Endlich wieder ein Kleinod

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Das Pfarrhaus erstrahlt in neuem Glanz nach altem Vorbild. Oberbürgermeister Horst Schneider, Pfarrerin Ulrike Timmerberg-Schutt und Herbert Hunkel , Vorsitzender des Verein Hugenotten- und Waldenserpfad, feierten mit vielen anderen.

Offenbach - (mcr) Zwei Jahre währten die Restaurierungsarbeiten am Gemeinde- und Pfarrhaus der Französisch-reformierten Gemeinde. Am Erntedankwochenende feierten die Christen die Fertigstellung mit einer Andacht.

Aus der ältesten protestantischen Kirche Offenbachs in der Herrnstraße 43/Ecke Berliner Straße ging es dann hinaus in den Gemeindegarten, um sich mit Pfarrerin Ulrike Timmerberg-Schutt über die Zukunft zu freuen, ohne die ehrwürdige Vergangenheit außen vor zu lassen.

Das heutige Pfarrhaus der Gemeinde war einst das Wohnhaus der Kaufmannsfamilie Romagnac. Erbaut um 1730/40, wurde es 1782 testamentarisch von der Witwe Anna Maria Romagnac der Gemeinde vermacht mit der Auflage, dass das Haus immerwährend Wohnhaus des Pfarrers und Gemeindehaus der Französisch-reformierten sein solle. Damit wurde damals das bisherige Gemeindehaus an der Domstraße nicht mehr benötigt und verkauft.

Das Barockgebäude ist eines der wenigen erhaltenen Hugenottenhäuser Offenbachs. Kurz nach der Schenkung wurde das Haus im westlichen Teil erweitert. Bei einem Luftangriff im November 1944 erlitten Kirche und Gemeindehaus schwere Treffer. Nach Behebung der gröbsten Schäden wurde das Gebäude im Jahre 1975 umfassend renoviert.

Gemeinde musste rund ein Drittel der Kosten durch Spenden aufbringen

Die im vergangenen Jahr begonnen baulichen Maßnahmen waren ein weiterer Schritt zu einer umfassenden Sanierung, die während der Pfarrvakanz in Angriff genommen wurde. Dabei wurde das zweigeschossige denkmalgeschützte Haus innen mit einem Lehmputz versehen und das Mansarddach neu mit Biberschwanzziegeln beziehungsweise Schiefer eingedeckt. Morsches Balkenwerk wurde auch im Erdgeschoss ausgetauscht, das Gebäude neu angestrichen und die Fensterläden erneuert. Nachdem nun auch der von Pfarrfamilie und Gemeinde gleichermaßen genutzte Garten der alten Formgebung entsprechend gestaltet ist, kann man mit Fug und Recht von einem baulichen Kleinod im Herzen der Stadt sprechen. Die Kosten, insgesamt eine halbe Million Euro, kamen aus vielen verschiedenen Töpfen. Die Gemeinde selbst musste rund ein Drittel durch Spenden aufbringen.

Die Feier fand am Sonntag mit der Jubiläumskonfirmation und einer Erwachsenentaufe im reformiert schlichten Abendmahlsgottesdienst ihre Fortsetzung. Die älteste Jubilarin der Gemeinde begeht das 80. Jubiläum ihrer Konfirmation, die im Jahre 1929 in der hiesigen Kirche stattfand.

Themenreihe „Gedichte gegen den Krieg“

Die Gemeinde hat mannigfachen Grund zur Freude - denn sie hat seit dem Frühling einen zehnprozentigen Mitgliederzuwachs zu verzeichnen. Seit einigen Monaten finden die Gottesdienste wieder zweisprachig statt, zu einem geringeren Anteil in französischer, zum weitaus größeren Teil in deutscher Sprache. Wenn dann bald der Besuch aus der südfranzösischen reformierten Partnergemeinde Marsillagues vor der Kirchentür steht und die dort erlebte Gastfreundschaft erwidert werden kann, gibt es alle Hände voll zu tun.

Aber erst einmal beginnt am heutigen Montag, 5. Oktober, mit den jeweils um 18 Uhr beginnenden wöchentlichen Friedensgebeten die Themenreihe „Gedichte gegen den Krieg“.

Immer wieder wird uns Christen und Christinnen die Kraft des Gebetes und des Hörens auf Gott zum zentralen Erlebnis. Der Satz ’Man kann ja doch nichts tun‘ gilt im Blick auf Jesus Christus für uns nicht“, so beschreibt Pfarrerin Timmerberg-Schutt die Motivation für die ursprünglich hugenottische Gemeinde, die sich das Versammlungsrecht mit gemeinsamem Gebet hat erkämpfen und ertrotzen müssen.

So wollen wir dem Gebet inmitten der trubeligen Innenstadt und dem lauten Verkehrslärm am traditionsreichen Ort wieder neue Kraft geben.“ An jedem Montag wird eine andere Person, sei es Laie oder Theologe, ein „Gedicht gegen den Krieg“ vorstellen und in das traditionelle Friedensgebet integrieren. „Das wichtigste Gut einer Gesellschaft ist Frieden mit allen Inklusionen wie Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit und dem Recht auf Persönlichkeit und freie Religionsausübung. Wir beten wie Millionen Christen für Frieden, wir singen für Frieden, wir erinnern an die Orte, wo Frieden abwesend ist.

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