Entscheidung für die Heimat

Offenbach - Verlorene Söhne kehren wieder heim zu ihren Wurzeln. Im Frühjahr packt die Firma K & K im Hanauer Hafen ihre Getränkekisten und zieht an den Karl-Herdt-Weg, wo sie im Grunde genommen ihre Heimat hat.

Denn hinter dem 2001 aufgekauften Hanauer Getränkevertrieb K & K verbirgt sich niemand anderes als die einstige Coca-Cola Peter Herdt & Söhne - eine der präsentesten Firmen der Offenbacher Nachkriegsgeschichte.

Der Umzug ist für den 18. und 19. April geplant, wie Martin Möller, neben Bernd Herdt einer der beiden Geschäftsführer, und Prokurist Rolf Engel ankündigen. Der Stadt Offenbach bringt das 140 Arbeitsplätze und ein Gewerbesteuer zahlendes Unternehmen mit 40 Millionen Euro Jahresumsatz.

Und eines mit ehrgeizigen Zielen: „Wir wollen der größte Getränkevertrieb im Rhein-Main-Gebiet werden“, sagt Martin Möller, der als Geschäftsführer bei Herdt in die Fußstapfen seines Vaters Horst getreten ist. Großhandel und Zulieferung ist angesagt, einen Getränkemarkt für Privat soll es nicht geben. Daneben will der Vollsortimenter K&K die eigene Marke „Heerbach“ etablieren: Der gleichnamige Mainaschaffer Mineralbrunnen wurde 2006 aus der Insolvenz heraus gekauft.

Mit dem Namen K&K werden die meisten Offenbacher nicht viel anfangen können. Wie der nicht weit westlich liegende Allessa-Chemiepark im Volksmund noch als „die Hoechst“ firmiert, bleibt das Erbe des Karl Herdt wohl noch einige Zeit einfach „die Coca-Cola“.

Berechtigung hat das längst nicht mehr. Die Konzession, die Herdt einst die Alleinvertretung der Ami-Brause in einem fest umrissenen Gebiet garantierte, ist mit Beginn dieses Jahres ausgelaufen. Der Coca-Rückzug begann schon früher. Die Abfüllanlagen sind seit 1992 stillgelegt, bis zum Sommer 2008 war Offenbach nur noch Verteilzentrum. Seitdem steht der 16 000-Quadratmeter große Herdtsche Familienbesitz weitgehend leer; Hausmeister, Sicherheitsdienst und seit kurzem die mit Renovierung und Umbau beauftragte Firmen halten die Stellung.

Die Rückkehr wurde lange diskutiert, zwischenzeitlich war die Vermarktung des Offenbacher Areals als Wohngebiet im Gespräch. Für die Rückkehr in erster Linie ausschlaggebend war die Chance, vom gemieteten Hanauer Gelände in verkehrsgünstig gelegenes und auf Getränkelogistik ausgerichtetes Eigentum mitten im zu erobernden Rhein-Main-Gebiet ziehen zu können. Außerdem wird auf die Erweiterungsmöglichkeit zur Mühlheimer Straße hin gesetzt, wo die Nassauische Heimstätte Wohnblocks abgerissen hat. Aber darüber steht eine Einigung mit der Stadt noch aus. (Dazu weiterer Artikel auf dieser Seite.) „Wir wollen die Rolle, die wir schon als Coca-Cola-Herdt gespielt haben, weiterführen“, kündigt Martin Möller an. Der 48-Jährige betont eine „hohe Identifikation mit dieser Stadt“ und weiteres Engagement als Sponsor: „Wenn wir auch nicht alle Wünsche erfüllen können...“

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