Reduzierte Öffnungszeiten

Engpass bei Kita-Personal in Offenbach: Unbefriedigende Situation für Eltern

Die städtischen Kitas haben wegen fehlendem Personal nur eingeschränkte Öffnungszeiten.
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Die städtischen Kitas haben wegen fehlendem Personal nur eingeschränkte Öffnungszeiten.

Nach und nach kehren viele Kitas wieder zurück zu normalen Betreuungszeiten. In Offenbach funktioniert das noch nicht überall.

Offenbach – Die Corona-Pandemie hat gerade Eltern vor Herausforderungen gestellt: Als zu Beginn Kitas und Schulen schließen mussten, um mögliche Infektionsorte zu verhindern, fielen die oft dringend notwendigen Betreuungsmöglichkeiten weg. Eltern waren auf das Entgegenkommen ihrer Arbeitgeber angewiesen, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen.

Inzwischen hat sich die Lage entspannt, doch zu den vorigen Betreuungsangeboten ist man in Offenbach noch nicht zurückgekehrt. Während freie und kirchliche Träger von Kitas oft die alten Betreuungszeiten anbieten, ist das bei den Kitas des städtischen Eigenbetriebs (EKO) erst ab Ende August möglich. Bis dahin gelten die reduzierten Öffnungszeiten von acht statt zehn Stunden, für die Sommerferien hat eine Hälfte der Kitas zudem in den ersten drei Wochen zu, die andere in den letzten drei Wochen.

Für manche Eltern eine unbefriedigende Situation. Denn Arbeitgeber haben nach über einem Jahr Corona-Einschränkungen oft kein Verständnis mehr dafür, dass ihre Angestellten Zeit für die Betreuung zu Hause benötigen oder mit reduziertem Stundensatz arbeiten.

Kitas in Offenbach: Mit Zeitarbeitsfirmen gegen den Engpass

Sabine Landwehr (Gesamtelternbeirat des EKO) hat diese Stimmen gesammelt und kritisiert den EKO scharf dafür, erst im September zu den alten Betreuungszeiten zurückzukehren. „Wiesbaden oder Darmstadt bieten wieder die alten Betreuungsstunden an“, sagt sie, „in Offenbach fühlen Eltern sich im Stich gelassen.“

Er würde gerne wieder zehn statt acht Stunden anbieten, sagt EKO-Leiter Roberto Priore, doch kann er nicht. Grund: Das Personal fehlt. Denn momentan seien so viele Erzieherinnen erkrankt, wegen Mutterschutz freigestellt oder im Urlaub, dass er flächendeckend keine zehn Betreuungsstunden für sämtliche Kitas garantieren könne. „Allein in der vergangenen Woche haben sich sechs Erzieherinnen in Elternzeit abgemeldet“, sagt er, „insgesamt sind über 50 in Elternzeit oder haben Beschäftigungsverbot wegen Mutterschaft.“

Dazu kämen Krankmeldungen oder Urlaub, der abgebaut werden müsse. „Der Urlaub soll jetzt genommen werden, damit wir ab September wieder längere Betreuung anbieten können“, sagt Priore. Den Personalausfall durch Elternzeit versucht der EKO mit Kräften von Zeitarbeitsfirmen zu kompensieren. „Dass bundesweit Erzieherinnen fehlen, ist nichts Neues – der Markt ist leer gefegt.“ Momentan würden rund 30 Personen aus Zeitarbeitsfirmen für die Stadt arbeiten, um den Engpass einigermaßen auszugleichen. „Wir bemühen uns nach Kräften, weitere zu bekommen.“

Individuelle Lösungen der Offenbacher Kitas trotz Engpass

Zum neuen Kita-Jahr ab dem 30. August will man die zehn Stunden Betreuung maximal anbieten. „Wenn wir das nötige Personal noch bekommen sollten, werden wir uns nicht wehren, ab der vierten Sommerferienwoche wieder die gewohnten Zeiten anzubieten.“ Allerdings schaut es momentan nicht danach aus, es könnte sogar sein, sollten noch mehr Ausfälle beim EKO gemeldet werden, dass sogar im September einzelne Kitas noch mit Einschränkungen leben müssten. „Das fällt uns nicht leicht“, sagt er, „denn wir wissen, dass viele Kinder einen besonderen Förderbedarf haben.“

Allein gelassen würden Eltern in Notlagen aber nicht, das betonen sowohl Priore wie die zuständige Bürgermeisterin Sabine Groß (Grüne). Bei Notfällen werde geschaut, ob nicht Abhilfe durch individuelle Vereinbarungen machbar seien. Priore nennt etwa den Fall einer Frau, die in Frankfurt als Lehrerin arbeitet. „Sie muss ihr Kind ab 7 Uhr betreut wissen. Wir haben mit der zuständigen Kita-Leitung gesprochen und es möglich gemacht, dass das Kind eine Stunde früher in die Kita kommen kann – dann wird es zwar nicht von einer Fachkraft betreut, aber jemand passt auf das Kind auf und die Mutter kann ihrer Arbeit nachgehen.“

Auch für rund 70 Kinder, die nach den Ferien eingeschult werden, gibt es von 8 bis 17 Uhr Betreuung. Was den Schutz vor Corona-Infektion anbelangt, so verweist Stadträtin Groß darauf, dass ab September für sechs Wochen die sogenannten „Lolli-Tests“ in allen Kitas durchgeführt werden. (Frank Sommer)

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