Enissa Amani im Capitol

Erfolgreiche Abbrecherin zu Gast in Offenbach

Trägt zum Weltfrieden bei: Schnellsprecherin Enissa Amani J  Foto: p
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Trägt zum Weltfrieden bei: Schnellsprecherin Enissa Amani J  Foto: p

Offenbach - Eigentlich sollte sie mit „Studio Amani“ 2016 die Nachfolge von Unterhalter Stefan Raab bei Pro Sieben antreten. Dass dieses Projekt floppte, ist Enissa Amani im Offenbacher Capitol nicht anzumerken. Von Sebastian Krämer

Vielmehr fühlt sie sich im fast ausverkauften Haus pudelwohl, weshalb sie gleich in ihren typischen süß-frechen Hochgeschwindigkeitsplauderton verfällt. Anders als bei Kabarettabenden, bei denen sie aufgrund des Alters der Zuschauer oft das Gefühl habe, vor einem Baumwollfeld zu stehen, kann sie sich über ein Publikum zwischen 20 und 50 freuen. Der Instagram-Generation trägt ihr Programm „Mainblick“ Rechnung, wenn Amani sich über die Selbstdarstellung mancher Paare auf der Social-Media-Plattform lustig macht. Für das restliche Publikum erklärt die Kölnerin charmant Begriffe wie „Couplegoals“.

Abgesehen von einigen Geschichten aus dem Leben der in Teheran geborenen Deutsch-Iranerin wie über Billigflüge im Inland oder Autofahrten mit ihrem Manager nehmen improvisierte Slapsticks breiten Raum im zweistündigen Programm ein. So als sie zufällig im Publikum eine Freundin aus alten Frankfurt-Griesheimer Kindheitstagen entdeckt. Mehrere Minuten führt sie von der Bühne aus einen Dialog mit Zuschauerin Mitra und nutzt die Chance, Anekdoten über Fahrten mit der S-Bahn oder kulturelle Unterschiede zwischen Iranern und anderen Nationalitäten zu erzählen.

Ebenso ist Zuschauer Frank als typischer Deutscher eingebunden, während Sohn Joshua sogar auf die Bühne darf, um einen Behindertenwitz zum Besten zu geben. Darauf rät die Gewinnerin des deutschen Comedy-Preises als beste Newcomerin dem 13-jährigen, sein Studium abzubrechen und Komiker zu werden. Schließlich habe sie ihr Jurastudium erfolgreich abgebrochen.

Auch Themen wie der Integration widmet sie sich humoristisch und fragt nach den Nationalitäten im Publikum. Als sie feststellt, das Kurden und Türken nebeneinandersitzen, betont sie, dies sei ihr Beitrag zum Weltfrieden.

Auch der Stolz der Deutsch-Italiener auf ihren Akzent wird von der einstigen Vize-Miss Westdeutschland gekonnt persifliert. Dies sei bei Iranern ganz anders, die ihren Akzent meist negierten. Und wer denkt, die TV-Karriere der attraktiven Wortakrobatin sei vorbei, irrt: So ist sie demnächst beim Video-On-Demand-Sender Netflix und heute im ARD-Talk „Hart aber fair“ zu sehen.

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