Endlich wieder Schnitzelduft

Bieber ‐ Wer reinkommt, schnuppert erst mal, nimmt den Geruch von lackiertem Holz und frisch verlegtem Boden wahr. „Es riecht so neu“, beschreibt es eine Dame, die Marianne Kirsch mit einem herzlichen Händedruck und einem warmen Lächeln begrüßt. Von Katharina Skalli

Seit nahezu fünf Monaten hat sie das nicht mehr getan. Es fühlt sich beinahe genauso an wie früher. Doch die Erinnerungen an die Nacht im Mai, als der Gastraum der „Gärtnerruh“ in Flammen stand, sind noch lange nicht verschwunden. Ein Einbrecher hatte damals das Lokal angezündet. Gefasst wurde er nicht. Auch Parallelen zu einem Brand beim Obst- und Gartenbauverein Heusenstamm konnten nicht sicher bestätigt werden. „Die Ermittlungen wurden erst kürzlich eingestellt“, sagt Jürgen Czerny-Strubl von der Pressestelle der Polizei.

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Gemeiner als der Maulwurf

Bis heute hat Marianne Kirsch das Geschehene nicht verarbeitet. Umso glücklicher ist die Pächterin, endlich wieder hinter der Theke zu stehen. Während sie Bier zapft, Kaffee ausschenkt und Gäste begrüßt, hört man ihren Mann Siggi in der Küche Schnitzel klopfen. Es dauert nicht lange, und aus der Tür hinter der Theke ziehen Bratkartoffeldüfte und vertreiben den „Neu-Geruch“. Seit dem Brand musste der Kleingartenverein Ost (Schlossmühlstraße) auf diese Aromen verzichten.

Gäste kommen mit Blumen und guten Wünschen

Ab sofort hat dies jedoch ein Ende, denn nach den umfangreichen Sanierungsarbeiten öffnet die Wirtschaft, die den meisten Gästen als „Lokomotive“ bekannt ist, wieder ihre Türen. „Es fühlt sich wunderbar an, wieder hier zu sein“, sagt Kirsch. Im Gastraum ist sie in ihrem Element, wirbelt umher und packt mit ihren flinken Händen an. Noch ist die Einrichtung nicht perfekt.

Über der Theke reihen sich grau-blaue Bembel und an der Wand blitzen Garderobenhaken. Es fehlen Bilder, kleine Details wie die Lokomotiven-Uhr, die das Ehepaar Kirsch häufig für Kinder fahren ließ. Sie ist verschmort wie all die anderen Kleinigkeiten, die Kirschs geliebtes „Knusperhäuschen“, ausmachten.

Das Lokal ist auch bei Facebook zu finden.

Doch die wichtigsten Dinge sind zurück: Kirschs, das alte Team, die Gäste, die Schnitzel. „Hier gibt es die besten Schnitzel“, sagt Christa Graf und lacht. Sie und ihr Mann sind Stammkunden. Nicht nur sie ist froh, dass das Restaurant wieder öffnet.

Viele kommen mit Blumen und guten Wünschen. Es herrscht familiäre Atmosphäre – die Essenz der „Lok“. Seit fast 25 Jahren leiten die 66-Jährige und ihr Mann das Vereinslokal im Grünen. Siggi Kirsch schaut aus der Küche und fragt fröhlich in den Gastraum: „Schmeckt’s?“ Und es klingt, als frage er Freunde im heimischen Wohnzimmer.

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