Energieversorgung Offenbach

Harter Winter erwünscht

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Trotz lahmendem Stammgeschäft zieht die EVO dank der Erneuerbaren Energien eine positive Jahresbilanz. Wird für 25 Millionen Euro leistungsstärker und zugleich umweltfreundlicher: Das Müllheizkraftwerk der EVO in Offenbach.

Offenbach - Die Energieversorgung Offenbach (EVO) und ihre Tochterunternehmen können auf ein positives Geschäftsjahr zurückblicken. Der Jahresüberschuss der EVO-Gruppe liegt mit 16,9 Millionen Euro über dem Ergebnis des Vorjahres von 11,6 Millionen Euro. Von Matthias Dahmer 

Vorstandschefin Heike Heim zeigte sich gestern bei Präsentation der Jahresbilanz denn auch „mehr als zufrieden“ mit dem Ergebnis. „Wir haben trotz schwieriger Marktbedingungen die Planzahlen übertroffen“, so ihr stolzes Fazit. Der Überschuss geht zu 100 Prozent an die Anteilseigner. Die Aktionäre erhalten eine Dividende von 82 Cent je Aktie. Das heißt: Rund 7,4 Millionen Euro fließen jeweils an die beiden Hauptaktionäre – die MVV Energie AG (50,1 % der Aktien) und die Stadtwerke Offenbach Holding (49,9 %). Rund 470 000 Euro werden an die Anteilseigner aus dem Kreis der Mitarbeiter ausgeschüttet.

Im Vorjahr betrug die Dividende dank Entnahmen aus der Rücklage noch 90 Cent pro Aktie. Offenbach bescherte das etwas mehr als acht Millionen Euro. Insgesamt flossen an Steuern und Konzessionabgabe 18,7 Millionen vom lokalen Energieversorger in die Stadtkasse. Erheblich investieren wird die EVO in ihr Müllheizkraftwerk in Offenbach. In den nächsten beiden Jahren steckt das Unternehmen rund 25 Millionen Euro in die Erneuerung der 1970 erbauten Anlage, welche die EVO 1999 vom Umlandverband Frankfurt übernommen hatte. Eine neue Rauchgasreinigungsanlage soll dafür sorgen, dass Energiebedarf minimiert und zusätzliche Wärme für die Kunden erzeugt werden kann. Zugleich wird eine 19 Megawatt starke Dampfturbine eingebaut, was die Stromabgabe von aktuell 40.000 auf 90.000 Megawattstunden im Jahr mehr als verdoppelt.

Anteil der Erneuerbaren Energien bei 50 Prozent

Die Arbeiten beginnen im April 2015 und werden voraussichtlich bis Oktober 2016 dauern. „Wir betrachten das Vorhaben als Meilenstein unseres Engagements bei den Erneuerbaren Energien“, sagte Vorstandschefin Heim. Weil die Anlage mehr Energie im umweltschonenden Kraft-Wärme-Kopplungsverfahren erzeugt und daher weniger fossile Brennstoffe wie Steinkohle oder Erdgas verbrannt werden, sinkt der Ausstoß an Treibhausgasen rein rechnerisch um 14.000 Tonnen im Jahr. Der Anteil der Erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung liegt bei der EVO derzeit bei mehr als 50 Prozent. Die Quote soll in den nächsten beiden Jahren auf rund 56 Prozent erhöht werden, heißt es.

Der Energiemarkt, so Heike Heim weiter, stecke in einer „tiefgreifenden Transformation“, was sich am Beispiel der Aufspaltung des Eon-Konzerns zeige. Der Anteil der konventionellen Energien werde bis 2020 um 30 Prozent sinken, zugleich prognostiziere man den Erneuerbaren Energien ein Plus von 70 Prozent. Die EVO hatte bereits Anfang 2013 auf die sinkenden Erlöse im Stammgeschäft hingewiesen und gegengesteuert. Geringere Einnahmen bei Strom, Fernwärme oder Erdgas, die vor allem dem milden Winter geschuldet waren, sowie sinkende Abfallpreise sollen mehr und mehr durch Wachstum in regenerativen Energien wie etwa der Windkraft sowie durch den Ausbau des Entsorgungsgeschäfts kompensiert werden.

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Die Erschließung weiterer Geschäftsfelder ist eine von drei Säulen der neuen, „Evolution“ genannten, EVO-Strategie. Weiter gehören dazu eine „Optimierung des Bestandsgeschäfts“ und eine neue, innerbetrieblich wirkende Unternehmenskultur. Nach wie vor Wachstumsfeld ist die Windkraft: Die EVO betreibt mit der „juwi“-Gruppe 38 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 95 Megawatt in Hessen und Rheinland-Pfalz. Der vierte Windpark ist im Sommer offiziell eröffnet worden. Weitere Projekte sind in Planung – unter anderem an mehreren Standorten im Main-Kinzig-Kreis. Jeweils 2,5 Millionen Euro investierte die EVO in ihr Pelletwerk, das nun 90.000 Tonnen pro Jahr produziert und damit marktfähig sei, wie Technikvorstand Dr. Kurt Hunsänger sagte, sowie in einen „Elektro-Heizer“ für das Fernwärme-Geschäft. Er steht auf dem Gelände an der Andréstraße, funktioniert wie eine Art Tauchsieder und leistet zehn Megawatt.

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