Eltern werden langsam nervös

Vize-Vorsitzende des Stadtbeirats bemängelt Krisenmanagement

Offenbach - Woche drei und noch immer kein Ende in Sicht. Der andauernde Streik der städtischen Erzieher und Sozialarbeite stellt Eltern vor wachsende Herausforderungen. Von Jenny Bieniek 

Emine Popal, Vize-Vorsitzende des Stadtelternbeirats für städtische Kitas, weiß: „Sie sind erschöpft vom wöchentlich neuen Planen und Verschieben von Terminen. Viele werden langsam nervös, wollen Informationen, wie lang das noch so weitergeht. Informationen, die sie auch gern hätte. Emine Popal ist selbst berufstätige Mutter von Kindern im Alter von drei und sieben Jahren. Auch die Ganztagsschule der Großen ist an die - derzeit brach liegende - Betreuung in einer Kita gebunden. Weil sie ihren Kindern die Umstände in der Notbetreuung nicht zumuten will, hat sie sich mangels Betreuungsplatz wie viele andere Eltern privat organisiert.

Sie hat kein Verständnis dafür, dass den Forderungen der im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst Beschäftigten bislang nicht nachgekommen wird. „Wir sind nicht sauer auf die Streikenden, sondern auf den Arbeitgeber, denn die Forderungen sind gerechtfertigt. Wir unterstützen dies von ganzem Herzen“, unterstreicht Popal ihre Solidarität mit den im Arbeitskampf Stehenden. Ein Gespräch mit Bürgermeister Peter Schneider habe zu keinerlei Ergebnis geführt, bedauert sie. „Er hat sich zwar sehr verständnisvoll gezeigt, mangels finanzieller Spielräume habe er aber keinerlei Einfluss“, berichtet Popal. Seine Zurückhaltung aber mache die Lage für alle nicht einfacher.

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Kritik übt Popal vor allem am Notfallplan des städtischen Eigenbetriebs Kindertagesstätten (EKO). „Damit sind wir absolut nicht zufrieden. Wenn etwa an einer Ganztagsschule von ursprünglich 100 nur 22 Notfallplätze eingerichtet werden, macht mich das schlicht sprachlos“, moniert sie. Viele Eltern seien regelrecht verzweifelt. Der EKO sei seit April auf den Streik vorbereitet gewesen, genug Zeit also, um die Notbetreuung zumindest in den bekannten Räumen stattfinden zu lassen. „Unsere Kinder wollen nicht hin- und hergeschubst werden“, sagt sie. Ein bis zu den Sommerferien andauernder Streik sollte deshalb möglichst vermieden werden.

Weil sich die Kommunikation mit den Eltern streikbedingt schwierig gestaltet, lädt der Stadtelternbeirat Betroffene für Dienstag, 2. Juni, zu einem Informationsabend ins Rathaus (Saal 4) ein, gerne auch mit Nachwuchs. Bis 19 Uhr will das Gremium sie zu ihrer Situation und Zufriedenheit befragen und die Rathausspitze zu mehr Unterstützung auffordern. Anschließend berät der Rat unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Rubriklistenbild: © dpa

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