Empfang bei der Ahmadiyya-Gemeinde

„Machen wir das Land besser“

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Bei der Ehrung für besonderes soziales Engagement (von links): Preisträgerin Katja Werner, Ahmadiyya-Bundesvorsitzender Abdullah Uwe Wagishauser, Preisträger Anton Fröhlich, Mühlheims Bürgermeister Daniel Tybussek, Preisträgerin Eleonore Blöcher (Mühlheim) sowie Ehtesham Raja von der Offenbacher Ahmadiyya-Gemeinde

Offenbach - Das Jahr ist noch jung, Neujahrsempfänge stehen an. Die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde machte dabei keine Ausnahme. In einer krisenhaften Zeit öffnete sie ihre Türen. Von David Heisig 

Es ist ein Automatismus: Beim Stichwort Islam kommen in diesen Wochen Assoziationen wie Salafismus, Charlie Hebdo oder Pegida in den Sinn. Für viele Menschen ist das ein Grund zum Diskutieren, für andere einer zum Ausgrenzen. Das bekommt die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde zu spüren.

Deren Bundesvorsitzender Abdullah Uwe Wagishauser betont, für Muslime sei es „nicht einfach die Tage“. Es müsse viel erläutert und erklärt werden. Daher ist der Neujahrsempfang in der Baitul-Jame-Moschee am Ostbahnhof als Einladung zum Diskurs, zur Begegnung gedacht, so die Gemeinde.

Das Ahmadiyya Muslim Jamaat ist eine islamische Reformbewegung, bezeichnet sich selbst als Kalifat. Es wurde 1889 in Indien gegründet und baut auf Spiritualität auf. Politik und Macht stehe nicht auf der Agenda. So trete man für Menschenrechte, Gleichbehandlung von Frau und Mann sowie Trennung von Staat und Religion ein. Zudem sei der Dialog mit anderen Religionen sehr wichtig erklären die Glaubensvertreter.

Bekannte Hemmschwellen

Viele Gemeindemitglieder sind gekommen, auch Freunde und Nachbarn, die nicht denselben Glauben haben. Eine Katholikin ist zum ersten Mal in einer Moschee und „sehr gespannt“. Es gibt die bekannte Hemmschwelle. Alles ist ein wenig anders. Zumal das obligatorische Ausziehen der Schuhe für Kirchgänger ungewohnt ist. Der Gebetsraum darf nur barfuß betreten werden. Es sei vielleicht die „Scheu, nichts falsch machen zu wollen“, meint ein anderer Gast. Sie ist aber unnötig. Der Empfang ist herzlich, jeder wird begrüßt und bekommt einen Platz gewiesen.

Mit dem traditionellen „Salam“ wird der Empfang eröffnet. Zu Beginn steht die Rezitation des Koran. Der Hafiz, der den Glaubenstext komplett auswendig kann, trägt singend Passagen vor. Die Barmherzigkeit Gottes wird betont, aber auch gewarnt: „Fürchtet Allah“, „Lasst nicht über ein anderes Volk spotten“ und „Schlimm ist das Wort“ heißt es. Den Propheten zu karikieren stößt im aktuellem Bezug auf Kritik.

Im Anschluss stellt die Gemeinde ihre Arbeit des vergangenen Jahres vor. Dies in Form eines 20-minütigen Videos, in dem über die internationale Bedeutung des Kalifats referiert wird. Auch nationale Belange werden angesprochen. So wurden 2014 vor allem in Hessen neue Gotteshäuser eröffnet.

Eine „andere Welt“

Ehrungen folgen. Die Gemeinde zeichnet Menschen für ihr Engagement aus. Etwa Anton Fröhlich, der sich seit Jahrzehnten für Menschen mit Netzhautdegeneration einsetzt. Oder Eleonore Blöcher, die Spenden sammelt und bei aktiver Integration mithilft.

Die dritte Ehrung geht an Katja Werner, Diplom-Kauffrau und seit einigen Jahren als Coach aktiv. Ihr sei vor allem die Frauenbildung in der Gesellschaft wichtig, betont sie. So ist sie in Stadtteilbüros, an Schulen und in der Erwachsenenbildung aktiv. Ein Engagement, das die Ahmadiyya-Gemeinde beeindruckt hat. Im Gegenzug ist Werner erfreut zu sehen, dass die Gläubigen ein weltoffenes Frauenbild vermitteln.

Offenbachs Bürgermeister Peter Schneider spricht in seinen Grußworten von der Moschee als „anderer Welt, in der man sich wohlfühlt und zur Ruhe kommt“. Er betont Gemeinsamkeiten, aber auch, dass die Muslime in keiner leichten Situation seien.

Sein Amtskollege, Mühlheims Bürgermeister Daniel Tybussek, formuliert es noch schärfer. „Es darf nicht gelingen, dass Einzelne uns auseinander bringen“, sagt er mit Blick auf Islamischen Staat und Pegida. Julius Gomes vom Landesausländerbeirat sieht Einwanderer selbst in der Pflicht. Immigranten müssten „mehr Engagement zeigen für Integration“.

Am Ende wird zum stillen Gebet aufgerufen. Der Nachmittag endet aber nicht leise, sondern mit angeregten Gesprächen. Besonders ein Foto mit Wagishauser ist bei jungen Gläubigen beliebt. Der bringt es auf den Punkt: „Wir haben ein schönes Land. Machen wir es besser“.

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