Politiker und Gewerkschafter kritisieren heftig die Pläne des Sana-Konzerns fürs Offenbacher Klinikum

„Entlassungen sind zynisch“

Felix Feuerstein
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Felix Feuerstein, Sprecher der Freien Wähler Offenbach

Während der traditionellen Mai-Kundgebung machte der Offenbacher Sana-Betriebsrat Holger Renke die Sache öffentlich. Die Aktiengesellschaft will bis Jahresende bundesweit alle Geschäftsbereiche ihrer DGS pro Service GmbH schließen. Die Entscheidung trifft indirekt alle Patienten am Starkenburgring: Es geht um Pflegeservicekräfte auf den Stationen, Patiententransport, Empfang. Das ruft (politischen) Widerspruch hervor.

Offenbach - Angesichts der möglichen Entlassung von 1000 Servicekräften beim Sana-Konzern, mindestens 60 davon am Offenbacher Standort, hat die Linke im Bundestag eine aktuelle Stunde mit dem Titel „Entlassung von systemrelevanten Beschäftigten bei Sana in der Pandemie - trotz Millionengewinn“ beantragt. Christine Buchholz, Linken-Abgeordnete aus dem Wahlkreis Offenbach, sagt: „Die Entlassungen müssen umgehend gestoppt werden.

Die Servicekräfte hätten in den letzten Monaten „an vorderster Stelle geholfen“, die Pandemie zu bewältigen. „Dabei waren sie selbst einem erhöhten Gesundheitsrisiko ausgesetzt. Die Entlassungen sind zynisch und unverantwortlich.“ Mit der Kündigung der Servicekräfte stehe das ohnehin völlig überlastete Pflegepersonal vor einem Kollaps. Der Sana-Konzern gefährdet nicht nur die Zukunft der schlecht bezahlten Servicekräfte und ihrer Familien, sondern auch die Gesundheitsversorgung in einer angespannten Pandemie-Lage, wie wir sie gerade in Offenbach haben.

Mit Sana (ein Unternehmen privater Krankenversicherungen) geht Buchholz hart ins Gericht, kritisiert damit auch den Verkauf des ehemals städtischen Krankenhauses: „Die aktuelle Entscheidung des Krankenhaus-Konzerns offenbart, dass die Privatisierung und Kommerzialisierung des Gesundheitssystems und die Auslagerung in Untergesellschaften sowohl für die Beschäftigten, als auch für die Patientinnen und Patienten viele Nachteile bedeuten. ,Kostenreduzierung’ steht im Vordergrund, die Bedürfnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen dabei im Zweifel ebenso zurückstehen wie das Patientenwohl.“

Auch Brigitte Bach-Grass, DGB-Kreisvorsitzende, findet nichts Gutes an der Ankündigung des Konzerns: „Gewerkschaften sind alternativlos. Die Notwendigkeit wird umso deutlicher, wenn man die geplanten Massenentlassungen im Sana-Konzern, die leider auch in großer Zahl das Klinikum in unserer Stadt betreffen, betrachtet.“ Inmitten einer Krise des Gesundheitswesens werden Arbeitsplätze zur Umsetzung einer (angeblichen) Qualitätsoffensive gestrichen. „Da wird von ,höherer fachlicher Führung’ gesprochen. Für mich nicht ersichtlich, warum die Notwendigkeit einer Qualitätsverbesserung die Beendigung der Arbeitsverhältnisse notwendig macht.“

Ein Führungs- und Qualitätsproblem müsse stets von der Führungsebene ausgehend angegangen werden. Brigitte Bach-Grass: „Tätigkeiten, Abläufe müssen von dort konzipiert und vorgegeben werden - was sonst. Also liegt dort der Änderungsbedarf und nicht in der Beschäftigung der Ausführenden. Für mich zeigt das nur eines: dass Arbeitsplätze wieder einmal als Manövriermasse gelten. Was muss noch passieren, bevor das immer wieder beschworene Umdenken in Bezug auf respektvollen Umgang mit wichtigen Dienstleistungen für Menschen in den Führungspositionen angekommen ist?“

Die lokalen Freien Wähler empfinden die am 1. Mai öffentlich gemachten Sana-Pläne als „Hiobsbotschaft für Offenbach“. Wie die hohe Anzahl an von einer Kündigung betroffenen Mitarbeitern „in unserem ehemaligen Stadtkrankenhaus kompensiert werden soll, ist noch nicht bekannt. Das Signal allerdings ist fatal“, heißt es in einer Mitteilung. In einer Krise wie der Corona-Pandemie, in der seit Monaten für die Solidarität mit den Mitarbeitern der Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen geworben wird, zeige sich, dass als vermeintliches Einsparpotenzial die Mitarbeiter ausgeguckt worden sind. Aus dem „Gefühl des Zusammenhalts und des Zueinanderstehens“ sprechen sich die Freien Wähler deutlich gegen „Entlassungs-Pläne und Umstrukturierung auf Kosten der Mitarbeiter und der Patienten aus“.

Fraktionschef Dennis Lehmann sagt: „Als Gewerkschaftler habe ich selbstverständlich die Demo zum 1. Mai besucht. Die Meldung der möglichen Entlassungen ist sehr beunruhigend. Aktuell können wir uns nicht vorstellen, wer die Mitarbeiter ersetzen soll.“ Und Sprecher Felix Feuerstein ergänzt: „Uns ist bewusst, dass wir als Partei nicht direkt in die Entscheidungen des Konzerns eingreifen können. Jedoch sehen wir uns dem Wohle der Mitarbeiter und Patienten verpflichtet und möchten unsere Möglichkeiten nutzen, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Deshalb möchten wir öffentlich daran erinnern, dass die Sana Kliniken AG mit einem Umsatz von 2,84 Milliarden Euro im Jahre 2019 auch eine soziale Verantwortung trägt!“  mk

Christine Buchholz, Linken-Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Offenbach
Brigitte Bach-Grass, Offenbacher DGB-Kreisvorsitzende

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