Endlich zeigen, was Frau hat

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Modische Kasteiung und superkleine Größen anzustreben, scheint nicht das Ziel emanzipierter Frauen zu sein. M. Schneider hat jetzt eine Abteilung für „Komfortgrößen“.

Offenbach ‐ Verstecken hieß die Devise noch bis vor gar nicht langer Zeit. Heute können Frauen mit wohl geformten Pfunden durchaus selbstbewusst wuchern. Sie nur unter schlichtem Schwarz zu verbergen, ist weder nötig noch angesagt. Dass auch jenseits der Konfektionsgröße 40 verlockende Mode existiert, zeigte am Samstag eine Modenschau bei M. Schneider. Von Lis Schulmeister

In der neuen Abteilung für die sogenannten Komfortgrößen 42 bis 52 bezauberten Models rund 300 Frauen und auch einige Männer. Sie präsentierten luftig leichte Bekleidung in frischen Farben für Frühling und Sommer.

In Rot, Pink und Lila setzen sie leuchtende Akzente, kombiniert mit Weiß oder hellem Grau. Großzügige florale Muster auf Kleidern und Blusen aus schmeichelnd weichen Textilien verführen ebenso zum An- und Ausprobieren wie die im rassigen Tiermuster-Druck gehaltenen Tops und Röcke. Die Farben Türkis und Himmelblau lassen Gedanken an Sommer und Eisdiele aufkommen. Warme Schoko- und Mokkafarben zusammen mit strahlendem Weiß laden zum Träumen von Stadt-Safaris an milden Nachmittagen ein. Accessoires wie Hüte, Taschen Ketten und Schals verleihen zusätzlichen Pepp.

Ob Hosenanzüge, Kleider, Blusen, Jacken oder Ensembles in trendigen Farben: Für jeden Geschmack zeigten die Models Passendes von den auf Komfortgrößen spezialisierten Designermarken Samoon by Gerry Weber, Habella, Barbara Lebek und Eugen Klein. „Da wirkt doch ruck-zuck ein Pfund schöner als das andere“, sagte Modenschau-Moderatorin Christa Vrinssen. „Wer möchte da noch schlank sein, wenn es so schöne Mode in großen Größen gibt“. Das Publikum beantwortete die Frage mit begeistertem Applaus.

Designer schneidern immer kleiner

Mit einem „Schoko-Bonbon ohne Kalorien“ überraschte Moderatorin Vrinssen. Model Wanda entzückte in Größe 52 auch gesanglich. Mit starker Stimme vermittelte sie ein vitales Lebensgefühl. „Ich bin stark, ich steh zu mir; es liegt in meinen Händen, dass ich mich nicht verlier“, intonierte sie ein selbst getextetes Lied. „Schau in den Spiegel und blick zu dir auf“.

Inspiriert von der Modenschau kauften einige Kundinnen direkt vom Laufsteg weg ihre neue Frühlings- und Sommergarderobe. „Man guckt anders und nimmt mehr wahr, wenn andere die Kleider so erfrischend natürlich tragen und vorführen, sagt Stammkundin Heidi Fuchs aus Obertshausen. Von den Farben ist sie angetan: „Die überspielen auch die Falten etwas und drängen sie mehr in den Hintergrund“, meint die 65-Jährige. „Es war an der Zeit, größere Größen für Frauen an die attraktive Mode anzukoppeln“, sagt Margit Burgmann aus Offenbach. „Auch wenn ich heute noch vor allem ältere Damen im Publikum gesehen habe, werden sich diese modischen Verheißungen und Möglichkeiten bald auch bei jungen Frauen rumgesprochen haben.“ Das bestätigt das Konzept dieser neuen Abteilung im dritten Stock. „Die Designer schneidern immer kleiner, während die Nachfrage nach höheren Größen immer mehr steigt“, erklärt Marketingleiterin Martina Groß.

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