Kommentar: Endlich etwas Gemeinsinn

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Fabian El Cheikh

Und sie wurden sich doch noch einig: Zumindest in der für beide Städte verkehrspolitisch strategischen Frage des Kaiserlei-Umbaus haben Offenbach und Frankfurt endlich ein gutes Stück Gemeinsinn entwickelt. Von Fabian El Cheikh

13 Jahre lang haben die Stadtoberhäupter darüber gestritten, zogen sie sich stets unbeirrbar auf ihre unterschiedlichen rechtlichen Positionen zurück. Gestern nun haben sie eine politische Absichtserklärung unterzeichnet, die es ermöglicht, die lange existierenden Bebauungspläne in Kraft zu setzen und das brach liegende Areal mit bester Verkehrsanbindung gewinnbringend zu entwickeln.

Differenzen der Städte bei Einkaufszentrumsbau

Nun von einem neuen Kapitel der Zusammenarbeit in der Region zu sprechen, erscheint jedoch zu euphorisch. Keiner der beteiligten OBs hat etwas zu verschenken. Das macht gerade die Frankfurterin Petra Roth bei jeder Gelegenheit deutlich. Die von ihrem Offenbacher Kollegen Horst Schneider so sehr gewünschte Mehrzweckhalle wird es mit ihr nicht geben. Wohl auch nicht mit ihrem Nachfolger, der am 11. März gewählt wird. Frankfurt hat genügend eigene Hallen, die alle rote Zahlen schreiben. Die Grenzen der Zusammenarbeit zeigen sich aber auch ganz aktuell beim geplanten Einkaufszentrum am Honselldreieck. Zum Schutz der eigenen Einzelhändler hat Offenbach dagegen Klage eingereicht. Und letztlich war es erst die Klage der Offenbacher gegen die Verlängerung der Mainbrücke, die die Beteiligten in Zugzwang und an den Verhandlungstisch setzte. Harmonie sieht anders aus.

Win-win-Situation

Frankfurt mag sich vielleicht als großzügiger Retter der Kaiserlei-Entwicklung darstellen. Am längeren Hebel aber saß der kleinere Verhandlungspartner – der Offenbacher OB. Frankfurt und das Land wollten unbedingt die Brücke für die Anbindung des prestigeträchtigen EZB-Neubaus. Das erst ermöglichten Konzessionen finanzieller Art und damit die überraschende Zusammenarbeit am Main. Im Großen und Ganzen mag die Einigung eine „Win-win“-Situation sein. Doch auch wenn sie Offenbach entgegen der Beteuerungen Schneiders durchaus etwas kostet – immerhin verzichtet sie auf ordentlich Gewerbefläche –, ist letztlich der Offenbacher OB der strahlende Sieger.

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