Apotheken warten auf Nachschub

Enpässe bei Impfstoffen in Offenbach

Eine Ärztin impft einen Patienten.
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Eine Ärztin impft einen Mann mit einem Influenza-Impfstoff. Die Hoffnung auf einen Impfstoff gegen Sars-CoV-2 ist nach wie vor hoch.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und viele Ärzte werben für Impfungen. Doch es kommt zu lokalen Engpässen.

Offenbach – Da musste sich unsere Leserin mal „rischdisch uffreesche“, wie sie an unsere Redaktion geschrieben hat. Was war der Grund für ihre Empörung? Sie wollte dem Appell, den sie in den Medien vernommen habe, folgen, und sich als „brave und informierte Bürgerin“ verantwortungsbewusst ihre Impfungen auffrischen lassen.

Jedoch musste unsere Leserin feststellen, dass der benötigte Impfstoff gegen Pneumokokken, die bei ihr dieses Jahr anstehen, sowohl beim Hausarzt als auch in der Apotheke nicht verfügbar ist. Pneumokokken-Erkrankungen werden von Bakterien ausgelöst und sind die häufigste Ursache aller bakterieller Lungenentzündungen. Deshalb raten Ärzte besonders Patienten aus Risikogruppen, sich impfen zu lassen. Sowohl die Hausärztin als auch die Apothekerin unserer Leserin erklären ihr, sie hätten rechtzeitig Impfdosen bestellt, aber es sei momentan nichts zu haben.

Apotheken in Offenbach bestätigen Lieferengpässe

Diese Situation bestätigen örtliche Apotheken auf Nachfrage. Ingrid Althaus, Inhaberin der Apotheke am Hafenzentrum, sagt, dass die Lieferengpässe alle Apotheken beträfen. Sie erläutert aber, dass die Schuld dafür nicht bei der Pharma-Industrie zu suchen sei, wie in der Öffentlichkeit oft vermutet werde: „Bei Impfstoffen handelt es sich um eine langwierige Produktion, die sich über mehrere Monate erstreckt. Die Produktionsketten können nicht beschleunigt werden.“ Es werde so schnell nachproduziert wie möglich. Das betreffe sowohl Grippe- als auch Pneumokokkenimpfstoffe.

Die Apotheke zum Löwen in der Frankfurter Straße berichtet ebenfalls von Lieferrückständen. Allerdings unterscheide sich die Situation zwischen den verschiedenen Impfstoffen: Gegen Pneumokokken seien lediglich drei Impfstoffdosen geliefert worden, 40 weitere seien vorbestellt. „Gegen Pneumokokken wird aktuell mehr geimpft. Das Robert-Koch-Institut hat Risikogruppen diese Impfung empfohlen. Deshalb ist die Nachfrage höher“, sagt Apothekerin Dorothee Kralle. Für Grippeimpfungen habe man ausreichend Material erhalten, Nachlieferungen seien für Oktober und November eingeplant. Deshalb komme es nur an einzelnen Tagen zu Engpässen. Aber die Kunden würden sofort benachrichtigt, wenn neue Lieferungen einträfen.

So viele Impfdosen wie noch nie in Deutschland bestellt

Eine Erklärung für den lokalen Mangel ist auf Bundesebene zu suchen: Es geht um die Verteilung der verfügbaren Impfstoffe. Das Bundesgesundheitsministerium habe für diese Saison 26 Millionen Dosen bestellt – so viele hätten in Deutschland noch nie zur Verfügung gestanden, sagt Minister Spahn. Zu lokalen Engpässen könnte es allerdings kommen, da die Impfstoffdosen nicht alle gleichzeitig zur Verfügung stehen würden. „Wir haben aber keine Versorgungsengpässe“, unterstreicht Spahn zu den Grippeimpfstoffen.

Wer soll sich impfen lassen

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut rät älteren und chronisch kranken Menschen sowohl zu einer Impfung gegen Grippe als auch gegen Pneumokokken. Die weniger bekannte Impfung gegen Pneumokokken wird auch Menschen mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten empfohlen. Die Infektion kann Lungen- und Hirnhautentzündungen sowie andere schwere Erkrankungen auslösen.

Dass ausreichend Grippeimpfstoff vorhanden sei, versichert auch Dr. Andor Schmidt, Allgemeinmediziner in der Hausarztpraxis Dr. Lutz Krönung in Bieber. Man müsse keinen Patienten ungeimpft nach Hause schicken. Von ursprünglich 700 Impfstoffdosen seien in der Praxis aktuell noch 150 vorrätig. Es seien außerdem genug neue vorbestellt worden. Mit einer Impfung gegen Pneumokokken kann jedoch auch Dr. Schmidt derzeit nicht dienen. Engpässe habe es bei diesem Impfstoff immer mal wieder gegeben. „Ich kann nicht sagen, ob wirklich die Corona-Pandemie der Grund für die fehlenden Dosen ist“, rätselt der Hausarzt.

Paul-Ehrlich-Institut bittet um Meldung bei Engpässen

Wer einen Impfstoffengpass melden möchte, kann das beim zuständigen Paul-Ehrlich-Institut machen. Wie die Pressesprecherin des Instituts Susanne Stöcker betont, gibt es diese Möglichkeit seit einigen Jahren.

Es gebe jetzt allerdings einen expliziten Aufruf zur Meldung, „um Informationen darüber zu sammeln, ob es möglicherweise zu regionalen Engpässen kommt.“ Die Auswertung laufe aktuell noch. (Von Theresa Ricke)

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