Der Wind steht günstig

+
Auch Nähe ist relativ: Die meisten Windräder der EVO entstehen derzeit im Hunsrück. 23 Anlagen stellt der Offenbacher Energieversorger dort auf. Jede Windanlage ist 179 Meter hoch und rund 2000 Tonnen schwer. Alleine die 39 Meter langen Rotorblätter wiegen jeweils sechs Tonnen. Am 13.Mai wird der Windpark eröffnet.

Offenbach - Wenn ein rauer Wind weht, dann kann das Michael Homann eigentlich nur recht sein. Setzt doch die Energieversorgung Offenbach (EVO), deren Vorstandsvorsitzende er ist, in den nächsten Jahren verstärkt auf erneuerbare Energien in Form von Holz und Windkraft. Von Matthias Dahmer

„Die Investition in die Energiewende lohnt sich“, gibt sich Homann gestern bei der Bilanzpressekonferenz seines Unternehmens überzeugt. Der Weg, den die EVO vor fünf Jahren beschritten habe, sei unumkehrbar, die Zukunft gehöre der dezentralen und umweltschonenden Energieerzeugung.

Bis zum Jahr 2015 will der regionale Energieversorger rund 150 Millionen Euro in den Ausbau erneuerbarer Energien stecken. Wichtigstes Wachstumsfeld ist dabei der Wind. Mit 85 Millionen die größte Investition ist deshalb ein Windpark in der Nähe von Kirchberg im Hunsrück, der am 13. Mai offiziell eröffnet wird. Die 23 Anlagen mit ihrer Gesamtleistung von 53 Megawatt sollen Öko-Strom für rund 35 000 Haushalte erzeugen. Federführend beim Aufbau des Windparks ist die Cerventus Naturenergie GmbH, die im Juli 2009 von der EVO und der Juwi-Gruppe aus Wörrstadt mit dem Ziel gegründet wurde, die Windkraft auszubauen.

Anfang 2011 hatte die EVO ihre ersten beiden Windräder im nordhessischen Massenhausen in Betrieb genommen. Weitere Anlagen sind im Vogelsberg und im Rheinhessischen geplant. Bis 2015 sollen die Windräder insgesamt eine Leistung von 100 Megawatt liefern. „Der Anteil selbst erzeugter Energie an der von uns verkauften Strommenge soll bis dahin auf 30 Prozent steigen“, sagt EVO-Technikvorstand Dr. Kurt Hunsänger.

Wie aus einer Übersicht für das Jahr 2010 hervorgeht, stammt der Strom des Unternehmens zum größten Teil noch aus fossilen Energieträgern: 36,1 Prozent werden aus Steinkohle gewonnen, 14,8 aus Erdgas. Erneuerbaren Energien machen rund 28,7 Prozent aus, 17,2 Prozent sind Atomstrom.

Holzpellet-Werk als zweites Öko-Standbein

Zweites Öko-Standbein der EVO sind die Holzpellets. Seit Mai vergangenen Jahres verdient man mit dem neuen Werk auf dem Allessa-Gelände Geld. Die 65.000 Tonnen Pellets, die pro Jahr produziert werden, befeuern mittlerweile 18 der 50 Nahwärmenetze der EVO. Allein 23.000 Tonnen landen im Heizkraftwerk an der Andréstraße, wo man dadurch rund 15.000 Tonnen Steinkohle ersetzen kann. Ausgelegt ist das samt angrenzendem Biomasse-Heizkraftwerk 20 Millionen Euro teure Pelletwerk für 130.000 Tonnen pro Jahr. Wann und ob diese Kapazität ausgeschöpft wird, hänge von der Nachfrage ab, so Hunsänger.

Rundum zufrieden ist die EVO-Spitze mit der Resonanz auf ihren „Klima-Sparbrief“. Den hatte der Versorger im Dezember gemeinsam mit der Sparkasse Langen-Seligenstadt aufgelegt, um einen Teil des Windparks im Hunsrück zu finanzieren. Der Brief hatte ein Volumen von fünf Millionen Euro bei einer festen Verzinsung von drei Prozent pro Jahr und einer Laufzeit von fünf Jahren. Weil er innerhalb von fünf Tagen ausverkauft war, soll nun eine zweite Auflage über zehn Millionen Euro folgen. Mit welchem Kreditinstitut die EVO dabei zusammenarbeitet, ist noch offen. Homann hat unter anderen die Sparkasse Offenbach im Blick.

Was die Konzessionsverträge mit der Stadt Offenbach betrifft, gibt sich die EVO-Führung entspannt. Für die 2013 neu zu vergebende Gaskonzession habe man, wie verfahrenstechnisch vorgehen, eine „Interessensbekundung“ abgegeben. „Wir freuen uns auf die Gespräche mit dem Konzessionsgeber“, formuliert EVO-Chef Homann. Der Vertrag über Strom läuft noch bis 2019.

Die EVO liefert Strom, Gas, Fernwärme und Wasser an rund 170.000 Haushalte der Region. 146 000 davon sind Stromkunden, rund 20.000 werden mit Gas beliefert, 3 000 beziehen in Offenbach, Heusenstamm und Dietzenbach Fernwärme.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare