Ärzte und Apotheker

Engpässe bei Impfstoffen befürchtet

Offenbach - Noch drei Dosen kann Dr. Hans Rudolf Diefenbach, Inhaber der Rosen-Apotheke in Offenbach, verkaufen. Sind die einmal weg, bekommen Kunden bei ihm vorerst keinen Grippeimpfstoff mehr. Die Pharmazie-Unternehmen könnten derzeit nicht mehr liefern, schlägt er Alarm. Von Domenico Sciurti

„Ich weiß nicht, wann ich wieder was bekomme“, erläutert er, „es könnte am Montag sein oder auch erst im November.“ Noch 13 Impfstoffdosen sind vorrätig, doch zehn davon darf Diefenbach nicht an die Kunden raus geben, sie gehören zu den vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) am Donnerstag zurückgezogenen Chargen. Das Institut hatte die Auslieferung der Impfstoffe Begripal und Fluad des Herstellers Novartis wegen Ausflockungen in der Vorproduktion teilweise gestoppt.

Verantwortlich für den nun vorherrschenden Engpass bei den Arzneimitteln macht der Offenbacher so genannte Rabattverträge, die zwischen gesetzlichen Krankenkassen und Pharmazie-Unternehmen bestehen. Diese Abkommen führen aufgrund niedriger Preise für die Medizin zu Exklusiv-Lieferungen durch einige wenige Hersteller. Den anderen Produzenten wird so der Verkauf der eigenen Produkte erschwert. Die Folge: Sie stellen weniger her. Bei einem Vorfall wie dem aktuellen von Novartis, haben sie dann nicht genug Mittel, um Ärzte und Apotheken zu beliefern. „Rabattverträge lassen eine lückenlose Impfung nicht zu“, betont Diefenbach. Zwar gebe es keine Rabattverträge in Hessen, doch würden die der anderen Bundesländer auch die Lieferungen nach Hessen beeinflussen.

Diefenbachs Bedenken werden von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) bestätigt. Vorstandsmitglied Regina Feldmann sagte: „Wir drohen, auf einen Engpass bei der Grippeschutzimpfung zumindest in Teilen Deutschlands zuzusteuern.“ Auch sie machte dafür die Vereinbarungen zwischen Krankenkassen und Anbietern verantwortlich. Die schieben sich indes gegenseitig die Schuld zu.

Bei dem ganzen Hin und Her, das die Ausflockungen in den Impfstoffen Begripal und Fluad ausgelöst haben, ist eines für alle Parteien sicher: Der Vorfall geht zulasten der Bürger. Die seien jetzt noch mehr verunsichert, ärgert sich Apotheker Diefenbach. Dabei seien die Menschen in Deutschland ohnehin schon „impfmüde“.

Auch wenn die Ursache für die Ausflockungen nicht endgültig geklärt sei, versichert das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), dass keine Gefahr besteht. Novartis vermeldet, dass eine Million Dosen Begripal und Fluad verabreicht wurden – ohne unerwartete Nebenwirkungen. Nach dem Rückzug der betroffenen Mittel könnten Patienten sich also bedenkenlos impfen lassen – vorausgesetzt sie finden einen Arzt, der ausreichend Impfstoffe hat. Mit Material von dpa

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