Eine Schnabellänge voraus

Entenrennen auf dem Main mit Teilnahmerekord

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Wie behält man auf Main 7200 Plastikenten im Griff? Für die Helfer ist’s eine logistische Herausforderung, die sie mit Bravour meistern.

Offenbach - Moderator Charly Engerts Durchsage eröffnet am Stand des Lions-Club Offenbach-Lederstadt die finale Jagd auf Startkarten. Auch die sechsjährige Hanna und ihre kleine Schwester Emma möchten Enten ins spannende Rennen schicken. Von Harald H. Richter 

Diesen Wunsch erfüllt ihnen Papa Fabian gern und erwirbt zwei Teilnahmescheine, wahrt zugleich die Chance auf attraktive Sachpreise, darunter als Hauptgewinn ein Auto. Doch noch ist es nicht soweit. Ehe Horst Schneider am Mainvorgelände den Startschuss abgibt, stimmen der Jazz-Chor Blue Notes und die Pop-Band Grolig Brothers das Publikum auf den amüsanten Tag ein. Im weiteren Verlauf wird ein Fluchtlichtstrahler aus dem alten OFC-Stadion versteigert und spült 350 Euro in die karitative Kasse.

Scharen von Knirpsen stürmen die Hüpfburg. Am Stand der Offenbach-Post lassen sich Mädchen und Jungen beim Kinderschminken in fantastische Fabelwesen verwandeln. Und beim Kuchenbuffet der Lions-Frauen finden Erdbeerschnitten und weiteres Feingebäck willige Abnehmer. Präsident Christian Plachta freut sich über den regen Besucherzuspruch und die Tatsache, dass 7200 verkaufte Startkarten Teilnahmerekord bedeuten. Die Veranstaltung ist diesmal mit dem Dragon- Cup der SG Wiking auf ein gemeinsames Wochenende gelegt, wodurch das Ganze durchaus die selbstbewusste Bezeichnung „Offenbacher Renntage“ verdient.

Erlös für zwei Projekte in Offenbach

Der Lions-Club als weltweite größte Nichtregierungsorganisation, deren Mitglieder in freundschaftlicher Verbundenheit gesellschaftliche Herausforderungen annehmen und an deren Lösung mitwirken, ist in Offenbach seit Jahren gemeinnützig aktiv. „In den Vorjahren förderten wir Projekte in einer Größenordnung von zusammen 125.000 Euro“, so Plachta. Vor allem die Kinderklinik habe profitiert. Nach seinen Worten kommt diesmal ein Teil des Erlöses aus dem Entenrennen einem Projekt der Diakoniekirche zugute, die im Mathildenviertel nachmittags Kinder betreut. Ferner wird die Wilhelmschule begünstigt. Sie ist am bundesweit größten Unterrichtsprogramm „Klasse 2000“ zur Gesundheitsförderung, Sucht- und Gewaltvorbeugung an Grundschulen beteiligt.

Nur gucken? Von wegen! Bei Moderator Charly Engert darf dieser junge Mann im WM-Outfit auch mal anfassen.

Dann wird’s langsam ernst. Immer mehr Menschen, darunter viele Familien mit Kindern, sichern sich entlang des Mainufers geeignete Beobachtungsplätze, um das Rennen möglichst bei freiem Sichtfeld verfolgen zu können. Technisches Hilfswerk, Feuerwehr und weitere Helfer haben ihre Positionen zu Lande und zu Wasser eingenommen. Notar Norbert Winter erwartet auf dem Ponton im Ziel die Ankunft des Plastik-Federviehs. Die knallroten Kunststoffnachbildungen sind korrekt durchnummeriert, damit am Ende kein Zweifel aufkommt, welche aus dieser vergnüglichen Wohltätigkeitsaktion als Sieger hervorgeht. Nachdem die Startleine beiseite gezogen ist, begibt sich das Feld auf die 100-Meter-Strecke – etwas schwerfällig zunächst, was offenbar dem Gegenwind geschuldet ist, dann aber doch Tempo aufnehmend. Einigen Nachzüglern fehlt die Orientierung, andere hangeln sich an der Begrenzungslinie entlang und kommen nicht voran. Dann ändert sich die Windrichtung. Eine etwa tausendköpfige Gruppe kann einen leichten Vorsprung herausarbeiten und sich absetzen.

Entenrennen auf dem Main

Entenrennen auf dem Main

Am Ufer hadert der kleine Lennart damit, dass sein Papa kein Fernglas mitgenommen hat, womit man seine Ente im Pulk vielleicht hätte erkennen und nötigenfalls lautstark anfeuern können. Die überwiegende Zahl Wasservögel schwimmt in zweifellos windschlüpfriger Seitenlage dem Ziel entgegen. Nur einige wenige bewältigen die verbleibende Strecke in majestätisch aufrechter Haltung, geraten dadurch aber ins Hintertreffen. Die Ausreißergruppe wird wieder eingeholt, so dass sich das Feld zusammenschiebt. Mit einer Schnabellänge Vorsprung erreicht am Ende unter aufbrausendem Beifall des Publikums die Ente mit der Nummer 3549 den Zieltrichter. Dort überwacht Notar Winter den Einlauf auch der Platzierten und reicht das Ergebnis zur Bühne weiter.

Die Bekanntgabe der Gewinnnummern der zehn Top-Preise wird mit freudigen „Ahs“ und enttäuschten „Ohs“ aufgenommen. Die kleine Hanna hat nicht gewonnen, auch ihre Schwester geht leer aus. Besonders schade: Die Zwei hätten die roten Entlein gern zur Erinnerung mit nach Hause genommen. Das geht aber nicht, denn das Plastikgeflügel wird nächstes Jahr wieder benötigt – zur sechsten Auflage...

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