Nach fast drei Jahren auf der Flucht

Entführer von Milliardärs-Sohn Würth in Offenbach gefasst

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Festnahme im Entführungsfall Würth

Offenbach/Fulda - Fast drei Jahren nach der Tat ist der Polizei heute Morgen eine spektakuläre Festnahme gelungen. Der mutmaßliche Entführer des Sohnes von Milliardär Reinhold Würth ging den Beamten in Offenbach ins Netz.

Polizeifahrzeuge stehen vor einem Hofgut in Schlitz. Der Sohn von Schrauben-Milliardär Reinhold Würth war in Osthessen entführt worden, nach kurzer Zeit aber wieder freigekommen. Würth lebte im Hofgut, einer Wohngemeinschaft für Behinderte.

Nach der Entführung des Sohns von Milliardär und Schraubenkönig Reinhold Würth im Juni 2015 wurde heute Morgen der mutmaßliche Täter geschnappt. Es handelt sich um einen 48 Jahre alten in Offenbach wohnhaften serbisch-montenegrinischen Staatsangehörigen. Zuvor hatte die „Bild“-Zeitung über die Festnahme berichtet. Klar ist auch: Am Vormittag kreiste ein Polizeihubschrauber über Offenbach - er hat wohl allerdings nichts mit der Aktion zu tun. 
Wie ein Sprecher der zuständigen Polizei in Fulda auf Anfrage bestätigte, nahmen ihn Spezialeinheiten heute Vormittag in Offenbach fest. Im Anschluss durchsuchten Beamten die Wohnung des Beschuldigten nach Beweismitteln, er wurde unterdessen nach Fulda gebracht und hier polizeilich vernommen. Wegen des dringenden Tatverdachts des erpresserischen Menschenraubes und Fluchtgefahr hatte die Staatsanwaltschaft Untersuchungshaft angeordnet - der Offenbacher befindet sich jetzt in einer Justizvollzuganstalt. Ermittler waren schon vor einiger Zeit nach Stimmanalysen davon ausgegangen, dass der Entführer aus dem Grenzgebiet zwischen Serbien und Montenegro stamme und im Rhein-Main-Gebiet Deutsch gelernt habe.

Milliardär Reinhold Würth.

Die Entführung des Würth-Sohns war glimpflich geendet. Der heute 53 Jahre alte Mann war am 17. Juni 2015 in Schlitz (Vogelsbergkreis) gekidnappt worden. Er lebte dort in einer Wohngemeinschaft für behinderte Menschen. Am Stammsitz des Würth-Unternehmens in Künzelsau bei Heilbronn (Baden-Württemberg) ging kurz nach der Entführung telefonisch die Lösegeld-Forderung von drei Millionen Euro ein.

Mutmaßlicher Entführer in Offenbach festgenommen: Fotos

Reinhold Würth und seine Ehefrau hätten sich zu dem Zeitpunkt auf einer Geschäftsreise in Griechenland befunden. Zu einer Geldübergabe kam es den Ermittlern zufolge aber nicht. Wenige Stunden nach seiner Verschleppung wurde der Würth-Sohn in einem Waldstück bei Würzburg unversehrt an einen Baum gekettet gefunden. Zu einer Übergabe der geforderten drei Millionen Euro Lösegeld kam es nicht. Lange Zeit gelang der Polizei trotz hunderter Hinweise aus der Bevölkerung allerdings auch keine Festnahme - bis heute Morgen in Offenbach. 

Das Vermögen von Reinhold Würth wird vom US-Magazin „Forbes“ auf knapp 6,6 Milliarden Euro geschätzt, er zählt damit zu den reichsten Deutschen. Er hat neben dem Sohn auch noch zwei Töchter. Der Konzern, die Würth-Gruppe, machte im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund zehn Milliarden Euro. Das Unternehmen verkauft unter anderem Schrauben und Zubehör, Dübel oder Werkzeuge. (dani/dpa)

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