Interview: Bernd Kracke über einen Rundgang, der das Leben an die HfG zurückholt

„Endlich wieder auf dem Campus“

Bernd Kracke Präsident der HfG
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Bernd Kracke Präsident der HfG

Ein Jahr Kunst im Home-Atelier, Einsamkeit, Finanznöte. Über eine harte Zeit für Studierende und einen Rundgang, der den Neustart einläutet, spricht Bernd Kracke, Präsident der Hochschule für Gestaltung (HfG).

Was ist bei diesem Rundgang anders als bei den bisherigen?

Schon alleine der Termin, im Herbst, am Anfang des Wintersemesters. Das ist natürlich für die Erstsemester ein super Start in ihr Studium. Bei diesem Rundgang haben wir neben dem Hauptcampus am Isenburger Schloss und dem Zollamt außerdem wieder eine neue Location dabei: das ehemalige Polizeipräsidium Südosthessen an der Geleitsstraße.

...das unter den Studierenden Protest auslöste, weil die Behörde in Bezug auf den Anschlag von Hanau in der Kritik stand.

Wir sind erst mal froh, dass wir das leer stehende Gebäude nutzen dürfen, aber die Hochschulleitung und die Lehrenden teilen natürlich die kritische Haltung der Studierenden. Es hat sich eine studentische Arbeitsgemeinschaft gebildet, die wir unterstützen; es gibt Diskussionsbedarf, und dem geben wir während des Rundgangs durch Veranstaltungen eine Bühne. Wir setzen uns im Übrigen auch immer wieder aktiv mit dem Schlossplatz auseinander, auf dem es Bücherverbrennungen durch die Nationalsozialisten gegeben hat. Es ist wichtig, dass solche Orte keine No-Go-Areas werden und wir uns aktiv mit ihnen beschäftigen.

An der Hochschule hat es sei anderthalb Jahren fast nur Online-Lehre gegeben. Sieht man das den Werken an?

Es war für die Studierenden eine harte Zeit, sie waren abgeschottet, konnten die Hochschulräume größtenteils nicht nutzen und mussten in ihren Privaträumen arbeiten. Das war eine wahnsinnige Belastung. Dennoch ist mit Blick auf die künstlerische Entwicklung nicht alles stecken geblieben. Viele haben die Zeit der häuslichen Isolation und Distanzlehre als intellektuelle Herausforderung angenommen und zur Intensivierung ihrer künstlerischen Arbeit genutzt.

Durch wegfallende Nebenjobs hatten einige Studierende Probleme, ihr Studium zu finanzieren. Wie haben Sie geholfen?

Durch einen schnell eingerichteten Hilfsfonds, der durch Spenden der Freunde der HfG und andere Partner und Förderer finanziert wurde. Die Akut-Hilfe ist mittlerweile ausgelaufen, aber es gibt weiterhin diverse Stipendienangebote wie etwa das Deutschlandstipendium, mit denen wir jungen Menschen mithilfe von Förderern und dem Bund die Studienbedingungen an der HfG erleichtern.

Wie geht es nun an der HfG weiter?

Wir sind froh darüber, uns endlich wieder auf dem Campus und in unseren Gebäuden begegnen zu können, wir planen mit 80 Prozent Präsenzlehre unter 3G-Bedingungen. Im kommenden Sommer wird es dann hoffentlich direkt den nächsten Rundgang zur gewohnten Zeit Mitte Juli geben.

Artikel zum Rundgang an der HfG.

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