Stadtkämmerer Beseler stellt sich in Beethovenschule der Kritik

„Enger Hof ist doof“

Offenbach-Post

Offenbach -  Michael Beseler steht im Mittelpunkt - und das im buchstäblichen Sinne. Schon wenige Minuten nach der Protestaktion „Rettet den Schulhof“ auf dem Gelände der Beethovenschule wird der Stadtkämmerer umringt von Eltern und Anwohnern, die lautstark Erklärungen einfordern.

Alle wollen wissen, warum ein Teil des Schulhofes verkauft werden soll, wodurch den Schülern deutlich weniger Bewegungsraum zur Verfügung stehen würde.

„Von der Stadt bekommen wir ja nur unverbindliche Antworten“, erklärt Ricarda Laps, Elternbeiratsvorsitzende der Beethovenschule. Bislang habe man weder einen Einblick in die Ausgangsvorgaben der Stadt bekommen, noch sei man über die Ausstattung der Container während der Übergangsphase informiert worden. Unverständlich ist für Laps, dass ausgerechnet der Erlös aus dem Teilgrundstück zur Finanzierung des Neubaus benötigt wird. „Wir sind schließlich nur ein Teil des Schulsanierungsprogramms.“

Beseler kann die Aufregung verstehen, betont jedoch, dass ihm schlichtweg die Hände gebunden seien. „Das Haushaltsvolumen lässt nun mal keine andere Lösung zu, als das Teilgrundstück zu verkaufen“, sagt er. Irgendwo her müsse das Geld für den Neubau schließlich kommen. Das Motto „Rettet den Schulhof“ stellt er in Frage. „Wir verkleinern den Schulhof, aber er verschwindet ja nicht komplett.“

Doch genau darin sehen die Eltern, die gemeinsam mit den Kindern eine Vielzahl von Transparenten gestaltet haben, das große Problem. „Die Kinder werden unmotorisch und wir sollen dabei zusehen, das kann doch nicht sein“, sagt eine verärgerte Mutter. Bei 100 Schülern mehr, die demnächst die Einrichtung besuchen werden, sei dieser Platzmangel unverantwortlich.

Beseler weist auf den „üblichen Maßstab“ hin, der trotz der Reduzierung von etwa einem Drittel des jetzigen Schulhofes eingehalten werde. „Fünf Quadratmeter pro Schüler entspricht der Norm“, erklärt er. Wie knapp der Platz nach der geplanten Umstrukturierung sein könnte, zeigt eine kleine Demonstration der Schüler. Mit Absperrbändern haben sie den großen und kleinen Schulhof räumlich voneinander getrennt und füllen die Fläche, die ihnen nun noch zur Verfügung steht, komplett aus. „Enger Hof ist doof“, heißt es dazu auf einem der Plakate. Andere Spruchbänder zielen auf die Notwendigkeit der Bäume ab, die Ricarda Laps, als „wichtige Luftfilter“ bezeichnet. „Eine Buche gibt genug Sauerstoff für 270 Menschen“, ergänzt Schulleiter Gerd Beitler, der die Hoffnung auf ein Umschwenken der Entscheidungsträger noch nicht aufgegeben hat. Es müsse aber sehr bald etwas passieren, betont er. Genau genommen in den nächsten drei Wochen, ehe der Bieter des Grundstücks eine Zusage erhält. „Bis dahin hat die Stadt noch die Möglichkeit zu intervenieren. Wenn der Bieter einmal ausgewählt ist, kann er diktieren, wie es hier weitergeht“, so Beitler, der vom „Zeitspiel“ der Stadt spricht. Unfassbar ist für ihn und die Elternschaft, dass der Verkauf durchgesetzt werden soll, ohne dass ein entsprechender Parlamentsbeschluss vorliegt. Auch einige Anwohner machen sich für den Erhalt des südlichen Schulgrundstücks stark. „Spielplatzflächen und Grünflächen fehlen im umgebenden Quartier, der Schulhof gewährt die notwendige Flexibilität auch für die Zukunft“, sagt Wortführer Hermann Gaffga.

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