„Situation unter Kontrolle“

Corona an Schulen der Region: Eltern wünschen Plus an Sicherheit

An der Dreieicher Weibelfeldschule ist der Test längst Routine: Mittelstufenleiter René Sauer gibt die Teststäbe an seine Schüler zu Beginn des Unterrichts aus – 15 Minuten später ist das Ergebnis sichtbar.
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An der Dreieicher Weibelfeldschule ist der Corona-Test längst Routine: Mittelstufenleiter René Sauer gibt die Teststäbe an seine Schüler zu Beginn des Unterrichts aus – 15 Minuten später ist das Ergebnis sichtbar.

Im Main-Kinzig-Kreis und Kreis Offenbach hat die Landesregierung mehr Corona-Tests für Schulen angefordert. Das begrüßen Eltern, denn die Inzidenzen steigen.

Offenbach/Hanau - Die Corona-Pandemie bestimmt den Schulalltag in Hessen. Die Inzidenz bei den 5- bis 15-Jährigen ist mit 345,4 deutlich höher als beim Rest der hessischen Bevölkerung (164,3). Die Landesregierung hat deshalb zusätzliche Tests für Schülerinnen und Schüler angeordnet.

An den Schulen im Main-Kinzig-Kreis und Hanau gibt es nach Auskunft der Kreisverwaltung an 42 von 99 Schulen positive Corona-Fälle, dabei sind 85 Schüler betroffen und fünf Erwachsene. Die Stadt Hanau hat zwei größere Ausbrüche zu vermelden: einmal mit 20 Kindern und zwei Lehrkräften an der Otto-Hahn-Schule, an der August-Gaul-Schule in Großauheim sind zehn Kinder betroffen. Zum Schutz vor Infektionen in Schulen empfiehlt der Kreis seit gestern wieder das Tragen von Masken auch am Sitzplatz.

Main-Kinzig-Kreis: Drei Corona-Schnelltests pro Woche an Schulen

Der Kreis Offenbach führt keine eigene Statistik. Sprecherin Ursula Luh bestätigt aber, dass es „mehr Fälle an Schulen gibt. Das liegt daran, dass sich das Infektionsgeschehen insgesamt wieder rasant bewegt.“ Das Gesundheitsamt im Dietzenbacher Kreishaus könne aber nicht feststellen, dass die Schulen ein großer Treiber der Pandemie seien.

Susanne Meißner, Leiterin des Staatlichen Schulamtes in Offenbach, bestätigt: „Ja, wir haben positive Fälle an Schulen, aber die Situation ist unter Kontrolle, und es gibt die Rückmeldung von den Schulleitern, dass der Präsenzunterricht gut läuft.“

Ganz so gelassen sind die Eltern indes nicht. Tina Vieweber, Vorsitzende des Kreiselternbeirats Offenbach, registriert zunehmende Besorgnis der Elternvertreter: „Wir haben das Gefühl, dass sich die Fälle häufen. Und die so erheblich gestiegene landesweite Inzidenz in der Altersgruppe der 5- bis 15-Jährigen muss ja auch bei uns an den Schulen ankommen“. Viele Eltern seien froh, dass das Land drei Schnelltests pro Woche angeordnet hat. „Die Eltern haben sich dieses Plus an Sicherheit gewünscht“, sagt Vieweber.

Kreis Offenbach: „Deutlich mehr Corona-Infektionen“ an Schulen

Torsten Lampert, Schulleiter der Ricarda-Huch-Schule in Dreieich, macht sich zunehmend Sorgen. An seinem Gymnasium gab es im ersten Jahr der Pandemie acht Fälle – seit den Herbstferien hat er allein 18 positive Tests gezählt. „Es sind deutlich mehr Infektionen. In der Regel sind die Jahrgänge fünf bis sieben betroffen.“ Das sind die Kinder, die derzeit noch nicht geimpft werden können. Die Lage sei unter Kontrolle – er fürchtet aber, dass durch die nicht mehr geltende Maskenpflicht die Zahl weiter steigt. „Die Maske ist letztlich der einzige Schutz den die Kinder haben, sie können den Mindestabstand in den Klassen nicht halten,“ sagt Lampert.

Hans Peter Löw, Schulleiter der Heinrich-Mann-Schule in Dietzenbach berichtet, dass bei den häufigen Tests an seiner Gesamtschule immer wieder positive Ergebnisse gemeldet werden. „Wir haben das jetzt vermehrt bei jüngeren Jahrgängen und weniger in der Oberstufe.“ Viele Schüler tragen an seiner Schule aus eigenem Sicherheitsempfinden weiterhin ihren Mundschutz. „Sie haben die Maske längst akzeptiert“, begrüßt Löw diese Haltung.

Corona an Schulen: Entspannte Lage in Seligenstadt und Freigericht

Sein Kollege aus der Seligenstädter Einhardschule, Dieter Herr, erlebt gerade eine ruhige Corona-Phase: „Bei uns hält es sich wirklich sehr in Grenzen, wir haben einen akuten Fall in der Oberstufe und eine kleine Häufung im Jahrgang sieben, aber nicht einmal eine Handvoll Schüler.“ Der Pädagoge hält es für eine gute Entscheidung, weiterhin drei Mal in der Woche zu testen, aber: „Unseren Schulalltag macht es nicht gerade einfacher. Es kostet unendlich viel Zeit und trotz aller Routine ist die Hälfte einer Schulstunde weg, bis alle Schüler getestet sind“, klagt der Leiter der Einhardschule.

Ulrich Meyer, Schulleiter an der Kopernikusschule in Freigericht, einer der größten Schulen in Deutschland, ist derzeit entspannt. „Unsere Zahlen sind stabil auf einem niedrigen Niveau. Es sind Einzelfälle in den Jahrgängen fünf bis zehn und wir haben in der Schule keine Weiterverbreitung. Ich bin froh, dass sich bei uns eine sehr große Disziplin beim Tragen der Maske etabliert hat und in unserer Oberstufe ein Großteil der Schüler durchgeimpft ist.“ Er weiß aber: „Den großen Ausbruch kann es jederzeit geben, wir müssen wirklich gut aufpassen.“

Hanau: Infektionsgeschehen an Karl-Rehbein-Schule „nicht so dramatisch“

An der Hanauer Karl-Rehbein-Schule hatte Rainer Gimplinger seit den Herbstferien positive Fälle im einstelligen Bereich in jüngeren Jahrgängen. „Wir haben uns dazu entschieden, flächendeckend zu testen, alle Geimpften testen freiwillig mit. Wir können uns auch vorstellen, im Zuge der so stark steigenden Zahlen wieder eine Maskenpflicht einzuführen.“ Insgesamt wertet Gimplinger das Infektionsgeschehen aber als nicht so dramatisch, dass über eine Rückkehr zum Distanzunterricht diskutiert werden müsste. (Nicole Jost)

Erst vor Kurzem hat der Kreisausschuss des Landkreises Offenbach aufgrund der hohen Corona-Inzidenzen bei Kindern und Jugendlichen die Belieferung von Schulen mit entsprechenden Luftreinigern angekündigt. (Nicole Jost)

Zwischenruf des Kinderschutzbundes

Der Kinderschutzbund Deutschland reagiert mit einem Zwischenruf auf die steigenden Infektionszahlen. Statt Kinder zu schützen, würden Infektionen in Kauf genommen. Es laufe auf eine Durchseuchung in Kitas und Schulen hinaus. Diese Respektlosigkeit gegenüber Kindern und Jugendlichen müsse ein Ende haben, fordert der Kinderschutzbund von der Politik. Ines Müller-Stickler vom Kinderschutzbund im Westkreis Offenbach formuliert es noch konkreter: „Schon wieder richtet sich das Augenmerk ganz besonders auf die alten Menschen. Das ist auch richtig – aber dabei darf man die Kinder nicht vergessen. Sie haben einfach die schlechteste Lobby.“ Sie mahnt an, dass es noch immer keine Lüftungsgeräte an Schulen gibt: „Keinem von uns würde man zumuten, mit 30 Leuten auf engem Raum zu sitzen.“ Die Jubelrufe von Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU), dass alles an den Schulen prima laufe, seien aus der Sicht der Kinder schwer zu ertragen. Sie erlebt es anders: Von den Kindern wird zu viel verlangt. Drei Corona-Tests in der Woche findet Müller-Stickler richtig, aber kleinen Kindern abzuverlangen, freiwillig eine Maske aufzusetzen, sei nicht hinnehmbar. „Wir spüren in unseren sehr vollen Beratungsstellen deutlich, unter welch großem Druck Kinder und Jugendliche stehen. Selbstverletzendes Verhalten und Essstörungen haben zugenommen, zunehmend mehr Familien suchen Rat.“

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