Verkauf des Hessenring-Areals

Eine geschickte Lösung?

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In dem Konstrukt Grundstücksverkauf und Neubau einer Seniorenbegegnungsstätte sieht SPD-Stadtverordnete Gertrud Marx eine „geschickte Lösung, das Else-Herrmann-Haus in zeitgemäßen Räumen fortzuführen“.

Offenbach - Letztlich stellt sich keine Fraktion den Senioren in den Weg. Der Verkauf des Hessenring-Areals ist durch – aber nicht ohne politische Duftmarken. Von Martin Kuhn 

Kurze Tagesordnung, kurze Sitzung, kurzes Beharken. Es geht eben nicht ohne. Streitpunkt ist für die Stadtverordneten die Altentagesstätte Else-Herrmann-Haus. Die Fraktionen sind sich zwar einig, dass es einen räumlichen Ersatz geben soll für diese gut genutzte Senioreneinrichtung. Der Verkauf des Areals Hessenring 59 und 61 (gekoppelt mit dem Bau einer Wohnanlage inklusive Altentagesstätte) wird einstimmig durchgewunken. Konträre Ansichten gibt es am Donnerstagabend aber beim Blick auf den Betreiber, obwohl der in der zu beschließenden Vorlage überhaupt nicht zur Disposition steht. Aber so tickt eben die (Lokal-) Politik.

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Peter Freier sieht die Entscheidung mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Gut für die Nutzer, schlecht für die Stadt“, wertet der CDU-Fraktionschef das Geschäft. Seine Begründung: „Wir beschließen heute die teuerste Lösung.“ Später wird von einem „Verscherbeln städtischen Vermögens“ die Rede sein, weil vom Verkaufserlös von gut 1,65 Millionen Euro „nur 527.000 Euro in der Stadtkasse“ ankommen. Dabei kritisiert Freier vor allem, dass die Vorauszahlung der Miete über 20 Jahre von der Verkaufssumme abgezogen wird – etwa 900.000 Euro.

Ein bewährtes Offenbacher Modell

Weit mehr stoßen sich die Offenbacher Christdemokraten jedoch daran, dass „die SPD-nahe Arbeiterwohlfahrt die Trägerschaft übers Else-Herrmann-Haus behalten soll, ohne dass es eine Ausschreibung an andere Sozialträger gegeben hat“. Das ist nach den Worten von Felix Schwenke überhaupt nicht Inhalt des Antrags: „Aus der Vorlage erwächst null Anspruch der Arbeiterwohlfahrt als Betreiber“, so der SPD-Sozialdezernent. Fakt ist: Seit 50 Jahren führt die AWO mit ehrenamtlichen Helfern das Else-Herrmann-Haus, und für die Stadt bestehe kein Anlass, dies aktuell zu ändern. Ein Modell, das sich in Offenbach bewährt habe – „und nicht nur mit der AWO als Betreiber einer Altentagesstätte“.

Naturgemäß sieht’s die sozialdemokratische Stadtverordnete Gertrud Marx ähnlich. Es gehe faktisch um einen Ersatzneubau für die Einrichtung. Mehr nicht. Sie sagt: „Wir stehen in diesem Fall vor der Entscheidung, eine anspruchsvolle Wohnbebauung und einen neuen Seniorentreff in unserer Stadt entstehen zu lassen. Oder wir lassen alles beim Alten, suchen nach einem neuen Investor für ein Teilgrundstück und behalten ein altes, dringend sanierungsbedürftiges Haus für unsere Senioren.“

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Wobei feststehe, dass die alte Bausubstanz in absehbarer Zeit nicht mehr nutzbar sein wird und „wir die Kosten für eine Grundsanierung sicher nicht aufbringen können“. Die Arbeiterwohlfahrt betreibe seit 50 Jahren erfolgreich das Haus. „Und das wird sie weiter tun; der Vertrag für das neue Gebäude wird nach den neuen Bedingungen fortgeschrieben beziehungsweise ergänzt. Ein Neuabschluss ist bei einem Gebäudewechsel nicht nötig.“

Zudem gibt Gertrud Marx der CDU mit auf den Weg: „Das Gesamtkonzept für alle Seniorentreffs ist im Altenplan der Stadt festgeschrieben. Reich wird dabei sicher niemand...“

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