Neues Stadion in Offenbach

Endlich wieder daheim

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Endlich wieder „Feeling Bieberer Berg“!

Offenbach - Stets ein Thema rund um den Bieberer Berg ist der Verkehr. Wenn es auf den Rängen voll ist, wird’s es eng in den Straßen. Die Stadtpolizei sperrt und kontrolliert im Quartier des Heusenstammer Wegs. Von Martin Kuhn und Thomas Kirstein

„Ich dachte eigentlich, dass beim Stadion (wie bei jedem Neubau auch) Parkplätze gebaut werden müssen. Aber hier haben Stadt und Verein wohl wieder mal gespart.“

Stattdessen schreibe die Stadt lieber Strafzettel, die dann meist Anwohner treffen, „die nicht mehr in Nähe ihrer Wohnung parken können, weil Stadion-Besucher alles zuparken“, schreibt der Bieberer Steffen Sailer noch vor Anpfiff (18.49 Uhr) und fragt: „Wären die Kosten für Parkplätze hinter dem Stadion und im Umfeld denn so teuer gewesen? Das alles zeigt mal wieder das Amateurhafte...“ Da sind Politik und Verwaltung gefordert. Zu bedenken ist jedoch: Ist der „Neu-Umbau“ (so eine Formulierung des Oberbürgermeisters) des Stadions überhaupt als Neubau einzustufen? Ein Lob am Rande: Die Zahl der Fahrradbügel gegenüber der Haupttribüne wurde deutlich erhöht – und bei sommerlichen Temperaturen auch genutzt!

Jetzt mal im Chor: Wem ist der Berg? Unser! Unzählige Fans kommen mit dem „Ticket zum Anziehen“ zur offiziellen Stadion-Eröffnung: rotes Shirt mit weißen Brust-Keil, Vereinswappen, Sponsoren-Aufdruck; einige auf dem Rücken ergänzt durch Name und/oder Nummer. Weiter so – am liebsten gleich zum ersten Punktspiel im kompletten Sparda Bank Hessen-Stadion am Samstag, 28. Juli, 14 Uhr, gegen VfB Stuttgart II.

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Verkehrte Welt im Anstoßkreis: Musical-Sängerin Marianne Wycsik stimmt „Time to say goodbye“ (bekannt durch Andrea Bocelli und Sarah Brightman; übersetzt: Zeit um auf Wiedersehen zu sagen) an. Zur Stadioneröffnung? „Das passt nicht“, knurrt es auf der Henninger-Tribüne. Richtig! Nach den sich überstürzenden Nachrichten nach Abpfiff darf der Fan spekulieren: Ein früher und inszenierter Abgesang auf Geschäftsführer Thomas Kalt? Vielleicht hätte da Hardrocker Alice Cooper besser gepasst: „Welcome to my nightmare.“ Noch mehr nach dem Geschmack der rotweißen Wand ist das Duo Ohrenschmaus: „En Ebbelwoi geht immer nei...“

Kleinere logistische Mängel werden durch logistisches Vorausdenken mehr als ausgeglichen. Zu verschmerzen ist etwa, dass die Verpflegungsstände auf der Stehplatz-Seite schon vor Anpfiff keine Servietten für die Bratwurst mehr vorrätig haben. Bitte... Den erfahrenen Stadiongänger regt das nicht auf, der erinnert sich daran, wie in der vergangenen Saison bei der Partie gegen Arminia Bielefeld unter der Haupttribüne mal dummerweise die Brötchen ausgegangen sind. Dann doch lieber ohne Serviette, oder?

Bier-Versorgung in Block 2 ist gewährleistet

Aber wichtiger: Die Bier-Versorgung in Block 2, wo die treuesten und härtesten der Fans daheim sind, ist bestens gewährleistet. Auf dem oberern Umgang verkaufen junge Menschen den Inhalt zweier Kleinzapfanlagen. Private Initiative erfrischt schon auf dem Hinweg: Im Tambourwäldchen steht, mit nacktem Oberkörper und wohl gefüllten Fahrradkörben ein Offenbacher Mittsechziger und preist seine kühlen Getränke als Wegzehrung für die letzten hundert Meter bis zum Stadion an. Und für die Entsorgung ist ebenfalls gesorgt: Leergut-Sammler mit prallen Taschen zeugen von einem guten Abend.

Die Stehplatzkarten-Inhaber, die etwas später zum Berg kommen, trifft zunächst beinahe der Schlag. Lange Schlangen an den Zugängen zu den Blöcken 1 bis 3. Aber es geht erstaunlich flott durch ins neue Heim. Allerdings wäre es an diesem Abend kein Problem gewesen, dort Unzulässiges an den freundlichen „Stewards“ vorbei einzuführen. Wenn sich die Intensität der Leibes- und Taschenvisite bei sogenannten Risikospielen deutlich erhöht, wären mehr Einlässe für die begehrten Stehplätze wünschenswert. Ansonsten wachsen Schlangen und Unmut. Vielleicht ist’s für die Zukunft noch anders zu lösen.

Fans der Gegner gemeinsam auf der Tribüne

Einmalige und kaum mehr wiederkehrende Situation: Auf den Rängen mischen sich die Fans der gegnerischen Teams: Leverkusener Kuttenträger und Offenbacher in rotweißen Eröffnungs-Trikots sind ein Herz und eine Seele. OFC-Anhänger Frank berichtet den Kumpels vom Niederrhein: „Da war heut ein großer Artikel über unsere Fanfreundschaft in unserer Heimatzeitung, der Offenbach-Post.“

Der jüngere Kickers-Fan kann seinen ehemaligen Erziehungsberechtigten korrigieren: Die „...uuu...iiii..“-Rufe aus Block 2, beziehen sich keineswegs auf den anwesenden Rudi Völler, der die klare Kickers-Chance im Bayer-Strafraum bestimmt nicht versemmelt hätte; gerufen wird tatsächlich „Fluuuutliiiicht“ in Erinnerung an die schmerzlich vermissten Masten, denen offenbar magische Wirkung aufs Kickers-Spiel zugemessen wird.

Gerüchte über Kalt-Rücktritt machen die Runde

Wie gehabt: Für viele beginnt die dritte Halbzeit beim „Rebel“, wie die Fans liebe- und ehrfurchtsvoll ihre Gaststätte „Zum Bieberer Berg“ nennen. Neben dem Goldgelb des Hopfentrunks gibt’s nach Abpfiff nur noch Rotweiß – und selbstverständlich viele Fachgespräche. Um 22.54 Uhr klingelt das Handy. Freundin Barbara fragt: „Der Kalt soll zurückgetreten sein. Stimmt das?“ Oh je. Auf die Schnelle muss der Zeitungsmann passen: „Kannst du aber morgen lesen...“, geht’s im Kneipengewirr unter. Am Tag danach die Frage danach: Wie lange war’s denn gestern? Entwaffnende Antwort von Kumpel Oli: „Bis halb...“

Und auch die erste Pressemitteilung lässt nicht lange auf sich warten: Voll des Lobes äußert sich Annette Schroeder (Freie Wähler) über die Auftaktveranstaltung: „Da hat einfach alles gestimmt. Die Präsentation auf der Leinwand war hinreißend und hat nicht nur Interessantes zum OFC und zur Genesis des Stadionneubaus gezeigt, sondern auch viele tolle Emotionen geweckt,“ schwärmt sie. Dass die Kickers das Spiel gegen Leverkusen verloren haben, konnte der guten und mitreißenden Stimmung nichts anhaben. Sie greift wohl die gespannte Stimmungslage aller Anhänger auf: „Natürlich freuen wir uns, wenn die Kickers jetzt noch viele Spiele gewinnen.“

Bilder vom Eröffnungsspiel

OFC verliert Eröffnungsspiel

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