Das Ende der Einsamkeit

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Noch ist es nur ein Plan: Am Haupteingang des Neuen Friedhofs soll zunächst ein Blumenladen, später noch ein kleines Café (gelbe Gebäude) entstehen.

Offenbach -  Traurig, hässlich, gammelig. Es lässt sich vieles sagen über den Eingang des Neuen Friedhofs - aber meist wenig Gutes. Das soll sich ändern. Pförtnerkabuff und Gießkannen-Garage verschwinden, machen Platz für einen kleinen Blumenladen. Von Martin Kuhn

Die Verantwortlichen erhoffen sich mehr als nur eine neue Dienstleistung für Trauernde. Es geht auch um eine gewisse soziale Kontrollfunktion. Hoffnung: Radelnde Besucher, rasende Gärtner oder andere, die sich nicht an die Friedhof-Regeln halten, werden ausgebremst; gemäß dem städtischen Motto: Besser leben in Offenbach.

Der Stadtbetrieb ESO zeichnet verantwortlich für fünf Friedhöfe, darunter das etwa 12,5 Hektar große Gräberfeld an der Mühlheimer Straße. Geschäftsführer Peter Walther greift möglichen Diskussionen gleich vor: „Es gibt keine massiven Beschwerden.“ Stadtrat Paul-Gerhard Weiß begründet den Vorstoß für eine Neuordnung: „Einiges ist stehen geblieben und veraltet, da nie ausreichend Finanzmittel da waren. Unter anderem dieser zentrale Eingangsbereich.“

Der Neue Friedhof wurde um 1939 angelegt, dort befinden sich die zentrale Verwaltung aller Offenbacher Friedhöfe und das Krematorium. In den Jahren hat sich bereits einiges geändert. Neu hinzugekommen ist etwa ein islamisches Gräberfeld, das Bestattungen nach den Anforderungen des Korans ermöglicht, und ein Abschiedsraum. Dabei bleibt es nicht: „Wir müssen auf neue Entwicklungen in den Bestattungsformen, aber auch auf eine immer mehr gefragte Trauerbegleitung reagieren“, sagt Paul-Gerhard Weiß.

„Die Trauerkultur hat sich in den vergangenen Jahren geändert“

Eine Neuerung, an der viele eher achtlos vorbeigehen: Am Ehrenmal ist ein gärtnerbetreutes Grabfeld angelegt. Darüber hinaus haben Jugendliche, die an der sonderpädagogischen Maßnahme „Steinbeißer“ teilnehmen, aus hässlichen Betonbeeten kleine, mit Mosaiksteinen beklebte Kunstwerke geschaffen. Der Blumenladen mit viel Glasfront soll den Gesamteindruck abrunden. Darüber hinaus hat der Architekt die Pläne so erstellt, dass eine Erweiterung des Baus um ein Café zu jederzeit umgesetzt werden kann. Walther: „Bislang ist das aber nur als Idee vorhanden.“

Allerdings hört es sich viel konkreter an, was den Verantwortlichen vorschwebt. Geplant ist der Aufbau einer generationenübergreifenden Begegnungsstätte für trauernde Menschen am Neuen Friedhof, auf dem es pro Jahr etwa 600 Bestattungen gibt. Ein Konzept für die Trauerbegleitung erarbeiten Katholische und Evangelische Kirche, Hospizverein sowie zwei Trauerbegleiterinnen. Dafür gibt es bereits Räume - beispielsweise im alten Verwaltungstrakt. Dies könnte mit einem „niederschwelligen“ Angebot in Form eines nicht kommerziellen „Trauercafés“ beginnen. Dass so etwas notwendig ist, erfährt Gabriele Wöllstein, Leiterin der Friedhöfe, immer wieder: „Angehörige kommen ins Büro, wollen nur eine Kleinigkeit regeln und reden sich dann eine Stunde den Kummer vom Herzen.“ Und genau dafür soll es künftig Raum und begleitende Personen geben - nicht irgendwo in der Stadt, sondern dort, wo getrauert wird, auf dem Friedhof. „Denn“, so Weiß, „die Trauerkultur hat sich in den vergangenen Jahren geändert.“

Abriss des Pförtnerhauses und Neubau des Blumenladens kosten etwa 160 000 Euro. Der Laden soll möglichst von einer Offenbacher Gärtnerei betrieben werden. Konkurrenz für bestehende Geschäfte auf der anderen Seite der Mühlheimer Straße? „Nein, und wenn, belebt sie bekanntlich allenfalls das Geschäft.“

Zuvor sind planerische und parlamentarische Hürden zu nehmen. Die Aufstellung einer Satzung gemäß § 34 Baugesetzbuch schafft planungsrechtliche Grundlagen für die Umsetzung ab Frühjahr 2010.

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