Am Ende lauter Sieger

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Erst wählten Sechstklässler aus Offenbacher Schulen (vordere und mittlere Reihe) die Texte aus, mit denen sie zum Vorlesewettbewerb in der Stadtbücherei antraten. Dann wählte die Jury (hintere Reihe) zwei Vertreter für die nächsthöhere Ebene.

Offenbach ‐ Christina hat einen Fanclub, der ein Schild mit ihrem Namen hochreckt. Elisa hat eine Assistentin mitgebracht, die eine Illustration zeigt. Mara liest „aus einem meiner Lieblingsbücher“ und Irem „meine Lieblingsstelle“. Sage einer, die Jugend lese keine Bücher mehr!  Von Markus Terharn

Der Stadtentscheid im Vorlesewettbewerb, alljährlich vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels ausgerichtet, spricht eine andere Sprache. Allen elf Sechstklässlern, die sich unter dem Dach des Bücherturms eingefunden haben, ist etwas gemeinsam: Sie haben schon gewonnen – an ihrer jeweiligen Schule. Und noch eins: Sie können im Grunde nicht verlieren – eine Urkunde und ein Buch als Dankeschön fürs Mitmachen ist jedem sicher. Am Ende dieses Nachmittags gibt es neun zweite und zwei erste Sieger.

Darunter ist gleich der Erste, der sich im Beisein vieler Mitschüler und Eltern präsentiert. Als einziger Teilnehmer der Gruppe A erzählt Erich-Kästner-Schüler Ilias Tzimas flüssig Hilary McKays Geschichte von Charlie, der den Rucksack packt, um daheim auszuziehen – nicht ohne seine Scherzartikel... In Gruppe B setzt sich Leibnizgymnasiast Oswin Büdenbender durch. Mit C.S. Lewis’ „König von Narnia“ hat er keine leichte Lektüre gewählt. Er meistert sie souverän im Stehen und erzeugt Hochspannung.

Zwischen Friseurpraktikum und Schneckenschleim

Seine Konkurrenz schläft aber nicht. Zum Beispiel Marienschülerin Pauline Spatz, die in lebhaften Dialogen voller Witz von einem Friseurpraktikum berichtet: „Klick-klick“ macht die Schere in „Über kurz oder lang“ von Marie-Aude Murail. Viel Sinn für Humor und lebendigen Schreibstil beweist Albert-Schweitzer-Elevin Mara Wenk mit Andreas Steinhöfels „Rico, Oskar und die Tieferschatten“. Dieser Autor hat es auch Christina Krämer angetan, die sich für „Rico, Oskar und das Herzgebreche“ entschieden hat. Mit kräftiger Stimme in hessischer Einfärbung begeistert die Rudolf-Koch-Schülerin ihre Fans.

Mit Hexerei warten zwei Mädchen auf. Wobei sich Bachschülerin Marjan Nabizada mit Roald Dahls „Hexen hexen“ als begabte Schauspielerin erweist, die selbst ein Lichtausfall nicht aus dem Konzept bringt: Sonderbeifall! Ernst-Reuter-Schülerin Irem Aktas hat beim charmanten Vortrag aus „Das hochgeheime Hexenrezept“ von Iris Tritsch Reime und Flüche zu bewältigen: „Krötenfurz und Schneckenschleim!“ Vampire treiben ihr Unwesen in Lisa J. Smiths Werk „In der Dunkelheit“, dessen mal geheimnisvollen, mal blutrünstigen Ton Jennifer Kirsch von der Edith-Stein-Schule gut trifft.

Ilias und Oswin vertreten die Stadt auf Bezirksebene

Schillerschülerin Elisa Wenz verdient sich Pluspunkte für die Wahl eines Klassikers – „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry – und Blickkontakt zum Publikum. Dem Marianne-Frostig-Schüler Leander Graff gebührt ein Bonus für Mut zum Latein; nach dem Motto „Carpe diem“ nutzt er den Tag mit Margit Auers „Verschwörung am Limes“. Und Mathildenschülerin Paula Schmidt setzt auf einen Bestseller, Cornelia Funkes „Reckless“.

Mit ihrer ruhigen Art trägt die Buchhändlerin Helma Fischer dazu bei, den Kindern ihre Nervosität zu nehmen – auch beim Vortrag eines anspruchsvollen, ihnen unbekannten Textes von Per Olov Enquist. Und es ist keine Floskel, was die Schulleiterin Konstanze Schneider beteuert: Die Jury (neben ihr die Stadtbücherei-Chefin Gudrun Kulzer, die Buchhändler Bernhard Behringer und Bertram Schmidt sowie der Verfasser dieser Zeilen) hat sich schwer getan, die Gewinner zu küren. Ilias und Oswin vertreten die Stadt nun auf Bezirksebene.

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