Spektakulärer Auftrag

Entenküken aus Kanal gerettet

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Verschüchtert in einer Transportkiste, aber gerettet: eines der Küken.

Offenbach - Es ist keinesfalls abwertend gemeint, wenn die Offenbacher Berufsfeuerwehr mitunter als Entenwehr bezeichnet wird. Gerade zu dieser Jahreszeit gehört es beinahe zum Tagesgeschäft, dass die Blauröcke Entenfamilien aus misslichen Lagen befreit. Von Martin Kuhn

Selten passiert das jedoch auf so spektakuläre Weise wie am Dienstag in der Brandsbornstraße. Nach zwei Stunden vermeldet die Leitstelle: Entenküken ist unverletzt aus dem Kanalrohr gerettet.

Im Einsatzprotokoll – ob augenzwinkernd oder im besten Amtsdeutsch, ist unklar – wird eine Ursache angeführt, die wohl oft zu nennen ist: „Vermutlich Unachtsamkeit beim Überqueren der Straße.“ Wie auch immer: Eine Anwohnerin alarmierte um 14.41 Uhr die Feuerwehr. Sie hatte kurz zuvor beobachtet, dass vermutlich zwei Entenküken in einen Gully gestürzt sind und sich aus eigener Kraft nicht befreien können. In der Brandsbornstraße stellten die beiden Feuerwehrleute fest, dass der geschnäbelte Nachwuchs über diesen Straßeneinlauf nicht mehr zu erreichen waren. So weit, so schlecht.

Ein aufwändiger Einsatz in der Brandsbornstraße: Der Einstieg in den Kanalschacht ist zu eng für ein regulären Atemgerät samt Flasche. Daher wird der Feuerwehrmann beim Abstieg per Druckluftschlauch versorgt.

Bei der weiteren Erkundung entdeckten die beiden einen in der Nähe gelegener Kanalschacht. Über diesen bereiteten die Blauröcke einen Rettungsversuch vor, da nach Öffnen des Kanaldeckels verängstigtes Entenpiepen zu hören war und ein Zugang möglich erschien. Allerdings war das so nicht zu bewerkstelligen: Die beiden forderten zur Rettung weitere Kollegen mit einem Löschfahrzeug nach. Einer der acht Wehrleute ging ohne das übliche Flaschenpaket, sondern mit einem Druckluft-Schlauchgerät versorgt, in den engen Kanalschacht vor.

Pech: Familie Schnatter hatte zwischenzeitlich ihre Wanderschaft innerhalb des Kanalrohres fortgesetzt; eine Rettung auf diesem Weg war wieder nicht möglich. Lösung: Erst nachdem die Berufsfeuerwehr dosiert Wasser in den Kanal leitete, wurde ein Entenküken behutsam angeschwemmt und konnte unverletzt gerettet werden.

Ein weiteres im Kanal vermutetes Entenküken tauchte allerdings nicht auf. „Weiteres Entenpiepen war ebenfalls nicht mehr wahrzunehmen“, heißt es. Das gerettete Entenküken wurde daraufhin in einem benachbarten Gartengelände mit Teich mit seiner Entenfamilie, bestehend aus den beiden Elterntieren und fünf Geschwistern, unter großem, freudigem Wiedersehens-Geschnatter zusammengeführt.

Der entstandene Schaden geht mit null Euro in die Statistik ein; die Freude der Anlieger hingegen ist mit Geld wohl nicht aufzuwiegen...

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