Entfesselter Jagdtrieb in den Freilauf-Zonen

Wittern, hetzen, Kehle durchbeißen: Der Jagdinstinkt kann auch im liebsten Hund die Bestie entfesseln.

Offenbach - (mcr) Hässliche Dinge geschehen am Rande Biebers - ausgerechnet, weil es dort so schön ist.

Denn „schön“ bedeutet nach Gassigänger-Kriterien: weitläufige Fläche, leicht mit dem Auto zu erreichen - und von der Stadt Offenbach als Freilaufareal für Hunde freigegeben. „Hässlich“ unterdessen sind nicht alleine aus Sicht von Gerd Kniese und Hemming Dettweiler die Folgen solcher Großzügigkeit in Sachen Leinenzwang: Offenbacher Jagdpächter müssen momentan häufiger Beweisfotos mit der Digitalkamera als überzähliges oder krankes Wild mit Gewehren schießen.

Was die Speicherkarte dokumentiert, sind von frei laufenden Hunden zerfleischte oder vor die Autos an der B448 am Bieberer Berg gehetzte Rehe. Alleine in Dettweilers Lohwaldrevier wurden im vergangenen Jahr 56 Rehe angefahren.

Massen von Herrchen, die erst ihre Tiere von der Leine und dann die Hoffnung fahren lassen, dass Hunde ihren Jagdinstinkt in jedem Fall dem Gehorsam unterordnen, seien mittlerweile auf den Leinen-los-Arealen unterwegs. So hatte es der Hegering der Offenbacher Revierpächter schon im Februar vergangenen Jahres auch einem Gesandten des Offenbacher Ordnungsamtes geschildert - und vorgeschlagen, wie die Städte im Umkreis den Leinenzwang wenigstens während der Setz- und Brutzeit des Wildes von Mitte März bis Mitte Juni flächendeckend gelten zu lassen.

Der Wunsch ist einer geblieben. Weiterhin beobachten Kniese und Kollegen, wie die freundliche Freilauf-Offerte auf Handzetteln und der Offenbacher Internetseite Gassi-Touristen aus der ganzen Region nach Bieber und in andere Randgebiete lockt. Und weiterhin entdecken sie viele Rehe, denen die Kehle durchgebissen wurde. Hinzu komme die Vergiftung von Äckern mit Hundekot.

Einige angesprochene Hundebesitzer seien durchaus einsichtig, sagt Dettweiler. Aber viele ließen sich nicht mal davon bekehren, dass „so ein Fiffi, der im Wald statt auf ein Reh auf eine Bache mit Frischlingen trifft, nichts mehr zu lachen hat…“

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