Heute Ermittlungsergebnisse der Polizei?

Empörung über Angriff auf Rabbi

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Offenbach - Der durch unsere Zeitung öffentlich gemachte Fall sorgt für Schlagzeilen: Nach der vom Offenbacher Rabbiner Mendel Gurewitz geschilderten Attacke auf ihn, haben sich Politiker und Leser unserer Zeitung entrüstet zu dem offenbar antisemitischen Übergriff geäußert. Von Peter Schulte-Holtey

Die Polizei konnte erst gestern die Videoaufnahmen aus dem KOMM-Center sichten. Erste Ermittlungsergebnisse werden unter Umständen heute erwartet. Bei Rudi Neu, Pressesprecher der Polizei in Offenbach, stand das Telefon gestern nicht still. Nach der Veröffentlichung schwerer Anschuldigungen des Rabbiners sind bundesweit Medien in die Recherchen eingestiegen.

Unterdessen wächst die Empörung. Offenbachs Oberbürgermeister Horst Schneider ist „zutiefst erschrocken“: „Ich verurteile den Vorfall auf das Äußerste - und ich erwarte eine lückenlose Aufklärung.“ Antisemitismus sei nach wie vor ein sehr ernstes Problem, weltweit sei eine ansteigende Tendenz zu verzeichnen. In Offenbach habe er aber von keinem Amt die Rückmeldung erhalten, dass sich das Klima in der Stadt in der letzten Zeit spürbar verschlechtert habe. Der SPD-Politiker: „Dennoch ist es aus meiner Sicht geboten - nicht nur aufgrund des jetzigen Vorfalles, das Thema Antisemitismus auf allen gesellschaftlichen Ebenen stärker in den Fokus zu nehmen.“

Rasche Aufklärung der Vorkommnisse gefordert

Hessens Sozialminister Stefan Grüttner fordert eine rasche Aufklärung der Vorkommnisse. Ihn mache besonders betroffen, dass es offensichtlich schon zuvor antisemitische Anfeindungen gegeben habe. Der CDU-Kreisvorsitzende: „In einer Stadt wie Offenbach muss das Nebeneinander von Nationen und Religionen selbstverständlich sein.“ Der Angriff zeige, dass man sich weiter engagieren müsse. „Bildung ist einer der Schlüssel, und es darf Null Akzeptanz und Null Toleranz gegenüber solchen Angriffen geben“, betonte Grüttner.

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Auch Regina Umbach-Rosenow, Vize-Fraktionschefin der Offenbacher Grünen, verurteilte den vom Rabbiner geschilderten Vorfall: „Die Tatsache, dass mitten in Offenbach Menschen, die sich zu einer Religion bekennen, verbal belästigt oder gar tätlich angegriffen werden, kann von uns nicht im Ansatz geduldet werden. Jeder Mensch muss sich zu jeder Zeit und an jedem Ort frei bewegen dürfen, ohne befürchten zu müssen, Übergriffen ausgesetzt zu sein.“

Die Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte in Hessen nannte den Vorfall eine „Attacke auf das friedliche Zusammenleben aller Menschen in der Region“. Der Vorsitzende Corrado Di Benedetto sagte: „Das Mindeste, was wir jetzt erwarten, ist eine lückenlose Aufklärung durch die ermittelnden Behörden.“ Zudem zeige der Vorfall, dass Juden, Christen und Muslime aktiv, wachsam und öffentlich für Respekt, Toleranz und Menschenwürde eintreten müssten.

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