Engpässe bei Winterreifen erwartet

Offenbach - Mehr als 85 Prozent der Autofahrer in Deutschland tun es: mit Winterreifen fahren. Die Zahl hat sich seit 2006 deutlich erhöht, denn seitdem sind Winterreifen bei Schnee, Matsch und Glatteis Pflicht. Bei Temperaturen ab 7 Grad abwärts haben Winterreifen nachweislich bessere Eigenschaften. Von Ralf Enders

Für Aufsehen sorgten in den vergangenen Tagen Pressemeldungen, wonach es wegen der Abwrackprämie einen Engpass vor allem bei der Versorgung von Winterreifen für Kleinwagen gebe. Dazu Martina Schipke vom Bundesverband des Reifenhandels: „Das können wir definitiv nicht bestätigen. Die Reifenhersteller haben sich auf die Nachfrage eingestellt. Die Wartezeiten derzeit sind das übliche Wintergeschäft, wenn alle Kunden gleichzeitig kommen.“

Hersteller haben nicht genug Reifen produziert

Viele Händler sehen dies vor Ort anders. Zum Beispiel Ahmet Karakus, Inhaber von Reifen-Karakus in Obertshausen und Langen. „Noch haben wir genug Reifen, aber in etwa einer Woche wird es einen Engpass geben“, sagt er. Kunden müssten bereits heute etwa eine Woche auf einen Termin warten, und diese Situation werde sicher nicht besser. Die Nachfrage sei wegen der vielen neuen Autos durch die Abwrackprämie in diesem Jahr deutlich höher. Die Schuld für den erwarteten Mangel sieht Karakus bei den Herstellern: „Die haben einfach nicht genug produziert.

Mirko Kraus, Pressesprecher des Herstellers Goodyear Dunlop in Hanau, spricht von „derzeit noch ausreichenden Lagerbeständen“. Es könne jedoch vorkommen, dass einzelne Größen bestimmter Marken nicht mehr verfügbar seien. Einen Nachfrageboom wegen der Abwrackprämie gebe es durchaus: 2008 hätten deutsche Autofahrer insgesamt 21,1 Millionen Winterreifen gekauft, für 2009 prognostiziere Goodyear Dunlop mehr als 22 Millionen. Sein Unternehmen habe das Volumen „entsprechend erhöht“; dennoch dürfe ein Hersteller keine unnötigen Bestände produzieren. Eine exakte Einschätzung der Nachfrage sei „äußerst schwierig“.

So sieht es mit den Gesetzen aus

Niemand wird gezwungen, Winterreifen aufzuziehen. Allerdings muss er die Fahrt auf Sommerreifen unterbrechen, wenn Matsch oder Schnee aufkommen. Im Jahr 2006 ist eine Änderung der Straßenverkehrsordnung in Kraft getreten, wonach Winterreifen dann Pflicht sind. Wer ohne erwischt wird, muss 20 Euro Bußgeld bezahlen. Wenn er den Verkehr mit Sommerreifen behindert oder liegen bleibt, muss er sich auf 40 Euro und einen Punkt in Flensburg einstellen.

Und: „Wer im Winter mit Sommerreifen fährt und unverschuldet einen Unfall hat, bekommt von seiner Kaskoversicherung möglicherweise weniger oder gar nichts ausgezahlt“, warnt Jennefer Fricke vom Bund der Versicherten.

Zudem kann der Autofahrer vor Gericht zu einer Mithaftung verurteilt werden. Das Amtsgericht Trier etwa verurteilte einen Fahrer nach einem Unfall zur Mithaftung von 20 Prozent. Ihm war zwar die Vorfahrt genommen worden, wegen seiner Sommerreifen kam er jedoch beim Bremsen ins Schleudern.

Ganzjahresreifen gelten als Winterreifen. Das Profil muss mindestens 1,6 Millimeter tief sein. Dem ADAC zufolge sollten aber schon Winterreifen mit weniger als vier Millimetern ersetzt werden.

Die Regeln im Ausland

Im norditalienischen Aosta-Tal gilt seit dem 15. Oktober (bis zum 15. April) eine generelle Winterreifenpflicht.

In Österreich und der Slowakei gibt es eine Winterreifenpflicht zwischen dem 1. November und dem 15. April sobald Schnee und Eis auf der Straße liegen.

In der Schweiz, Frankreich und Tschechien gibt es zwar keine generelle Pflicht, Winterreifen können jedoch für einzelne Straße vorgeschrieben werden. Das sind viele in diesen Ländern.

In Schweden (1. Dezember bis 31. März) und Finnland (1. Dezember bis 28. Februar) gilt die Winterreifenpflicht.

Auch Lettland und Estland schreiben vom 1. Dezember bis zum 1. März Winterreifen vor.

Infos bei Telefonaktion

Experten der Initiative Pro Winterreifen des Deutschen Verkehrssicherheitsrates beantworten bei einer Telefonaktion alle Fragen zum Thema Winterreifen: am Donnerstag, 29. Oktober, von 10 bis 17 Uhr unter der kostenlosen Telefonnummer 0800/0909290.

Rubriklistenbild: © Pixelio

Kommentare