Endlich weg von der Wand...

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„Die Hippie-Philosophie passt zu mir“, sagt Gabriele Kunz.

Offenbach - Eine Stärke von Gabriele Kunz ist die Geduld. Ohne diese Eigenschaft lägen jetzt nicht drei Bücher auf dem Wohnzimmertisch mit ihrem Namen auf dem Titel. Von Katharina Skalli

20 Jahre hat es gedauert, bis sich der Wunsch der Künstlerin und Autorin erfüllt hat und ihre Bilder und Texte von der einsamen Wand der heimischen Wohnung in den Buchhandel wanderten. Jetzt sind drei ihrer Bücher erschienen. Mindestens fünf weitere sollen folgen. Am Donnerstag, 5. Januar, präsentiert sie mit Monika Krämer ihr Kinderbuch „So was sieht man selten“ im Klingspormuseum (Herrnstraße 80).

Das Wohnzimmer in einem Block der Offenbacher Innenstadt muss man mal besucht haben. Versteckt zwischen großformatigen Gemälden, Farbwelten, Skulpturen und bunter Kunst sitzt Gabriele Kunz am antiken Holztisch. Neben ihr in einem Terrarium rascheln Bart und Lisa, die Bartagamen der Familie, unter einer roten Lampe. Auch die Echsen leben vor einer Landschaft, die Gabriele Kunz ihnen gemalt hat. Wohin das Auge blickt, stehen und hängen die Bilder der Offenbacherin. „Oben auf dem Dachboden warten weitere Bilder auf ihren Verkauf“, verrät sie.

Zusammenspiele von Kunst und Text

Doch darum muss sie sich ein andermal kümmern. Jetzt geht es um ihre Bücher. 2010 hat Kunz den passenden Verlag gefunden. Keine leichte Aufgabe, denn die Werke der 53-Jährigen unterscheiden sich stark von typischen Titeln auf Bestsellerlisten. Immer sind es Zusammenspiele von Kunst und Text. Die Illustration ist genauso wichtig wie die Geschichte, welche die Worte auf der gegenüberliegenden Seite erzählen. Bild und Schrift ergänzen sich. Die Illustrationen zu ihrem Erstling „Das Wort heißt Liebe“ entstanden bereits vor zwei Jahrzehnten.

Es sollte die Abschlussarbeit am Ende ihres Studiums zur Grafik-Designerin an der Kunstschule Westend in Frankfurt werden. Doch der Dozent riet ihr, Bilder und Ideen aufzuheben. Nun ist ihre Zeit gekommen. Die Illustrationen zu den Gedichten und Kurzgeschichten rund um das Thema Liebe sind farbintensive Collagen aus Fotografien großformatiger Ölgemälde, Kreidezeichnungen, individuell zurechtgeschnittenen Passepartouts und gepressten Pflanzen. Auf jeder Seite warten neue, intensive Eindrücke auf den Betrachter.

„Von dieser Art Illustration habe ich geträumt“, erklärt Kunz. Kaum eins ihrer Bilder orientiert sich an den festen Formaten der Leinwände. Diese Malerin bricht aus Formvorgaben aus. Die Leinwände in ihrer Wohnung wachsen ineinander. Mehrere Bilder ergeben ein Gemälde. Bis unter die Decke erstreckt sich die Kunst zwischen Sofakissen und Weihnachtsbeleuchtung.

Auch die Illustrationen sprengen Rahmen. Passepartouts greifen die Formen der abfotografierten und verarbeiteten Gemälde auf, sind mal rund, mal gezackt mal in Form von Engelsflügeln zurechtgeschnitten.

Mystische Wesen, Engel und Sternbilder

Viele ihrer Geschichten handeln von mystischen Wesen, Engeln, Sternbildern und der Natur. Nur das Kinderbuch „So was sieht man selten“ ist mit ihrem Sohn Adrian entstanden. Mutter und Sprössling haben Bilder gemalt, die den Alltag vertreiben und in eine Traumwelt entführen. Später kamen kurze Geschichten hinzu. „Erst waren die Bilder da“, erklärt Kunz. Dann ließ sie ihren damals anfangs fünfjährigen Sohn erzählen, was er sieht. „Nur das Ende habe ich meist hinzugefügt“, erzählt sie und lächelt beim Gedanken an den kreativen Prozess, der mittlerweile auch fast sieben Jahre zurückliegt.

Heute ist Adrian 14, gemeinsame Bilder entstehen nicht mehr. Kreativ sei er dennoch, versichert die Alleinerziehende. Adrians Geschichten erzählen von gelben Monstern, Wunschmaschinen, Meerjungfrauen und müden Drachen. Die Texte seiner Mutter transportieren die dringliche Sehnsucht nach Liebe und Frieden. „Die Hippie-Philosophie passt zu mir“, sagt sie und lächelt zurückhaltend. „Das ist meine Generation.“

‹ Die Titel „Wie sie den Löwen reitet“, „So was sieht man selten“ und „Das Wort heißt Liebe“ sind im Buchhandel erhältlich. Am Donnerstag, 5. Januar, liest Gästeführerin Monika Krämer im Klingspormuseum aus dem Kinderbuch der Künstlerin. Los geht es um 15 Uhr. Im März stellt die freischaffende Malerin im Haus der Stadtgeschichte ihre Bilder aus. Weitere Informationen im Internet gibt es auf http://www.gabrielekunz.de/Biotable.htm.

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