tim, Marco und Marko gebaut haben. „Die Idee ist am Ende einer Deutschstunde entstanden“, erzählt Marco. „Wir wollten mal was Außergewöhnliches bauen, was nicht jeder hat“. Fast 800 Euro haben sie investiert, ein Baumarkt sponserte Stahl für den Rahmen, eine Kartbahn die Reifen. Bis zur Testfahrt auf dem Baumarktgelände war es aber ein weiter Weg: Über anderthalb Jahre lang haben sie mithilfe ihrer Lehrer geplant, geschweißt und getüftelt und sogar über die Projektwochen hinaus eigenen Unterricht absolviert. Fachdisziplin: Bierkistenfahrzeugbau. Die drei Schüler sind gespannt, was die Kiste auf den Asphalt bringen wird: „Ziel wäre schon so 100 Stundenkilometer, realistisch sind aber wohl eher 90. In Produktion wollen wir aber nicht gehen.“

Die Besucher konnten ihr technisches Talent in der Schweißwerkstatt und im Pneumatiklabor testen. Auch die InteA-Klassen stellten sich im interkulturellen Get-together mit persischem Essen und lebendigen Tänzen vor. „Das läuft hier sehr gut“, erzählt Lehrerin Anja Fischer.

Bilder: Elektro-Müllwagen schont Umwelt und Ohren

Mit diesen und viele weiteren Angeboten zeigen sich die Gewerblich-Technischen Schulen ganz selbstbewusst von ihren besten Seiten. „Der Tag der offenen Tür ist auch dazu da, um zu zeigen: Wir sind eine tolle Schule, los, kommt her!“, sagt Fischer. Die Schule freue sich immer über neue Schüler – und besonders über mehr Schülerinnen, die in den technischen Sparten leider immer noch unterrepräsentiert seien. „Viele wissen auch gar nicht, dass man bei uns ein normales Abitur machen kann und dabei noch so tolle Sachen machen darf“, so Fischer über das Angebot an den GTS.

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