Die Eltern lernen spielen

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Das Projekt Elmo

Offenbach - Aynur Acirl sitzt im Seminarraum des Roten Kreuzes. Vor sich auf dem Tisch hat sie einen Block liegen, in den sie alles schreibt, was sie während der Ausbildung zur Hausbesucherin lernt. Von Katharina Hempel

Zum Beispiel wie mehrsprachige Erziehung funktioniert, was die Grundlagen kindlicher Entwicklung sind oder wie Eltern mit Kleinkindern spielen können.

Zusammen mit Aynur werden noch 20 weitere Teilnehmerinnen für „Elmo“ ausgebildet. „Elmo“ steht für „Eltern lernen mit in Offenbach“ und ist ein Gemeinschaftsprojekt des Roten Kreuzes (DRK), des Internationalen Bundes (IB) und des Vereins für Kultur und Bildung (Kubi). Mit dem Programm wenden sich die drei Träger an Familien aus allen Kulturen mit Vorschulkindern. Gruppentreffs und Hausbesuche sollen die Kompetenzen der Eltern stärken sowie die Integration von ihnen und ihren Kindern erleichtern.

Auszubildenden kommen aus allen Teilen der Welt

Die Auszubildenden kommen aus allen Teilen der Welt. Aus Marokko, Jordanien, Griechenland, Polen, Afghanistan, Pakistan und der Türkei. „Rumänien hätten wir auch noch gerne dabei gehabt, aber leider nicht gefunden“, sagt Beatrix Duttine-Eberhardt vom DRK.

Aynur kam im Alter von 21 Jahren aus der Türkei nach Deutschland. „Ich habe drei Söhne, die alle hier geboren wurden und zur Schule gehen. Jetzt sind sie sechs, elf und 19 Jahre alt. Der Kleinste geht seit dem Sommer in die erste Klasse, jetzt möchte ich gerne anderen Müttern helfen.“ Sie möchte auf diejenigen zugehen, die heute die gleichen Sorgen und Fragen haben wie sie damals. Das ist das Besondere an dem Projekt Elmo: Es erreicht die Eltern auf einer anderen Ebene. Nämlich zuhause, im Alltag. Die Hausbesucherinnen wohnen im selben Stadtteil, haben auch Kinder und sprechen dieselbe Sprache. Sie können Tipps und Hinweise geben, ohne belehrend zu wirken.

Drei Wochen der Schulung, die immer mittwochs und freitags stattfindet, sind vorbei. Vier Unterrichtseinheiten stehen noch aus, dann haben die Teilnehmerinnen ihre Grundqualifikation erreicht. Zusätzliche Fortbildungskurse werden noch folgen.

In pädagogischen oder anderen Berufen hochqualifiziert

„Wir waren überrascht, dass so viele der Frauen in pädagogischen oder anderen Berufen hochqualifiziert sind“, berichtet Koordinatorin Linda Blessing vom IB. „Sie können dabei ihre Kompetenzen einbringen und die Familien, die am Programm teilnehmen, profitieren auch davon.“ Eine jordanische Mutter beispielsweise hat in ihrem Heimatland Arabisch studiert und weitere Sprachen, jetzt versucht sie über das Projekt in Deutschland beruflich Fuß zu fassen.

Einmal pro Woche sollen die Hausbesucherinnen eine Dreiviertelstunde lang die Familien besuchen. Dann spielen sie mit Mutter und Kind, singen und reimen. Zusammen. Viele Eltern müssen erst lernen, dass und wie sie damit die motorische und sprachliche Entwicklung ihrer Kinder gezielt fördern können. In anderen Kulturen ist Spielen allein den Kindern vorbehalten.

Außerdem bringen die Hausbesucherinnen „die Eltern dazu sich am Erziehungsauftrag von Kita und Schule zu beteiligen, dass sie sich trauen und dass es gewollt ist“, sagt Burghardt. In der Türkei beispielsweise sei dies unüblich. Dort habe die Schule eine viel stärkere erziehende Rolle.

Eine Vermittlerin zwischen den Kulturen und Bildungssystemen wird auch Nurgül Kartar, 46. Sie lebt schon seit über zwanzig Jahren in Deutschland, arbeitet seit zehn Jahren bei der Kinderbetreuung der Volkshochschule. „Ich habe drei Kinder, die jetzt groß sind. Deswegen habe ich mir eine weitere Beschäftigung gesucht“, sagt sie. Mit ihrem Wissen und ihre Erfahrung möchte sie nun anderen helfen.

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